Neues Stellwerk in Duisburg sorgt für Probleme im Bahnverkehr

Wer rund um Duisburg mit der Bahn unterwegs ist, muss sich in den kommenden Wochen von seinen Gewohnheiten verabschieden: Die Inbetriebnahme eines neuen Stellwerks sorgt für Zugausfälle, Umleitungen und Bahnsteig-Änderungen.
Wer rund um Duisburg mit der Bahn unterwegs ist, muss sich in den kommenden Wochen von seinen Gewohnheiten verabschieden: Die Inbetriebnahme eines neuen Stellwerks sorgt für Zugausfälle, Umleitungen und Bahnsteig-Änderungen.
Foto: Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool
Die Deutsche Bahn nimmt in Duisburg ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb. Zwei Wochen lang sind Ausfälle und Unpünktlichkeit bei den Zügen geplant. Der gesamte Westen von Nordrhein-Westfalen ist ab Samstagabend betroffen. Warum eigentlich? Und wie genau? Wir geben den Überblick.

Duisburg. Die Digitalisierung macht auch vor der Deutschen Bahn nicht Halt. Aber bevor alles besser wird mit elektronischer Stellwerktechnik, müssen die Passagiere zwei Wochen lang tapfer sein. So lange will die Bahn nun in Duisburg planmäßig unpünktlich kommen – und teils auch gar nicht. Was natürlich ausstrahlt in die Region. Am Wochenende fahren erst mal keine Züge zwischen Duisburg-Hauptbahnhof und den Haltestellen Rheinhausen und Entenfang. Und so geht es weiter.

Der Laie wundert sich natürlich, warum das sein muss, schließlich nimmt die Bahn doch nur ein neues Stellwerk in Betrieb. Und tatsächlich läuft das längst parallel. „Aber es sind eben auch echte Testfahrten vorgeschrieben“, erklärt ein Bahnsprecher. „Und dabei dürfen wir keine Personen befördern. Wir können die Reisenden ja nicht zu Versuchskaninchen machen.“

Die Technik ist unschuldig

Die Technik ist also unschuldig. Nur der Mensch misstraut ihr wieder mal ... Das ist natürlich besser so. Aber das organisierte Chaos ist eben der Preis ... Wofür noch mal?

Die Umstellung auf digitale Signaltechnik soll die Bahn vor allem pünktlicher und sicherer machen, denn die alte Technik war einfach, nun ja, alt. Störanfällig. Langsam. Unübersichtlich. Ein Energieschlucker. Und die Ersatzteile sind nur noch schwer zu bekommen.

Signalmasten wurden per Hubschrauber gesetzt

Zum Beispiel sitzen jetzt mehr Kontakte, die Züge registrieren, an den Gleisen zwischen Düsseldorf-Flughafen und Mülheim-Styrum, von Rheinhausen bis Oberhausen. Sie können so schneller freigegeben werden. Auch 200 neue Signalmasten wurden aufgestellt, zum Teil per Hubschrauber, weil so wenig Platz war. Mit ihrer LED-Technik können sie andere Zeichen darstellen und so die Komplexität für den Zugführer reduzieren – er kann schneller vorbeifahren.

Nur 21 Kilometer Gleise sind betroffen, aber mehr als 700 Kilometer neue Kabel verlegte die Bahn hier, 300 Kilometer altes Zeug rupfte sie raus. 70 Millionen Euro hat sie sich das in den vergangenen eineinhalb Jahren kosten lassen – und natürlich ist das nur ein Teil des Puzzles. Denn schon Anfang der 90er hat die Bahn begonnen, kleinere Bahnhöfe zu „digitalisieren“, Vor wenigen Jahren kamen dann Hagen, Oberhausen und Bochum hinzu. Doch Duisburg ist mit täglich 730 Zügen und 100 000 Reisenden das bislang größte Drehkreuz, das die Bahn angeht, bevor irgendwann auch Düsseldorf und Köln an die Reihe kommen. Bis 2016 wird die Bahn mehr als eine halbe Milliarde Euro für die neue Leittechnik aufgewendet haben.

Viel Personal spare sie damit nicht, erklärt die Bahn, auch die drei alten Duisburger Stellwerke wurden schon gemeinsam bedient. Die Fahrdienstleiter sind dennoch umgezogen vom Bahnhof ins Büro, in die Betriebszentrale der Bahn in Duisburg-Duissern. Über ihren Bildschirmen hängen alte Blechschilder: „Wedau“ zum Beispiel – reine Nostalgie.

Diese Umleitungen und Ausfälle plant die Bahn - der Überblick

Phase 1: Sa 13.9., ab 22 Uhr, bis So 14.9

Keine Züge zwischen DU-Hbf und Rheinhausen sowie Entenfang. Betroffen sind: RE 11 (M’gladbach – Hamm), RB 31 (Xanten – DU-Hbf), RB 33 (Aachen/M’gladbach – Wesel), RB 37 (DU-Entenfang – DU-Hbf)

Phase 2: Mo 15.9. bis Sa 20.9., 22 Uhr

RB 31 beginnt und endet in DU-Rheinhausen, RE 11 fällt aus zw. DU-Hbf und M‘gladbach, RB 33 fällt aus zw. DU-Hbf und Wesel.

Phase 3: Sa 20.9., ab 22 Uhr, bis So 21.9.

RE 2 (Münster – Düsseldorf) fällt aus zwischen D’dorf und Essen; RE 3 (Hamm – D’dorf) fällt aus zwischen D’dorf und OB; RE 11 fällt aus am Sa zwischen M‘gladbach und DU und So zwischen M‘gladbach und Essen; RB 31 nur bis DU-Rheinhausen; RB 35 (Emmerich – DU) fällt aus zwischen DU und OB; S 1 (Dortmund – Solingen) fällt aus zwischen MH-Styrum und D-Unterrath; S 2 (DO – DU) fällt aus am So 21.9. von 7-21 Uhr zwischen OB und DU.

Phase 4: Mo 22.9. bis Sa 27.9. um 22 Uhr

RE 3 fällt aus zwischen D’dorf und OB; RB 33, RB 35, S 2 fallen aus zwischen DU und OB.

Phase 5: Sa 27.9., 22 Uhr, bis Mo 29.9., 4 Uhr

Einige ICE halten nicht in DU-Hbf. Der Thalys endet in Düsseldorf.

RE 2 fällt aus zwischen D’dorf und Essen; RE 3 und RE 5 ohne Halt in OB, DU und D-Flughafen; RE 6 ohne Halt in D-Flughafen, DU und MH; RB 35 fällt zwischen DU und OB aus; S 2 beginnt und endet in OB.

Auskunft der Bahn

Genauere Auskunft, auch über Ersatzbusse, gibt die Hotline: 0180 6 464 006 (20 Cent/Anruf aus dem Festnetz, Mobil max. 60 Cent/Anruf). Oder online: www.bahn.de/bauarbeiten

 
 

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