Christsein und Eigeninitiative in Duisburg fördern

n den Gemeinden der Pfarrei St. Johann ist karitatives
n den Gemeinden der Pfarrei St. Johann ist karitatives
Foto: Fabian Strauch
Pater Thomas leitet die Pfarrei St. Johann mit gut 22 000 Katholiken. Deren Gemeinden werden sich ändern, weiß der Ordensbruder und fordert Umdenken.

Hamborn..  Pater Thomas leitet die Großpfarrei St. Johann, doch er mag diesen Begriff nicht. „Es kommt nicht auf die Größe an“, findet der Ordensbruder der Prämonstratenser. Pfarrei, das sei nur eine Verwaltungseinheit. Dass in St. Johann gut 22 000 Katholiken leben, ist für ihn zunächst nur eine Randnotiz. „Das Entscheidende spielt an den Kirchtürmen.“ Und von denen gibt es in seiner Pfarrei viele, denn die Gemeinden St. Johann, St. Hildegard, Herz Jesu und die Projektgemeinde St. Barbara, die ohne Geistlichen auskommt, gehören alle dazu. Im Gebiet gab es früher mal 13 eigenständige Pfarreien.

„Das ist keine homogene Landschaft“, sagt der Prämonstratenser. So gebe es in den Gemeinden St. Hildegard, Herz Jesu und St. Barbara viele junge Familien und entsprechend viel Kinder- und Jugendarbeit, während St. Johann von Überalterung und Migration geprägt sei und von sozialen Problemen. „Deshalb gehört der Petershof nach Marxloh und nicht nach Neumühl.“

Pater Thomas ist stolz auf das karitative Engagement in seinen Gemeinden, findet allerdings tragisch, dass etwa Kleiderstuben und kostenlose Mittagstische noch immer notwendig sind. Auf diese Wunden hinzuweisen und sie zu lindern bleibt für ihn jedoch ein Bestandteil des Christseins, das er als Priester in anderen stärken will.

So versteht er seine Leitungsaufgabe nicht bloß als Bürokratenjob, obwohl er den übrigen Geistlichen die Verwaltungsarbeit abnimmt. Vor allem will er Begabungen seiner Mitmenschen fördern und sie ermutigen, als Christ zu leben. Den Denkanstoß, dass christliche Präsenz von Pfarrstellen oder Kirchensteuern abhängt, hält er übrigens für grundlegend falsch: „Wir sind Christen aufgrund der Taufe.“

So fordert er ein Umdenken bei den Gläubigen und mehr Eigeninitiative: „Nicht die Kirche und die Priester sind verantwortlich für die Gemeinde. Jeder ist verantwortlich für seine Gemeinde.“ Jeder Getaufte solle andere Getaufte unterstützen, zudem Moslems, die ebenfalls Wahrheitssuchende seien. Als Christ, findet er, handle aber auch ein Handwerker, der seinen Nachbarn mit seinen Fähigkeiten hilft.

Strukturfragen nur ganz am Ende

„Die Gemeinden bleiben nicht so, wie sie jetzt sind“, sagt der Ordensbruder voraus. Doch Strukturveränderungen, die immer auch Opfer fordern, seien nicht die vorrangige Aufgabe der katholischen Kirche oder seiner Pfarrei. Es gehe vielmehr darum, dass sich die Mitglieder fragen, wie sie sich selbst einbringen können und was es inhaltlich bedeutet, Kirche in Hamborn zu sein. Zunächst müsse man darauf die Antworten finden.

„Die Frage nach der Struktur stellt sich erst danach, ganz am Ende. Nicht jetzt“, sagt Pater Thomas. Immerhin gebe es wohl bis zum Jahr 2020 keine geldbedingte Strukturdebatte in der Pfarrei. Denn bevor im vergangenen Jahr St. Nobert in der Gemeinde St. Johann aufging, wurden bereits die Finanzen geordnet.

 
 

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