Der Marxloher Hirte und die harten Jungs

Weil er sich um Chancen für junge Muslime kümmert, wird Pater Oliver in Marxloh hoch respektiert.
Weil er sich um Chancen für junge Muslime kümmert, wird Pater Oliver in Marxloh hoch respektiert.
Foto: Kai Kitschenberg / Funke Foto Services
Chancen statt Schubladendenken: Pater Oliver beschäftigt Marxloher Jugendliche mit libanesisch/kurdischem Hintergrund. Fortbildung inklusive.

Duisburg-Marxloh.. Was machen Leiter von Pfadfinder-Gruppen und junge Männer, die auf den Straßen von Marxloh groß geworden sind, gemeinsam auf einer Fortbildung?

„Feststellen, dass sie einiges gemeinsam haben“, sagt Pater Oliver vom sozialpastoralen Zentrum Petershof. Er brachte katholische Führungskräfte der Pfadfinder und vier junge muslimische Marxloher, alle zwischen 19 und 24 jahre alt, bei einem Workshop zusammen.

Ein junger Mann mit libanesisch/kurdischen Wurzeln macht im sozialpastoralen Zentrum Petershof gerade seine Ausbildung zum Bürokaufmann, drei weitere junge Männer aus Marxloh, die aus dem Umfeld libanesisch/kurdischer Großfamilien stammen, absolvieren beim Pater gerade ein Praktikum.

Am vergangenen Wochenende nahm Pater Oliver sie mit nach Emsdetten. Dort trafen sich Führungskräfte der katholischen Pfadfinder-Bewegung zu einem Workshop, in dem es um Gruppendynamik ging und Anforderungen an Führungskräfte.

„Eigentlich haben wir gar keinen Bock, mit der Presse zu reden“

Das Thema, sagt Pater Oliver, sei den jungen Marxlohern ebenso vertraut gewesen wie den Pfadfinder-Führern: „Gruppendynamik und Mechnismen von Führung erlebten die Jungs ja auch im privaten Umfeld“, sagte der Pater beim Pressetermin mit Nachbesprechung am Montagabend im Petershof.

„Eigentlich haben wir gar keinen Bock, mit der Presse zu reden“, sagte Murat (alle Namen geändert) beim Gespräch in der Küche des Petershofes, „denn die letzten drei Journalisten, die hier waren, waren alle total nett. Und dann haben sie uns in ihren Berichten die Worte im Mund verdreht.“

Über die Frage, was sie sich vom Praktikum im Petershof versprechen, warum sie sich bei Pater Oliver engagieren, schüttelten zwei der jungen Marxloher die Köpfe: „Was glauben sie, welche Chancen wir allgemein haben? Glauben sie, die Arbeitgeber stehen bei uns Schlange?“ sagte Vahid, der das Gymnasium nach der zehnten Klasse verlassen hat: „Wir sind dankbar für jede Chance.“

Erfolge überwiegen die Probleme

Sein Kumpel Nijaz, der bereits in der Ausbildung zum Bürokaufmann steckt, ist auf einem guten Weg, eben diese Chance zu nutzen. Sagte der Pater, der hochzufrieden mit seinem Azubi ist. „Die drei anderen machen ein Praktikum, bei dem ich sie unter die Lupe nehme“, sagte der Pater, „und wenn ich es mit gutem Gewissen machen kann, empfehle ich sie an Firmen, die sie dann vielleicht ausbilden werden.“

Leicht sei das für keinen der Beteiligten, sagte der Pater, aber die Erfolge würden die Probleme klar überwiegen: „Diese Jungs brauchen Menschen, die ihnen eine Chance geben.“

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