Außer Spesen . . .

Von Journalisten umringt, um Fassung ringend: Die Frauen, die den Protest gegen die Kirchenschließungen im Norden ins Leben gerufen haben. Foto: Hermann J. Knippertz/dapd
Von Journalisten umringt, um Fassung ringend: Die Frauen, die den Protest gegen die Kirchenschließungen im Norden ins Leben gerufen haben. Foto: Hermann J. Knippertz/dapd
Foto: dapd
Die bisherige Pfarrkirche St. Norbert, die Kirche St. Barbara im Röttgersbach und St. Konrad erhalten spätestens ab 2015 kein Bistumsgeld mehr.

Duisburg-Hamborn.. Mit Transparenten und Schildern stehen Rentner und Familien aus St. Norbert und St. Barbara am Samstag gegen 14.45 Uhr auf den Fluren des Abtei-Gemeindezentrums. Umringt von einem halben Dutzend Fernsehteams. Die überbieten sich gegenseitig in den Versuchen, sich auf die besten Kameraplätze zu schubsen und zu drängeln.

Mittendrin Alexandra Brans, Grundschullehrerin, die mit ihrem Mann Christian – selbst Journalist – die Pressearbeit der Initiative gegen die Kirchenschließungen leistete. Gerade ist ihr nicht nach Pressearbeit zu Mute, denn was erst um 16.30 Uhr verkündet werden sollte, ist wohl irgendwie zu ihr durchgedrungen. Sie weint: „Bitte jetzt mal gerade nichts fragen . . .“

Hinten im Abteizentrum, in einem der Veranstaltungssäle, tagen die Vertreter des Bistums – allen voran Domkapitular Dr. Michael Dörnemann – gemeinsam mit den vom Streichungsplan betroffenen Gemeindevorständen.

Die Gläubigen aus St. Norbert und St. Barbara stimmen das Lied zum Matthäus-Bibelwort 18/20 an: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, singen sie inbrünstig, kurz bevor Pfarrer Andreas Willenberg und Initiativen-Vorsitzende Angelika Hoffmann vor die Fernseh- und Radio-Leute treten.

Ihnen überlässt es das Bistum, die endgültige Entscheidung des Bischofs Dr. Franz-Josef Overbeck zuerst in die Mikrofone zu sprechen. Überraschungen gibt es keine.

Während die Pfarrei St.Norbert mit etwa 25 000 Katholiken ab 2015 an die Abtei-Pfarrei St. Johann (ca. 4500 Katholiken) angegliedert wird, erhalten die bisherige Pfarrkirche St. Norbert, die Kirche St. Barbara im Röttgersbach und St. Konrad spätestens ab 2015 kein Bistumsgeld mehr. St. Konrad und St. Barbara werden geschlossen. St. Norbert kann versuchen, sich alternativ zu finanzieren: „Sehr unwahrscheinlich, dass das funktioniert“, sagt Willenberg traurig. Der Entschluss komme einer Schließung von St. Norbert gleich.

Die Kindergärten bleiben jedoch alle erhalten – dies sei ein Erfolg der Initiative, sagen Willenberg und Hoffmann.

Ebenso wenig überraschend: Die von Land NRW und von der Kommune politisch wegen ihrer geografischen Nähe zur Ditib-Moschee protegierte St.-Peter-Kirche in Marxloh bleibt ebenfalls geöffnet. St. Peter erhält zudem – auch das war kein Geheimnis mehr – ein Sozialpastorales Zentrum. Bei dessen Finanzierung hofft die Kirche auf Unterstützung der Politik.

Auch die baufällige Herz-Jesu-Kirche in Neumühl bleibt erhalten. Über deren marodes Dach kursieren an diesem Tag zahlreiche Gerüchte auf den Gängen des Abtei-Zentrums.

Auf der Pressekonferenz mit Vertretern des Bistums und dem Stadtdechanten Bernhard Lücking schließlich, steht Hoffnung im Vordergrund: Die, dass doch alle betroffenen Christen nun schnell wieder zueinander und zu Gott finden sollen.

 
 

EURE FAVORITEN