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Charakter unterm Blech

01.07.2012 | 17:00 Uhr
Charakter unterm Blech
Giftschlange: Der Cobra-Sportwagen hält, was sein Name verspricht. Weit mehr als 400 Pferdestärken bringt der Klassiker ruppig auf den Asphalt.

Duisburg-Walsum.   Oldtimerrallye „Rund um die Rheinfelsquelle“ begeisterte Motorsportfans

Die Mittagssonne spiegelt sich in poliertem Chrom, es riecht nach Benzin und Autowachs. Der Jahnplatz in Dinslaken Hiesfeld ist an diesem Samstag ein Paradies für Autoliebhaber. Rund 80 Oldtimer (mindestens 30 Jahre alte) und Youngtimer (mindestens 25 Jahre alt) stehen zum Start für eine Rallye des 1. Walsumer Automobil-Clubs im ADAC bereit. In zwei Klassen werden einmal 85 Kilometer (touristisch) und 98 Kilometer (sportlich) durch Duisburg und Dinslaken in gemütlichem Tempo gefahren. In rund drei Stunden werden dabei verschiedene Stationen angesteuert.

Sehen und gesehen werden

Fast noch wichtiger als die Rallye selbst, sind jedoch die Momente davor. Es geht darum, zu sehen und gesehen zu werden, Infos und Anekdoten über die alten Schätzchen auszutauschen.

Lange bevor sich die Teilnehmer, die mit wenigen Minuten Abstand zueinander starten, auf den Weg machen, stehen sie stolz neben ihren geliebten Gefährten und halten einen Schwatz mit den zahlreichen interessierten Gästen. „Welches Baujahr?“, fragt ein Mann der scheinbar vor Bewunderung eines tiefliegenden Sportwagens mit offenem Verdeck gar nicht mehr sagen kann. „1958“, ist die ebenso knappe Antwort des Besitzers, der gerade eine altmodische Lederrennmütze aufsetzt. Dann gehen die beiden Männer aufeinander zu und geben sich die Hand. Zeit für das Fachgespräch: Das erste Auto, verschiedene Modelle der unterschiedlichsten Marken – irgendwann wird das Gespräch aber immer komplizierter, für nicht Autobegeisterte ist kaum mehr etwas zu verstehen.

Von Zylindern ist da die Rede, komplizierter Restaurierung und Radial- und Diagonalreifen. Es handelt sich dabei um Wörter einer Sprache, die an diesem Tag viele sprechen. Wer die Sprache besonders gut spricht, ist schon von weitem auszumachen. Meist sind es Herren mittleren Alterns. Viele davon mit längeren, grau melierten Haaren, die zu einem Zopf zusammen geknotet sind. Schwarze T-Shirts tragen sie und Jeans, oder Lederhosen.

Autofans drängeln mit Kameras

Auch jüngere Autofans sind dabei, ja, sogar Frauen: An einer anderen Stelle auf dem Marktplatz schlendert ein junges Paar – beide mit Bockwurst „bewaffnet“ – an einigen der Schlitten vorbei. Während er weiterläuft bleibt sie des öfteren stehen, betrachtet dann kurz eines der Autos, oder geht einmal um dieses herum. Als sie vor einem Gefährt mit geöffneter Motorhaube stehen bleibt, ruft sie ihren Freund zurück: „Schatz, komm mal, das musst du dir ansehen“, sagt sie und wirft dann gemeinsam mit ihm einen Blick hinein.

Dann ertönen plötzlich die ersten Motoren. Der Reihe nach begeben sich die Teilnehmer zur Startlinie, jedes Auto wird jedoch dort noch einmal vorgestellt. Ein Moderator nennt Besonderheiten und Eigenschaften der Porsches, BMWs und Jeeps.

Christoph Gies ist einer der Teilnehmer. In seinem 58er Austin-Healey rollt er zum Start. Die Schirmmütze tief über die dunkle Sonnenbrille gezogen, genießt er die neidischen Blicke auf und in sein britisches Cabrio. „Ich habe den Wagen selbst restauriert, gefahren wird er nur bei solchen Rallyes“, sagt er stolz und lässt wieder den Motor aufheulen. Fotos werden gemacht von dem beigen Geschoss. An der Startlinie drängen sich Autofans mit Handys und Kameras. Dann sind es jedoch nur noch die Rücklichter, die sie zu sehen bekommen.

Dennis Bechtel


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