Ende der kirchlichen Komfortzone

Die katholische Gemeinde St. Barbara in Fahrn hieß Gäste in der Nacht der Gotteshäuser willkommen. Foto: Jörg Schimmel
Die katholische Gemeinde St. Barbara in Fahrn hieß Gäste in der Nacht der Gotteshäuser willkommen. Foto: Jörg Schimmel
Foto: Funke Foto Services
Bischof gewährte der Gemeinde drei Jahre Zeit um zu beweisen, dass sich St. Barbara auch ohne Kirchensteuermittel trägt. Förderverein mit 130 Mitgliedern

Röttgersbach..  „Geöffnet“, steht an der Seiteneingangstür von St.Barbara, aber das große Stimmengewirr und die Musik kommen eindeutig aus der hell erleuchteten Unterkirche eine Etage tiefer.

Der große Saal ist voller Männer, die sich zum Bierchen das warme Buffet schmecken lassen. Nacht der offenen Gotteshäuser? „Ne, ne wir sind die freiwillige Feuerwehr, “ sagt Zugführer Dieter Stradmann, „wir mieten für unsere Treffen jetzt immer diesen Saal, weil wir auch unseren Beitrag zur Unterstützung der Gemeinde leisten wollen.“

Oben in der Kirche mit dem schimmernden Mosaik aus winzigen Steinen geht es ruhiger zu. Auch hier ist ein Tisch aufgebaut. Nachher werden alle die der Einladung zur Nacht der offenen Gotteshäuser gefolgt sind, miteinander essen.

„Ja, die Feuerwehrleute, die haben uns schon beim Hochschleppen der Tische geholfen“, sagt Lucia Lagoda, die sich vielfältig für das neue Gemeindemodell von St. Barbara einsetzt. „Von solchen Kontakten und Vermietungen leben wir in Zukunft “, sagt Lagoda, „Ab September gibt es kein Geld mehr vom Bistum und wir müssen alleine zurechtkommen.“

Der Kampf um den Erhalt von St.Barbara war für alle eine schwere Zeit, aber inzwischen steht das 5-Säulen-Modell, in dem die Ehrenamtlichen sich organisiert haben, um einen Großteil der gemeindlichen Aufgaben selber zu übernehmen.

Und ist vom Bischof abgesegnet. Gottesdienst, Diakonie, Verkündigung, die Öffnung der Gemeinde für alle Menschen im Umfeld und – nicht zuletzt die wirtschaftliche Sicherstellung der Pastoral vor Ort sind die Aufgabenfelder, die bewältigt werden müssen. 130 Mitglieder hat der Förderverein zurzeit und nimmt jährlich 9000 Euro Beiträge ein.

Allein die ehrenamtlich geleistete Pflege der Gemeinderäume und Außenanlagen entsprechen einem Gegenwert von 15 000 Euro jährlich. „Wir haben drei Jahre Zeit, um zu beweisen dass es funktioniert“, sagt Lagoda ebenso energisch wie hoffnungsvoll. Dazu muss man Kirche offener denken als bisher und sich gut vernetzen. Die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kreuzeskirche in Marxloh klappt gut, zum Weltgebetstag kamen 120 Frauen zusammen.

Die Kirche soll auch ein Ort für Lesungen, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen werden. „Die Erkenntnis, dass bestimmte „Komfortzonen“, in denen man sich als Gemeindemitglied bisher passiv und sicher fühlen konnte, nun bald nicht mehr existieren, war für viele Menschen nicht einfach“, so steht es offen und ehrlich im Konzept. Aber die vielen Menschen die für St.Barbara in die Hände spucken, anstatt zu jammern, sorgen für ordentlich Rückenwind auf dem neuen Weg.

 
 

EURE FAVORITEN