100.000 Narren feiern bei Europas größtem Kinderkarnevalszug in Duisburg-Hamborn

Oliver Kühn
Niederrheinischer Kinderkarnevalszug in Duisburg-Hamborn. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Niederrheinischer Kinderkarnevalszug in Duisburg-Hamborn. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
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Eine unumstrittene Perle der fünften Jahreszeit in Duisburg und der Region ist der Niederrheinische Karnevalszug in Duisburg-Hamborn. In diesem Jahr war es die 49. Auflage von Europas größtem Kinderkarnevalszug. 100.000 Narren bejubelten die Wagen.

Hamborn. Der Karnevalsumzug ist für viele Jecken der Höhepunkt einer jeden Session. Bereits im Sommer beginnen die Karnevalisten mit dem Wagenbau und kümmern sich um die organisatorischen Feinheiten. Im Jahr Eins nach der Loveparade war das in Duisburg keine einfache Aufgabe.

Zu einer unumstrittenen Perle der fünften Jahreszeit in Duisburg und der gesamten Region gehört der Niederrheinische Karnevalszug der 1. Großen KG Rot-Weiß Hamborn-Marxloh. „Wir sind der größte Kinderkarnevalszug Europas“, sagt Zugleiter Manfred Fellenz. Sogar auf Teneriffa kennt man den Zug, denn alle zwei Jahre kommt die dortige Blumenkönigin.

Der Umzug beginnt am Hamborner Altmarkt, pünktlich um 14.11 Uhr. Nicht nur das Duisburger Kinderprinzenpaar nimmt daran teil, sondern auch viele Karnevalsvereine aus dem Norden der Stadt, zum Beispiel aus Hamborn, Marxloh und Wehofen. Auch viele Spielmannszüge und Tanztruppen sind dabei; Hexen, wie man sie aus Süddeutschland kennt oder eine Römergarde im Galeerenschiff. Ein diesjähriger Höhepunkt sind chinesische Drachen und Geister, die an das fernöstliche Neujahrsfest erinnern.

Sie alle folgen dem Wagen von Zugleiter Fellenz. Er zeigt ein weißes Pferd auf den Hinterbeinen, dahinter eine Burg, ein Symbol für die Mauern der Stadt. Manfred Fellenz ist als spanischer Konquistador verkleidet, samt Metallhelm und Halskrause. „Das passt hervorragend zum Pferd.“ Mit auf dem Wagen steht seine Tochter, Christine Hinze. Sie trägt den roten Hut und die rote Stola der vereinseigenen Tanzgruppe „Teuflische Engel“. Auch ein Mitarbeiter unserer Redaktion ist dort oben, er sollte aus der Rolle des Beobachters heraustreten und mithelfen, die Kamelle unters jecke Volk zu bringen. Rund ein Dutzend Kartons mit Süßigkeiten werden auf dem Weg vom Altmarkt bis zum Schwelgernstadion geleert: Saure Schnecken und Kekse mit Kakaofüllung. Der absolute Hit sollten jedoch die zahlreichen Plüschtiere sein. „Wir sind nur ein kleiner Wagen mit wenig Wurfmaterial“, sagt Fellenz. „Die anderen können vor lauter Kartons kaum stehen.“

Bei besten Sonnenschein versammelten sich rund 100.000 Jecken um den Zug, verkleidet als Piraten, Marienkäfer, Cowboys, Indianer und Clowns, Kopfgeldjäger aus „Star Wars“, Polizisten, Comic-Helden und Prinzessinnen.

Mit leuchtenden Augen rufen die Kinder lauthals „Helau! und erhoffen sich die Aufmerksamkeit der Kamelle-Werfer, einige laufen sogar den gesamten Weg neben dem Zugleiterwagen her und warten erst gar nicht darauf, was noch folgt. Die Eltern sind nicht minder engagiert, wollen sie doch die ersten Bonbons und Stofftiere des Zuges für ihren Nachwuchs ergattern. Einige Karnevalisten haben sogar Musikanlagen und Grills am Wegesrand aufgebaut. „Eine rundum gelungener Zug“, resümiert Fellenz nach rund zwei Stunden Fahrt.

Kaum von seinem Wagen abgestiegen, steht für ihn wieder Arbeit an. Entspannen kann er erst abends, wenn die Rot-Weißen mit rund 300 Leuten ihren erfolgreichen Kinderkarnevalszug feiern.