Ein Keller voller Kreuze

Esther Merkelt
Der Künstler und Küster Jürgen Markert stellt seine Arbeiten zum Thema „Schwarz und Weiß“ aus. Foto: Michael Dahlke / WAZ FotoPool
Der Künstler und Küster Jürgen Markert stellt seine Arbeiten zum Thema „Schwarz und Weiß“ aus. Foto: Michael Dahlke / WAZ FotoPool
Der Walsumer Küster und Künstler Jürgen Markert präsentiert seine Arbeit im Martin-Niemöller-Haus seiner Gemeinde

Walsum-Vierlinden.  „Das spricht ja nun wirklich für sich“, ein Satz den man von besonders von Künstlern oft zu hören bekommt. Jeder findet seine eigene Interpretation, heißt es dann.

Diesen Ansatz verfolgt auch Jürgen Markert, der Küster aus der evangelischen Gemeinde Walsum-Vielrinden.

Der einzige Unterschied zu vielen abstrakten, undefinierbaren oder abgehobenen Werken ist, das die Kunst von Jürgen Markert tatsächlich dazu anregt eine eigene Deutung zu finden.

Kritische Auseinandersetzung

In seiner aktuellen Ausstellung im Martin-Niemöller Haus, unter dem Titel „Schwarz/Weiß“ kombiniert er vordergründig christliche Symbole wie Kreuze oder Bibeln mit Alltagsgegenständen wie Steckerleisten oder Blumentöpfen. Die Kunstwerke laden zur direkten und kritischen Auseinandersetzung mit dem Glauben ein. Natürlich hat auch Markert eine Botschaft im Kopf, die er seinen Werken gibt, er ist aber auch mit jedem anderen Verständnis zufrieden. „Wichtig ist, dass die Leute nachdenken, was dabei herauskommt ist erst einmal zweitrangig“, sagt er.

Jürgen Markert ist trockener Alkoholiker, zur Kunst gefunden hat er während einer Therapie in der Fachklinik „St. Camillus“. „Dort habe ich gelernt zu denken“, sagt er. In seiner Kunst setzt er seine Auseinandersetzungen symbolisch um. „Ich habe einen ganzen Keller voller Kreuze in den verschiedensten Kombinationen. Ich provoziere gerne“, gibt er zu. In seinen Installationen befestigt er beispielsweise ein Kruzifix auf einer gewöhnlichen Aschentonne.

Die Mitglieder der Gemeinde Walsum-Vierlinden kennen ihren Küster mittlerweile recht gut und suchen in solchen Provokation daher sofort den kritischen Hintergedanken. Wer sich jedoch alleine gar keinen Reim auf die Installationen machen kann, dem bietet der Künstler das Gespräch an. „Sonntag nach dem Gottesdienst, oder ein paar Tage nach der Ausstellung sage ich gerne etwas zu meinen Ideen, ich will nur, dass die Leute zuerst selbst überlegen“, erklärt er.

Wie weit diese Überlegungen auseinandergehen können zeigt ein Beispiel: Pfarrer Heiko Dringenberg interpretiert in ein Kunstwerk, das aus einem Stuhl, Steinen und einer Bibel besteht, die Auseinandersetzung der evangelischen Kirche mit ihrer Vergangenheit im Dritten Reich. Jürgen Markert hatte einen ganz anderen Ansatz im Kopf. „Für mich stehen die Steine unter dem Stuhl für den Ballast, den jeder mitbringt, wenn er in den Gottesdienst kommt“, erklärt er und fügt hinzu: „die Interpretation von Herrn Dringenberg gefällt mir allerdings auch sehr gut, wirklich spannend“.