Ärger um Kirchenschließungen: Das Miteinander fehlt - noch

Redakteur Gregor Herberhold (links) im Gespräch mit Pfarrer Andreas Willenberg. Foto: Udo Milbret/WAZ-FotoPool
Redakteur Gregor Herberhold (links) im Gespräch mit Pfarrer Andreas Willenberg. Foto: Udo Milbret/WAZ-FotoPool
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Duisburg-Hamborn.. Gut 100 Menschen drängte es - zum Teil mit Protestplakaten - am Mittwoch zur Rollenden Redaktion auf den Neumühler Hohenzollernplatz: Sie wollten sich die Diskussion um die geplante Schließung mehrerer katholischer Kirchen im Duisburger Norden nicht entgehen lassen, bzw. auch das Wort ergreifen.

Auch wenn vom Bistum noch keine Entscheidung vorliegt , welche Gotteshäuser dicht gemacht werden sollen, und die Mitglieder der verschiedenen von den Plänen betroffenen Gemeinden sich anfangs nicht grün waren - am Ende diskutierten doch alle gemeinsam in der Erkenntnis: Nur gemeinsam sind wir stark.

Andreas Willenberg, Pfarrer der Gemeinde St. Norbert, wünscht sich, dass mindestens noch eine weitere Kirche im Pfarrbezirk erhalten bleibt. „Technisch gesehen reichen weniger Kirchen für die Gottesdienstbesucher natürlich aus, aber eine Gemeinde besteht eben nicht nur aus Gottesdiensten. Die sozialen Strukturen lassen sich nicht so einfach verpflanzen.“

Eine der Schwierigkeiten des aktuellen Konzepts sind die weiten Wege, die einige Gemeindemitglieder auf sich nehmen müssten, um zur Messe zu kommen. Für Heike Jungen ist das ein Unding: „Mein Sohn ist neun Jahre alt und Messdiener. Ich möchte ihn nicht alleine die weite Strecke mit dem Tretroller fahren lassen.“

Auch Pfarrer Willenberg gibt zu bedenken: „Was passiert mit all den Menschen, die den Weg in die neue Gemeinde nicht schaffen?“

Die Frage bleibt: Welche Kirchen sollen offen bleiben? Zu diesem Thema gingen die Meinungen auseinander. Es wurde deutlich, dass natürlich jedes Gemeindemitglied am liebsten das eigene Gotteshaus erhalten möchte, doch um etwas zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen.

„Hier geht es doch nicht bloß um diese oder jene Gemeinde, sondern darum, die Kirche an sich zu retten. Wir sind doch alle Christen“, sagte Marion Zinz und erntete spontanen Beifall.

Zusammenhalt hält auch der Hamborner Bezirksbürgermeister Uwe Heider für notwendig: „Es ist wichtig, dass jetzt miteinander gesprochen wird“, sagte er und fügte hinzu: „Mir ist es besonders wichtig, dass wir hier in Hamborn gemeinsam kämpfen und uns nicht von Essen zerstreuen lassen.“ Heider musste sich jedoch vorwerfen lassen, dass von Seiten der Politik nicht für die nötige Unterstützung gesorgt wird.

„Wir fühlen uns schon ein wenig im Stich gelassen“, hieß es von Seiten der Gemeindemitglieder. Doch Heider beruhigte: „Ich kann versichern, dass wir uns kümmern. Ich persönlich kann natürlich nicht mit jedem sprechen, doch die Bezirkspolitiker sind und bleiben am Ball.“ In diesen Tagen will der Bezirksbürgermeister, wie von der Lokalpolitik gefordert, einen Brandbrief ans Bistum schicken, mit der Bitte, der Bischof möge nach Hamborn kommen und mit der Politik und den Menschen reden.

Marion Zilz fürchtet, dass durch die Schließung der Kirchen auch die Kindergärten bedroht sind: „Alle reden immer von Integration, diese geht jedoch verloren, wenn wir die katholischen Kindergärten schließen. Denn dort findet Integration statt“, ist sie überzeugt und ergänzt: „Ich kenne Muslime, die in einen katholischen Kindergarten gehen und dort sehr glücklich sind. Mehr noch: Sie wollen auf keinen Fall, dass dieser schließt.“

Nicht glücklich ist so mancher, dass, sofern die Abteigemeinde zur Pfarrgemeinde wird, die Prämonstratenser künftig große Teile der Seelsorge übernehmen müssten. Die aber leben im Hamborner Kloster und in der Regel nicht im Pfarrhaus neben der Kirche: „Ich habe den Pfarrer gerne an meiner Seite“, äußerte sich Stephanie Heller. Obgleich die seelsorgerische Arbeit der Ordensmitglieder nicht in Frage gestellt wurde, haben die Menschen doch Bedenken. „Viele Gemeindeglieder wünschen sich einen Pfarrer, der das Leben im Stadtteil nachvollziehen kann“, erklärte Willenberg.

„Unser Pater Tobias ist immer erreichbar!“ konterte Heldegard Bleck.

 
 

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