„Erklärt uns eure Regeln!“

Leben auf der Straße, leben im Dreck: Roma-Frauen mit Kindern in einem Vorort von Marseille.
Leben auf der Straße, leben im Dreck: Roma-Frauen mit Kindern in einem Vorort von Marseille.
Foto: AFP
Esref Avdosoji streitet für die Rechte der Roma. Er begleitete die Roma-Mutter Sakiba H., die sich grundlos mies behandelt fühlt, in die Redaktion

Duisburg-Marxloh..  „Ich weiss, dass derzeit Bürger und die Zeitungen in dieser Stadt über Probleme mit Roma klagen“, sagt Roma-Aktivist Esref Avdosoji, „weil wir uns nicht an Regeln halten. Regeln muss man aber erst kennen. Erklärt uns eure Regeln!“

Alltag für Roma sei gleich Diskriminierung, sagt er. Das zu erklären, hat er die alleinerziehende Mutter Sakiba (Name geändert und der Redaktion bekannt) mitgebracht. Avdosoji, niederländischer Staatsbürger, begleitet Sakiba und andere Roma auf Amtsgängen und zeigt ihnen Integrationsangebote auf.

Irgendwas mit ,Zigeuner’

„Wenn mich Deutsche auf der Straße sehen, gehen sie auf die andere Straßenseite“, sagt Sakiba auf rumänisch, „wenn sie an der Supermarktkasse neben mir stehen, halten sie Abstand und sagen ihren Kindern irgendwas mit ,Zigeuner’, so dass die Kinder Angst kriegen“, übersetzt Avdosoji: „Aber ich bin keine Kriminelle. Ich will nur ein besseres Leben und Bildung für mein Kind.“ Das sei doch das „Versprechen von Europa, oder?“ Ein halbes Jahr sei die Frau nach einer Odyssee von Rumänien über Spanien nun in Duisburg, sagt Avdosoji, der sechs Sprachen spricht.

Warum Sakiba nach dieser Zeit noch kein Wort deutsch könne, fragen wir. Volkshochschule und Awo böten doch Kurse an? „Meine Schwester lebt mit einem schwer kranken Kind in Duisburg“, sagt Sakiba, „ohne Krankenversicherung.“ Der Schwester versuche sie nach Kräften zu helfen.

Es sei eine Spirale, sagt Avdosoji, in die Roma hierzulande gerieten: „Keine anständige Wohnung, keine Arbeitserlaubnis, keine Krankenversicherung, nichts. Aber das Recht, hier zu sein“, sagt der Mann, der ursprünglich aus Serbien stammt: „Was würden sie in so einer Situation machen, um ihre Kinder zu ernähren?“

Ein Hauptproblem seien Vermieter, die sich eine goldene Nase verdienten, weil sie in miesen, kleinen Wohnungen 20, 30 Menschen Miete zahlen ließen: „Über diese feinen Herrschaften regt sich aber niemand auf.“

 
 

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