Aktivisten aus Duisburg-Marxloh peppen Ortsteils-Image auf

Sabine Merkelt-Rahm
Am Medienbunker, Johannismarkt, präsentierte die  Crew ihre Projekte. V.l.: Rim, Maria, Bilgili Üretmen, Beyza, Heydine.
Am Medienbunker, Johannismarkt, präsentierte die Crew ihre Projekte. V.l.: Rim, Maria, Bilgili Üretmen, Beyza, Heydine.
Foto: WAZ-Fotopool
Im Medienbunker am Johannismarkt ist jetzt Marxlohs neues Wohnzimmer und Galerie entstanden. Die Macher wollen mit Aktionen das Image des Ortsteils aufpolieren und setzten unter anderem auf pfiffige Aktionen.

Marxloh.  „Nein, eine Rede halte ich nicht“, Halil Özet bleibt stur. „Spricht doch wohl für sich, der Laden“, sagt er und meint das Erdgeschoss des Medienbunkers am Johannismarkt. Das wird jetzt Marxlohs neues Wohnzimmer und – Galerie! „Teestube kann ja jeder, wir wollten etwas Neues machen, was es in Marxloh noch nicht gibt“, sagt der Filmemacher und Initiator der Imagekampagne „Made in Marxloh“.

Die Köpfe rauchten

Letztere ist jetzt abgeschlossen und alle Besucher der After-Work-Party mit Projektpräsentation bunkern fleißig Souvenirs aus der neuen Serie mit dem „Made in Marxloh“-Label. Herzstück ist ein Kalender mit frechen, witzigen Fotos voller Bräute und anderer Marxloher Eigenheiten.

Nicht, dass Özet keinen Stoff für einen ordentlichen Rückblick hätte. In den Jahren der Imagekampagne rauchten die Köpfe der kreativen Bunkercrew wie früher die Schlote im Revier und es kam auch was dabei herum. „Wir haben die Geschäfte hier extrem gepuscht“, sagt er. Die Quadratmetermietpreise auf der Brautmeile sind von sieben Euro auf bis zu 45 Euro gestiegen. Es gab viel mediale Aufmerksamkeit, Fördergelder und Preise, neue Kontakte und gestiegenes Heimatgefühl.

Vermarktung der Einkaufsmeile

Ein Kind der Kampagne, die Marxloh Business-Plattform marxloh.biz zur besseren Vermarktung der Meile, soll demnächst an den Runden Tisch übergehen und weiter zum Stadtteilportal ausgebaut werden.

Genug Konsum, sagte sich die Bunkertruppe, jetzt muss ein Ort her, wo es nicht ums schnelle Geld geht. Atelier, Konzert-Raum, Galerie und Wohnzimmer soll es sein. Künstler, die sich über eine Möglichkeit freuen, kostenlos auszustellen gibt es viele. Und weil das Team gerne Sachen macht, die auch funktionieren, machen sie nur Eröffnungen. Zu Eröffnungen kommen nämlich immer viele Leute, auch wenn Ausstellungen nachher eher schwach besucht sind.

Niederschwelliges Kulturangebot

Da lässt man doch die lange Ausstellung einfach weg und macht jedes Wochenende eine neue Eröffnung. Ein niederschwelliges Kulturangebot im Hochbunker, eben. Damit die Kohle trotzdem stimmt, wird der erste Stock für private Feste vermietet. Von der Beatparty mit Live-Musik über den „Lauten18“. Geburtstag bis zur Futter- und Tanz-Fete exklusiv für Kopftuchfrauen war schon alles dabei.

„Es geht natürlich auch darum, dass man ein bisschen Wirbel, Austausch und Inspiration hat“, sagt Özet. Das wird schon, die Partygäste sind überzeugt. „Voll das Wohnzimmer mit Blümchentapete, Nierentischen und Cocktailsesseln und gleich daneben die Sichtbetonwände vom Bunker“, schwärmt Allroundkünstler Andy Dommen alias „little dead boy“, der schon überlegt, was man hier alles anstellen könnte, „da bin ich doch sehr erfreut drüber.“