Niederländer neugierig auf Kunst

Fabienne Piepiora

Ernst Ludwig Kirchners „Mädchen auf Fehmarn“ sind gut in Zwolle angekommen. Vor einer Woche war das Bild zusammen mit 14 anderen expressionistischen Werken von Duisburg aus auf Reisen gegangen. Bis zum 18. September sind die Gemälde noch im Rahmen der Ausstellung „Wilde – Expressionismus von der Brücke bis zum Blauen Reiter“ im „Museum de Fundatie“ zu sehen.

Die meisten Bilder in dieser Ausstellung sind übrigens Leihgaben: „In unserer Sammlung gibt es ein paar herausragende Expressionisten, das sind Perlen – und die anderen Bilder geben ihnen eine schöne Fassung“, freut sich Ralph Keuning, Leiter des Museum de Fundatie. Mit der Schau wird den Besuchern ein Überblick über die Themen und Aktivitäten der beiden Künstlergruppen gegeben. „In Deutschland wird das Wirken eher getrennt betrachtet“, erklärt Detmar Westhoff, der die Ausstellung als freier Kurator begleitete und beispielsweise auf deutscher Seite den Kontakt zu den verschiedenen Museen herstellte. Er war auch schon daran beteiligt, als vor einigen Jahren Teile der Lehmbruck-Sammlung in Paris gezeigt wurden.

Nun also Zwolle: An den Wänden des prachtvollen Museums de Fundatie sind die Bilder nach Themen sortiert. „Mädchen auf Fehmarn“ hängt in einer Reihe mit anderen Gemälden, die den Menschen in Interaktion mit der Welt zeigen. Dann wieder wird das Menschenbild oder ihre Liebe zu Landschaften deutlich. Emil Nolde hieß eigentlich Hansen, benannte sich aber nach einem Landstrich, auf dem der elterliche Hof stand. Karl Schmidt hängte noch „Rutloff“ an seinen Namen, aus Liebe zu seiner Heimat. Gewissermaßen verteilt sich die Schau auf zwei Museen: Parallel werden in Groningen mit den „Neuen Wilden“ zeitgenössische Expressionisten gezeigt.

„Es ist interessant wie die Niederländer auf die typisch deutsche Kunst schauen“, findet Westhoff. In Deutschland seien während des Zweiten Weltkriegs viele Expressionisten von privaten Sammlungen gekauft und somit gerettet worden. Die Museen haben dann nach dem Krieg gezielt die Werke ausgestellt, um die Künstler zu rehabilitieren. „Seitdem wir euch Deutschen 1988 im eigenen Land im Fußball geschlagen haben, haben wir keine Vorbehalte mehr gegen euch. Aber im Ernst: Wir Niederländer sind neugierig auf deutsche Kunst“, erklärt Ralph Keuning, der selbst in den 80er Jahren in Berlin lebte und weiß, wie positiv sich das Verhältnis verändert hat. Zum Lehmbruck-Museum pflege er gute Kontakte, habe oft mit dem Haus zusammengearbeitet, als es noch unter der Leitung von Christoph Brockhaus stand. „Zum Glück sind die Duisburger freigiebig und haben uns ihre Schätze zur Verfügung gestellt“, so Keuning.

Und in Duisburg sind die Restauratoren Petra Lohmann und André Schweers, die die Bilder für die Reise vorbereitet haben, glücklich, dass die Expressionisten „in so einem schönen Haus zu sehen sind.“ Lohmann war dabei, als die Gemälde platziert wurden: „Es sind ja viele Leihgaben dabei und es ist interessant zu sehen, was die anderen Häuser im Portfolio haben.“ Nun hoffen die niederländischen und deutschen Organisatoren auf tausende Besucher.