Bürgerprotest bremst Lastwagen in Duisburg-Neumühl

Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Duisburg-Neumühl. „Elefantenrennen“ sind in Kenia beliebt, aber sicher nicht in Neumühl. Seit Jahren nehmen dort täglich rund 570 Lkw die Abkürzung über die Sofienstraße/Am Inzerfeld von und zum Gewerbegebiet rund um die Theodor-Heuss-Straße. Die Anwohner haben jetzt die Ohren und die Nasen gestrichen voll und fordern den Stopp des Schwerlastverkehrs durch ihre Straßen.

Nun ist endlich Abhilfe in Sicht: Bei einer Bürgerversammlung in der Gaststätte Schmitz signalisierten Vertreter des Amtes für Stadtentwicklung und Projektmanagement Unterstützung für die entnervten Bürger. Nur die Bezirksvertretung Hamborn muss noch mitziehen.

Wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben, so der einhellige Tenor bei dem Treffen, bei dem rund 70 Anwohner auf Einladung des SGU-Ratsherrn Karlheinz Hagenbuck die aktuelle Situation diskutierten. „Die Straße Am Inzerfeld ist erfahrungsgemäß seit Jahren eine Rennstecke. Da spreche ich für alle Anwohner“, stellte ein entrüsteter Bürger fest. „Da fällt die Bude auseinander, wenn die Raser ihre Rennen durch unsere Straßen machen“, berichtete ein Rentner.

Was die Sache noch schlimmer macht: Die größtenteils älteren Bürger werden auch in ihrer Nachtruhe gestört. Denn nicht nur tagsüber von sechs Uhr morgens bis acht Uhr abends, sondern vereinzelt auch nachts brettern die Brummis mit teils überhöhter Geschwindigkeit durch die Sofienstraße und durchs Inzerfeld. Nicht nur die Leerfahrten z.B. von Autotransportern sorgen verlässlich für lautes Rumpeln und Scheppern auf den Neumühler Rennpisten, zu denen auch die Amsterdamer Straße gehört.

Dort – an der Kreuzung mit der Sofienstraße – wurde auch schon mal die Ampelanlage platt gefahren. Für die Anwohner ein unhaltbarer Zustand. Diese Eindrücke bestätigten Ulrich Grupe und Uwe Methling vom Stadtplanungsamt mit den Ergebnissen ihrer Lärmmessungen, die sie den Bürgern präsentierten: So wurden 2010 und Ende 2011 auf der Sofienstraße und Am Inzerfeld nicht nur rund 10 000 Fahrzeuge gezählt, davon rund 570 Lkw - innerhalb von 24 Stunden.

Mehr noch: Pkw und Lkw verursachten im Verlauf beider Straßen einen Lärmpegel von 70 dba und mehr, in den anliegenden Häusern und auf den Grundstücken dahinter 60-65 dba. Die Nachtwerte liegen immer noch zwischen 55 und 65 dba. Bürger berichteten, sie hätten zeitweise sogar 100 dba gemessen. Dazu muss man wissen: Ab 70 dba gilt Lärm als gesundheitsbelastend, kann zu Schlafstörungen, verminderter Lern-, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, zu Herz- und Kreislaufkrankheiten führen.

Die beiden Stadtplaner versprachen, die Straßen von Lärm und Schmutz möglichst zeitnah zu befreien. Kurzfristig könnten beide Straßen für den Schwerlastverkehr gesperrt und eine Tempo-30-Zone für den gesamten Bereich eingerichtet werden. Langfristig stellten Grupe und Methling mehrere Varianten vor, z. B. die angrenzende Boschstraße mit dem Konrad-Adenauer-Ring zu verbinden und dann den Lastverkehr auf diese Strecke umzuleiten. Eine weitere Variante besteht darin, ganz Neumühl vom Lkw-Verkehr zu befreien.

 
 

EURE FAVORITEN