Auf Antworten bestehen

Zeichnung: Holtschulte
Zeichnung: Holtschulte

Duisburg-Hamborn. In unseren Stadtteilen im Norden sind sie auch häufig anzutreffen – oft sind es hoch angesehene Mitbürger: Betroffenheits-Profis.

Es gibt sie hier im Revier und anderswo in Politik und Presse, in Banken, Wirtschaft und Verwaltung. Sie sind öffentlich entsetzt über Korruption, Kriminalität, Neoliberalismus, Sozialabbau, Ausbeutung von Arbeitnehmern, Umweltverschmutzung und Filz – solange eine Kamera oder ein Diktiergerät in der Nähe stehen. Ist der Auftritt vorbei, geht es wieder ans Netzwerken, es werden Beziehungen gestrickt – über alle Partei-, Themen-, Alters-, Sitten- und Rassengrenzen hinweg.

Was herrlich demokratisch wäre, ginge es ums Gemeinwohl und nicht ausschließlich um den eigenen Vorteil, der unter anderem durch Vernebelung von Umfeld und Öffentlichkeit beschleunigt werden soll.

Da genau setzt eine der Aufgaben lokaler Presse an: Aus der Gesellschaft herausfiltern, was nicht in Ordnung ist, den Finger in Wunden legen und versuchen, Wahrhaftigkeit zu etablieren.

Wie es in der vergangenen Woche unser Kollege, der Journalist Martin Kleinwächter getan hat, als er gemeinsam mit dem couragierten Lokalpolitiker Reiner Gänzler unfassbare Missstände bei der Ersatzpflanzungs-Praxis der Stadt aufdeckte: Statt 401 Bäume zu pflanzen, die zusammen 100 250 Euro kosten sollten, pflanzte die Stadt offensichtlich 278 Jungbäume, die aber stolze 206 604 Euro kosteten. Die Stadt sieht hinsichtlich dieser Zahlen derzeit offensichtlich keinen weiteren Klärungsbedarf. Ebenso wenig hatte der Kahlschlag der Bahn AG Mitte März an einem Beecker Bahndamm ein Nachspiel – hätte ein Privatmann Mitte März Hand an einen Gertenbaum gelegt, der Rechtsstaat hätte mit aller Härte zugeschlagen.

Was Presse kann – Martin Kleinwächter hat es wieder einmal vorgemacht – ist Fragen aufwerfen. Auf Antworten bestehen, muss jedoch der Bürger, muss der Gartenbesitzer, der für einen gefällten Baum bares Geld an die Kommune überwiesen hat, muss der Steuerzahler, der mit seinem Geld den Öffentlichen Dienst Monat für Monat subventioniert.

Und spannende Fragen drängen sich weiter auf: Eigentlich kostet ein Baum zur Nachpflanzung 250 Euro. In Duisburg kostete er wohl 743 Euro. Was müssen das wohl für prachtvolle Hölzer gewesen sein?

Selbst für 250 Euro bekommt man in jedem Gartencenter einen schmucken, stattlichen Jungbaum.

Als im Hamborner Stadtwald Mitte April Sträucher und Bäume auf eine Brachfläche nahe der A42 gepflanzt wurden – publikumswirksam mit Politikern im Schlepptau – waren die Baum-Setzlinge aber kaum mehr als dünne, fragile Ästchen.

 
 

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