Christen in Duisburg-Nord setzten sich weiter für ihre Kirchen ein

Politisches Nachtgebet: v.l.: Pastor Michael Kemper, Angelika Hoffmann, Pfarrer Hans Peter Lauer. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
Politisches Nachtgebet: v.l.: Pastor Michael Kemper, Angelika Hoffmann, Pfarrer Hans Peter Lauer. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
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Duisburg-Hamborn.. An der Basis brodelt es weiter. Die geplante Schließung katholischer Kirchen in Marxloh und Hamborn sorgt weiter für Wut, Unmut und Skepsis. Zwar haben die katholischen Christen im Duisburger Norden – wie berichtet – einen Kompromiss mit dem Bistum Essen erkämpft, doch die Debatte beim Politischen Nachtgebet in der Kreuzeskirche Marxloh zeigte: Von einem Kirchenfrieden kann noch längst keine Rede sein. Denn den Gläubigen geht es jetzt um das Grundsätzliche.

Die große Mehrheit der rund 100 Besucher am Montagabend forderte, alle katholischen und evangelischen Kirchen in Marxloh und Hamborn langfristig nicht nur zu erhalten, sondern auch offenzuhalten – als Ort der Begegnung, der Seelsorge, der gegenseitigen Unterstützung, eines aktiven, wohnortnahen Gemeindelebens.

Abriss kommt für Pfarrgemeinderat nicht in Frage

Angelika Hoffmann, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats von St. Norbert kündigte an: „Wir werden in den nächsten sechs Monaten weiter nach einem kreativen Ansatz suchen, St. Barbara als Gemeindezentrum zu nutzen. Damit Gemeinde vor Ort stattfinden kann. Die Kirche ist für die Menschen da, nicht die Menschen für die Kirche.“ Ein Abriss der denkmalgeschützten Kirchen St. Barbara und St. Konrad, St. Peter und St. Norbert kommt für alle Teilnehmer des Nachtgebets erst recht nicht in Frage.

Alle Gemeinden suchen nach neuen Perspektiven für die Zukunft, nach neuen Möglichkeiten, ihre Kirchen sinnvoll zu nutzen. Pastor Kemper brachte es so auf den Punkt: „Wie wird Kirche in neuer Form für neue Zielgruppen erreichbar? Welche Wege findet die Kirche heute, auf Menschen zuzugehen, auch auf diejenigen, die sonst nicht zur Kirche kommen?“ Mit dem geplanten sozialpastoralen Projekt an St. Peter habe man für die Gemeinde St. Peter und Paul in Marxloh eine Antwort gefunden: „Damit wollen wir uns als Gemeinde nicht an unsere Kirche klammern. Vielmehr wollen wir beschreiben, warum es weiter diese Kirche braucht. Es braucht neben einer evangelischen auch weitere eine katholische Gemeinde in Marxloh.“

Kemper betonte, dass es in Marxloh viele Familien gibt, die von Hartz IV leben, „in finanziell und sozial prekärer Situation“, dazu viele Zuwanderfamilien. Marxloh sei auch ein Stadtteil mit „besonderem Erneuerungsbedarf“. Schließlich sei der Anteil an alten Menschen hier besonders hoch. Pastor Kemper: „Das sind vier Herausforderungen für Christen in Marxloh. Das sozialpastorale Zentrum soll Christen in Marxloh stark machen, in diesen Feldern selbst aktiv zu werden.“

Angelika Hoffmann formulierte die neue Herausforderung für die Christen nicht nur in Marxloh und Hamborn so: „Es geht nicht so sehr um den Besuch des Gottesdienstes: Das lässt sich durchaus regeln. Da kann man auch hinfahren. Aber es muss vor Ort für Jung und Alt weiter ein Angebot geben, um sich zu treffen und zu begegnen, um Kommunion oder Konfirmation vorzubereiten, für ein Trauergespräch, zur Seelsorge. Das muss da stattfinden, wo sich die Leute zu Hause fühlen: In Ihrer Kirche.“

 
 

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