Neuer Winkelmann-Film begeisterte bei Preview in Duisburg

Stellte seinen neuen Film am Mittwochabend persönlich im Duisburger Filmforum am Dellplatz vor: der aus dem Ruhrgebiet stammende Regisseur Adolf Winkelmann.
Stellte seinen neuen Film am Mittwochabend persönlich im Duisburger Filmforum am Dellplatz vor: der aus dem Ruhrgebiet stammende Regisseur Adolf Winkelmann.
Foto: Lars Heidrich
Adolf Winkelmann stellte sein neues Werk „Junges Licht“einem begeisterten Publikum im Filmforum am Dellplatz vor. Ein Film für jeden, der von hier wechkommt.

Duisburg.. Nein, in Duisburg hat Adolf Winkelmann keine einzige Szene seines neuen Films „Junges Licht“ gedreht. Den 200 Besuchern im prall gefüllten großen Saal des Filmforums am Dellplatz kamen dennoch viele Dinge, die sie da auf der Leinwand sahen, vertraut vor. Denn der Regisseur küsste beim älteren Publikum Erinnerungen an die eigene Kindheit in den 60er Jahren wach. Erinnerungen an ein Leben inmitten von Bergwerken, Blumentapeten, Kokereien, Lux-Seife, Dreck und strengen Eltern. Aber auch die jüngeren Zuschauer traf er mitten ins Herz. Oder um es auf Ruhrpöttisch zu sagen: Ein Film für jeden, der von hier wechkommt.

Nach der Preview des Zwei-Stunden-Streifens am Mittwochabend im Filmforum (Kinostart: 12. Mai) bat dessen Geschäftsführer Kai Gottlob die junge Darstellerin Greta Sophie Schmidt und den Regisseur zum Gespräch auf die Bühne. Winkelmann erläuterte zunächst seine Beweggründe für den ständigen Wechsel zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen: Viele andere Filme über das Ruhrgebiet seien stets stark farb-entsättigt. Auch viele Medien würden diese Zeiten nur in Schwarz-Weiß abbilden. „Die wirkliche Welt war aber auch damals farbig“, so Winkelmann. „Das wollte ich zeigen.“

Ständiger Wechsel von Farbtönen und Format

Es gab auch Bilder, denen er bewusst alles Bunte entzog – um so näher an den Personen zu sein. Wenn im Film der Vater Waller nach getaner Bergmann-Schicht unter Tage mit kohlegeschwärztem Gesicht zwei Flaschen Milch leer trinkt und die schneeweiße Flüssigkeit über die pechschwarzen Wangen rinnt, dann ist das einfach nur brillant fotografiert.

Auch das Bildformat wechselt ständig – von heute üblichem 16:9 auf das frühere Kino-Standardformat 4:3. Mit diesen Bildsprachen aus unterschiedlichen Zeiten experimentierte Winkelmann bewusst: „Wir arbeiten heute digital und das bietet mir als Filmemacher eine Palette an Möglichkeiten. Viele Bilder ließen sich in 4:3-Format besser erzählen und komponieren“, so der Regisseur, der mit einem Augenzwinkern hinzufügte: „Letztlich habe ich die Bilder gefragt: Wie wollt ihr aussehen?“ Zudem sei man durch den Formatwechsel immer ganz nah „bei den wunderbaren Schauspielern“, so Winkelmann. „Die sollte man ganz genau beobachten können, denn um so mehr kann ich mich als Zuschauer in sie hineinversetzen.“

Küche sah aus wie bei der Oma

Apropos Schauspieler: „Ich hab schnell gewusst, wen ich für welche Rolle wollte“, so Winkelmann. „Und ich hab die gekriegt, die ich haben wollte.“ Auch das Publikum durfte Fragen stellen. Eine Besucherin wollte etwas zur stilechten Kulisse und der originalgetreuen 60er-Jahre-Ausstattung erfahren. „Die Küche sah genau so aus wie die bei meiner Oma“, sagte sie. Winkelmann lächelte. „Das mit der Ausstattung war nicht schwer. Die hab ich nachbauen lassen und bin dabei stark von meiner eigenen Kindheit ausgegangen.“ Die Kulisse mit dem Blick vom Balkon auf eine weiße Wasserdampfwolken speiende Kokerei sei hingegen so nicht mehr anzutreffen. „Die Bilder der Industriekulisse wurden im Nachhinein hineinkopiert“, musste Winkelmann seine gelungene Illusion selbst zerstören. Und warum kein Dreh an Originalschauplätzen? „Das Ruhrgebiet der 60er Jahre ist eine untergegangene Welt“, sagte Winkelmann. „So etwas findet man heute nicht mehr.“

 
 

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