Brot für die Massen kam aus Duisburg-Beeck

Die alte Brotfabrik ist denkmalgeschützt. Foto: Lars Fröhlich
Die alte Brotfabrik ist denkmalgeschützt. Foto: Lars Fröhlich
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Beeck..  Auf den ersten Blick könnte man es für eine stattliche Villa halten. Aber der gewerbliche Hinterhof hinter dem stählernen Schiebetor passt nicht dazu. Beim Anwesen Arnold-Overbeck-Straße 58 in Beeck, das jetzt in die Denkmalliste eingetragen wurde, handelt es sich um eine mittelständische Firmenansiedlung der vorvergangenen Jahrhundertwende.

Worum die Stadt heute so verlegen ist, nämlich um Ansiedlungen innovativer Mittelständler, die ertragsstark und wenig krisenanfällig sind, Anfang des 20. Jahrhunderts bekam die damalige Landbürgermeisterei Beeck sie. Als sich dort Bergbau und Hüttenindustrie breit machten, zog das auch andere Gewerbezweige an. Die Schwerindustrie muss damals etwa ein so modernes Image gehabt habe wie heute die Computer-Hersteller. Und da wollte eine andere Reformbewegung nicht fehlen: die für preiswerte, nahrhafte Lebensmittel.

Als solches galt das nach einem Rezept von Gustav Simons (1861 bis 1914) aus Malzkorn gebackene Vollkornbrot, das bis heute unter dem Namen „Lieken Urkorn“ vertrieben wird. Nach ei­ner Art Lizenzsystem entstanden mehrere Simons-Brotfabriken. Die Gebrüder Arnold und Wilhelm Overbeck eröffneten zunächst eine in Düsseldorf - und dann 1904 die in Beeck. „Die Herstellung des Simonsbrotes ist ein weiteres Kennzeichen der Innovation und Modernität im Duisburger Norden“, heißt es dazu bei den Denkmalschützern. Und weiter: „Simonsbrot war eine patentierte Brotsorte, die besonderer Herstellungsumstände bedurfte, Ideen, die sich nicht zuletzt in der fortschrittlichen Vereinigung von Bäcker, Müller, Mälzer und Kaufmann in einer Fabrik niederschlug.“

Von der Lage her gehörte sie ursprünglich zu Bruckhausen. Im Laufe der Jahre geriet sie durch Werksbahn und A 42 in Randlage und wurde schließlich Beeck zugeschlagen.

U-förmiger Gebäudetrakt

Der U-förmige Gebäudetrakt bestand anfangs aus einem Vorderhaus mit Packraum im Erdgeschoss, zweigeschossiger Meisterwohnung darüber, einer rückwärtigen Backstube und Nebengebäuden für Kohlelager und Stallungen, wobei ein hoher Schornstein den Maschinenraum zierte. Angesichts des Bevölkerungsbooms in der Region mangelte es der Brotfabrik nicht an Bestellungen. Bis in die 1930er Jahre erfolgten etliche Umbauten und Er­weiterungen. So wurde die Backstube 1908 um einen zweigeschossigen Kornspeicher aufgestockt, erhielt das Vorderhaus 1913 einen Vorbau über dem zur Seite verlegten Eingang mit ei­nem aufgeständerten, als „Veranda“ bezeichneten Obergeschoss mit Erker. 1918 kamen im Hof drei neue Backöfen hinzu.

Baudenkmal wurde es jetzt aus folgenden Gründen: Ersten gilt das Anwesen für den kleinen Siedlungskern dort als prägend. Zweitens ist es als mittelständische Folgeindus­trie im Ruhrgebiet in typisch repräsentativer Weise ausgeführt. Und drittens wurde damit eine preiswerte Brotversorgung der wachsenden Arbeiterschaft in der Region sichergestellt.

Seit den 1970er Jahren wurde das Gebäude anderweitig gewerblich genutzt. Heute betreibt der Enkel des Gründers, der Maler Cyrus Overbeck, darin ein Atelier.

 
 

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