Neues Leben auf alten Fundamenten

Svenja Aufderheide
Foto: FUNKE Foto Services

Der zweite Tag der archäologischen Grabungen an der Ecke Oberstraße und Rabbiner-Neumark-Weg und schon ein Volltreffer. Einen spätgotischen Keller mit den typischen spitzen Lichtnischen zwei Kellertreppen aus dem 14. Jahrhundert hat das Grabungsteam entdeckt. Weitere werden folgen. Da ist sich Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz sicher. Es bahnt sich einiges an im Mercatorquartier, das zwischen Stadtmauer, Gutenbergstraße und Oberstraße entstehen soll. Dort, wo jetzt noch der leerstehende Schulgebäudekomplex mit Grundschule Obermauerstraße und kaufmännischer Berufsschule Mitte steht, soll ein komplett neues Stadtquartier entstehen. Doch die Fundamente, auf denen die neuen Gebäude künftig stehen sollen, werden teilweise mittelalterlichen Ursprungs sein.

„Hier verbindet sich Vergangenheit Duisburgs mit der Zukunft“, ist Oberbürgermeister Sören Link fest überzeugt. Auf 25 000 Quadratmetern zwischen Burgplatz und Stadtmauer laufen jetzt die archäologischen Untersuchungen an, die parallel zum Abriss der alten Schulgebäude im nächsten Jahr das mittelalterliche Duisburg in diesem Bereich dokumentieren werden. Die Ergebnisse der Archäologen sollen direkt in die Stadtplanung einfließen, so dass das Gelände bereits ab 2017 vermarktet werden soll. Das schwebt Planungsdezernent Carsten Tum vor. Ähnlich wie im Stadtfenster könnten die mittelalterlichen Bodendenkmäler sichtbar gemacht, teilweise als Fundament genutzt werden. Ein neugebautes Stadthaus mit spätgotischem Weinkeller? Warum nicht. Vorstellbar ist vieles. Dort, wo nichts gefunden wird, können die Planer sich „austoben. Dort, wo alte Gebäude gefunden werden, werden sie zur baulichen Grundlage für das neue Quartier. Ein Pfund, mit dem sich bei der Vermarktung wuchern lassen wird, ist sich Planungsdezernent Carsten Tum sicher. Oberbürgermeister Link geht noch einen Schritt weiter und richtet seinen Blick auf den Burgplatz vor dem Rathaus, der ja auch wieder ein richtiger Marktplatz werden könnte, schränkt aber auch realistischer Weise ein, dass man hier in Zeiträumen von fünf,zehn, zwanzig Jahren denken müsse.

Schließlich hat es nach dem Fund des Mercatorhauses 2012 auf dem Gelände auch drei Jahre gedauert, bis das Land 1,5 Millionen Euro für die archäologischen Untersuchungen und zwei Millionen Euro für die Abrissarbeiten gezahlt hat. Dafür wird das Mercatorquartier nun nach den zu findenden historischen Vorbildern entwickelt, kleinteilig mit Gässchen aber auch viel Grünfläche für eine lebenswerte Umgebung.