Bolzen mit Spaß und Fairplay

Gemeinsame Trinkpause am heißen Dienstagabend. Natürlich wird dabei viel Wasser getrunken. Aber alle wollen möglichst schnell zurück auf den Ascheplatz. Trainiert wird immer dienstags und donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr auf der Vereinsanlage, Wehofer Straße 35.
Gemeinsame Trinkpause am heißen Dienstagabend. Natürlich wird dabei viel Wasser getrunken. Aber alle wollen möglichst schnell zurück auf den Ascheplatz. Trainiert wird immer dienstags und donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr auf der Vereinsanlage, Wehofer Straße 35.
Foto: Funke Foto Services
Postsportverein Siegfried Hamborn hat Duisburgs einzige Inklusionsmannschaft. Vorstand will bei anderen Fußballclubs Interesse an Handicapteams wecken

Röttgersbach..  Die Kinder spurten über den Ascheplatz. Sie wollen den Fußball kriegen, den Trainer Rainer Ruhe gerade aufs Spielfeld geschossen hat. Roter Staub wirbelt und die gleißende Sonne knallt. Doch die meisten Kinder lächeln. Für sie ist es das erste Training seit den Sommerferien. Viel zu lang war die Pause. Da schwitzen sie gerne. Stolze Mamas und Papas schauen vom Spielfeldrand aus zu. Noch stehen weder Taktik, Torschüsse oder Zweikampf auf dem Plan, jetzt dürfen sie nach Wochen einfach wieder bolzen. Dafür hat sich die Jugend vom Postsportverein Siegfried Hamborn in zwei Teams aufgeteilt.

Das Training ähnelt dem anderer Vereine, doch diese Jugendmannschaft ist einmalig in Duisburg, sie ist eine Inklusionsmannschaft aus behinderten und nichtbehinderten Nachwuchskickern zwischen sechs und 16 Jahren. Beim Verein spielen Spastiker, Autisten und Kinder mit Down-Syndrom.

Lust am Fußball wiedergewonnen

„Mein Sohn war vorher in einem Regelverein und hat dort die Lust am Fußball verloren. Jetzt ist er ein glücklicher Torwart“, sagt die Inklusionsbeauftragte Monika Eichholz. Beim Dienstagstraining hat Keeper Marlon, der das Asperger-Syndrom hat, besonders viel zu erzählen: Der MSV-Towart Mark Flekken hat ihm beim Pokalspiel seine Handschuhe geschenkt. Doch für lange Geschichten ist keine Zeit, nach der Trinkpause geht’s wieder ins Tor. Der Trainer sage zwar, dass die Spieler in den Ferien eingerostet sind. „Aber das stimmt gar nicht“, widerspricht Marlon. Er und alle anderen wollen das jetzt beweisen. „Die Hitze ist anstrengend“, sagt Alina, die ohne Behinderung mitspielt und sich beim Training ziemlich reinkniet. „Aber wir trinken viel, dann geht’s.“ Zwar seien alle befreundet, aber ehrgeizig. „Wir wollen natürlich gewinnen“, sagt die 13-Jährige. „Aber böse Fouls habe ich hier noch nie erlebt. Alle feuern sich sogar gegenseitig an.“

Ja, bestätigt Monika Eichholz, der Ehrgeiz sei da, aber es gibt keinen Leistungsdruck, auch nicht in der Handicap-Liga, in der die Mannschaft Punkte sammelt. Allerdings gibt es im Ruhrgebiet und am Niederrhein nur acht gemeldete Mannschaften, die während der Saison Turniere austragen, um den Tabellenplatz zu bestimmen.

„Der Bedarf an Handycap-Mannschaften ist groß“, sagt Eichholz. Derzeit arbeitet der Verein daran, eine dritte U-16 aufzubauen und er hätte auch gerne eine Ü-16. Mit dem Inklusionstag am Samstag, 3. September, wollen die Postmitglieder zudem bei anderen Vereinen das Interesse an Inklusionsmannschaften wecken. Damit die Handicap-Liga noch wächst.

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