Durchgang nach Jahrzehnten dicht

Vielen geht es so wie Liesette Willmann. Sie ging früher 20 Meter weit zu ihrem Bruder ins nachbarhaus. Jetzt mus sie dafür einen Umweg von mindestens 550 Metern in Kauf nehmen.
Vielen geht es so wie Liesette Willmann. Sie ging früher 20 Meter weit zu ihrem Bruder ins nachbarhaus. Jetzt mus sie dafür einen Umweg von mindestens 550 Metern in Kauf nehmen.
Foto: Christian Balke
Nachdem ein Durchgangsweg geschlossen wurde, müssen LEG-Mieter zum direkten Nachbarhaus Umwege von mindestens 500 Metern in Kauf nehmen.

Wehofen.. „Wenn ich meinen Bruder oder Freunde in der Nachbarschaft besuchen wollte, dann waren das Wege von 20, 50 Metern“, sagt Rentnerin Lisette Willmann, „wenn ich jetzt Freunde oder meinen Bruder besuchen will, muss ich über den Kuhkamp oder die Fahrner Straße laufen – wissen sie, was solche Umwege für mich und viele andere ältere Menschen hier bedeuten?“

Wer früher von der Barlenstraße aus den Eickelkamp erreichen wollte, konnte bislang stets auch den Weg nutzen, der vom Rondell der Häuser Im Eickelkamp 26 bis 34 in Richtung Barlenstraße und Ringelbergstraße führte.

Durchgangstüre abgeschlossen

Seit einigen Tagen ist der Weg vorbei an den Mehrfamilienhäusern dicht, die Durchgangstüre abgeschlossen. Für Spaziergänger, junge Mütter mit Kinderwagen und zahlreiche Anwohner gibt es hier kein Durchkommen mehr.

Die Umwege, die Lisette Willmann und andere Anwohner nun nehmen müssen, um auf die andere Seite des Zauns zu kommen, sind zwischen 550 und 750 Metern lang. Die Maßnahme betrifft sowohl Rentnerinnen und Rentner mit Gehbehinderungen, als auch Anwohner, die auf der einen Seite des Zauns wohnen und auf der anderen Seite seit Jahren eine Garage angemietet haben.

Eigentümerversammlung fasste Beschluss

Diese müssen statt 40, 50 Metern Fußweg ebenfalls mehr als eine Stadionrunde zurücklegen, um ihren Pkw zu erreichen. Früher gehörten die Mehrfamilienhäuser der Wohnungsgesellschaft LEG. Diese ließ auf Anfrage einen Sprecher mitteilen, dass die Schließung des Weges bei der turnusmäßigen Eigentümerversammlung beschlossen wurde: „Von den 44 Wohnungen dort gehören nur noch neun der LEG“, sagte der Sprecher, „und auf der Versammlung haben sich die Wohnungseigner mehrheitlich für eine Schließung des Weges entschieden.“

Beschwerden von Mietern, die den gegenwärtigen Zustand beklagten, seien mittlerweile auch bei der LEG aufgelaufen: „Wir waren selbst bei betreffender Eigentümerversammlung nicht zu gegen“, sagte der Sprecher der LEG, „können den Betroffenen aber zusichern, dass wir uns im Rahmen der nächsten Eigentümerversammlung um einen Kompromiss vor Ort bemühen werden, der allen Interessen gerecht wird.“

Petra Wilk, Einzelhändlerin, die einen Kiosk im Eickelkamp betreibt, ist von der Maßnahme ebenfalls geschockt: „Von jetzt auf gleich wird vielen älteren Stammkunden, die von der Barlenstraße, Ringelbergstraße und aus dem Spennskamp kommen, die Möglichkeit genommen, bei uns einzukaufen oder den Friseur nebenan zu besuchen“, sagt Wilk: „Wir werden nun Unterschriften gegen die Schließung des Weges sammeln.“

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