Audienz mit Diskussionsteil

Mehr als 100 Gemeindeglieder von St. Norbert und St. Barbara demonstrierten in Essen. Foto: privat
Mehr als 100 Gemeindeglieder von St. Norbert und St. Barbara demonstrierten in Essen. Foto: privat
Es waren mehr als 100 katholische Mütter, Väter, Omas, Opas und Kinder und sie zogen wütend und laut vor das Essener Kardinal-Hengstbach-Haus

Duisburg-Hamborn / Essen.. Es waren mehr als 100 Mütter, Väter, Omas, Opas und Kinder und sie zogen wütend und laut vor das Essener Kardinal-Hengstbach-Haus.

Kampfeslustig und solidarisch eingestellt waren sie, die Gemeindemitglieder aus St. Norbert und St. Barbara, die sich am Donnerstagmorgen mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Sitz von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck versammelten.

Nach Essen gereist, in der Hoffnung auf eine Audienz der besonderen Art, sangen, pfiffen und skandierten die Hamborner Katholiken gemeinsam gegen das, was ihnen laut Bischof Overbecks „verbindlichem Vorschlag“ ab dem Jahre 2015 droht: Schließung ihrer Heimatgemeinden.

Beim Protest vor dem Kardinal-Hengstbach-Haus gingen die Hamborner hart mit ihrem Bischof ins Gericht, skandierten „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr unsere Kirchen klaut“, „Ohne Kirchen keine Steuer!“, „Eins, zwei, drei – Hamborn katholikenfrei“ oder „Kirchenland in Narrenhand“.

Im Vorfeld der Aktion überwog sowohl in St. Norbert als auch bei den Röttgersbacher Glaubensbrüdern und -schwestern die Skepsis, ob sich der Ruhrbischof dem Gespräch stellen, ob er Anteil an ihren Sorgen nehmen würde: „Wenn er nicht kommt, dann werde ich laut pfeifen und rufen, damit er hört, dass mir meine Heimat-Kirche viel bedeutet“, hatte noch am Dienstag eine Seniorin aus der Gemeinde St. Norbert gesagt, die – wie viele andere auch – an der Teilverhüllung ihres von der Schließung bedrohten Gotteshauses beteiligt war (wir berichteten).

Am gestrigen Donnerstag endete die vom Bistum gesetzte Frist, in deren Rahmen die betroffenen Gemeinden sich zu den Bistumsplänen äußern konnten – was die Katholiken aus Hamborn dann auch unüberhörbar taten. Mit Erfolg.

Was kaum jemand zu hoffen gewagt hatte, passierte dann doch: Der Ruhrbischof , der in seinem Dienstsitz an diesem Tag eigentlich Hausherr einer Konferenz von Pfarrern aus dem gesamtem Bistum war, kam zu den Hambornern.

Gegen 9 Uhr stellte sich Overbeck, der nun seit etwas mehr als zwei Jahren die Nachfolge von Felix Genn inne hat, kritischen Fragen.

Versprechungen für den Erhalt der beiden Kirchen machte der Bischof den Demonstranten allerdings nicht. Der gebürtige Marler zeigte zwar Verständnis für die Sorgen der Gläubigen, versuchte aber seinerseits, die Demonstranten für die schwierige Situation der katholischen Kirche im Bistum zu sensibilisieren.

Als weiteren Erfolg neben dem ausführlichen Gespräch werteten die Veranstalter die Ankündigung Overbecks, schon bald die Hamborner Gemeinden St. Barbara und St. Norbert zu besuchen.

In der kontrovers aber freundschaftlich geführten Diskussion hatten die Gläubigen ihrem Bischof zuvor gesagt, dass ihnen viele Fakten, die das Bistum zum Sparen zwängen, auch bekannt seien.

Trotzdem würden sie „Kahlschlag-Politik“ und den Verlust christlicher Heimat nicht einfach akzeptieren.

Am Ende der Aktion blieb bei den Hambornern die Hoffnung, den Bischof nachdenklich gemacht zu haben. Ruhe unter den Hamborner Katholiken wird aber auch nach diesem Tag nicht einkehren. Die nächsten Protestaktionen sind bereits in Arbeit.

 
 

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