Neue Verzögerung im Loveparade-Verfahren verärgert Angehörige

Thomas Richter
Die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Duisburg – in der Mitte deren Leiter Horst Bien – erfolgte am 12. Februar. Falls es zum Hauptverfahren kommt, wird dieses wegen neuerlicher Verzögerungen erst 2015 beginnen.
Die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Duisburg – in der Mitte deren Leiter Horst Bien – erfolgte am 12. Februar. Falls es zum Hauptverfahren kommt, wird dieses wegen neuerlicher Verzögerungen erst 2015 beginnen.
Foto: WAZ FotoPool
Ein möglicher Loveparade-Prozess kann wegen neuerlicher Verzögerung nicht vor 2015 beginnen. Hinterbliebene wie Klaus-Peter Mogendorf sind das Warten leid. Verärgerung herrscht auch wegen der vergessenen Weitergabe von Datenmaterial durch die Staatsanwaltschaft.

Duisburg. Klaus-Peter Mogendorf ist hörbar verärgert. „Ich hatte das schon erwartet“, sagt der Vater von Eike Mogendorf – sein Sohn zählte zu den 21 Todesopfern der Loveparade-Katastrophe – mit Blick auf die neuerliche Verzögerung des Zwischenverfahrens. Am Mittwoch hatte das Landgericht Duisburg mitgeteilt, dass mit einer Eröffnung des Hauptverfahrens in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen sei.

Grund dafür sind die Beschwerden von Verteidigern einiger Angeklagter, die die Aussagekraft des Gutachtens eines britischen Experten über die Ein- und Auslasssituation am damaligen Loveparade-Gelände anzweifeln und die Unbefangenheit des Sachverständigen in Frage stellen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg will darauf reagieren, weitere Infos einholen und diese dem Gericht dann vorlegen. Das wird dauern.

LoveparadeZudem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft es bislang versäumt hatte, dem Gericht die Originaldaten von ausgewähltem Bildmaterial zuzuleiten, das für das Verfahren wichtig ist. Die Rede ist von 90 DVDs und einigen CD-Roms. Die Ergebnisse der Datenauswertung seien zwar Bestandteil der Akte, betonte die Staatsanwaltschaft, dennoch soll das gesamte Material nun in geordneter Form allen Verfahrensbeteiligten zur Verfügung gestellt werden. Also wird es auch Klaus-Peter Mogendorf erhalten. Gemeinsam mit seiner Frau Stefanie tritt der Hinterbliebene im Prozess (so er denn eröffnet wird) als Nebenkläger auf – entgegen ursprünglicher Pläne. „Wir haben uns aber in dem Moment umentschieden, als wir davon hörten, dass bei der Anklageerhebung in Duisburg einigen Eltern von Opfern der Zutritt zur Halle verweigert wurde.“

Lücken und Unvollständigkeiten in Klageschrift

Mogendorf geht nach wie vor davon aus, dass es zu einem Hauptverfahren kommt. „Das muss auch so sein.“ Dieser Prozess wird nun aber frühestens in 2015 beginnen – also mindestens viereinhalb Jahre nach dem Katastrophentag vom 24. Juli 2010. Mogendorf und sein neuer Rechtsbeistand haben nach Durchsicht der Anklageschrift bereits Lücken und Unvollständigkeiten entdeckt – etwa was die Rolle von Professor Schreckenberg betrifft, der im Vorfeld der Loveparade ein Gutachten des Veranstalters auf seine Plausibilität hin prüfen sollte. Auch das Ausklammern der Polizei als Teilverantwortliche für die Katastrophe durch die Staatsanwaltschaft kann Mogendorf, wie so viele andere Angehörige und Hinterbliebene auch, nicht nachvollziehen. Kein Polizist zählt zum Kreis der zehn Angeklagten – genauso wenig wie Ex-OB Sauerland, Lopavent-Chef Schaller und Ex-Ordnungsdezernent Rabe.

Mogendorf plant im Falle eines Hauptverfahrens, das wegen der Masse der Prozessbeteiligten und der erwarteten Medienvertreter in einer Messehalle in Düsseldorf stattfinden würde, so oft wie möglich vor Ort zu sein. Er und seine Frauen wollen Antworten. Mogendorf: „Wir ziehen das jetzt durch.“

Die Sicht der Betroffenen-Initiative LoPa 2010

Auch die Verletzten und Traumatisierten reagierten verärgert. „Wie haben nichts Anderes erwartet. Das ist einfach nur ein neues Auf-Zeit-Spielen“, kommentierte Dirk Schales, der Sprecher der Betroffenen-Initiative LoPa 2010, die jüngste Entwicklung. Die vergessene Datenweitergabe der Staatsanwaltschaft ans Gericht wertet er als „großen Vertrauensverlust“. Man könne nur hoffen, so Schales, dass bei den übrigen Ermittlungen mit mehr Sorgfalt gearbeitet worden sei.

Er würde sich inzwischen auch nicht mehr wundern, wenn das Hauptverfahren gar nicht mehr eröffnet würde. „Obwohl das der Super-Gau für alle Hinterbliebenen, Verletzten und Traumatisierten wäre“, so Schales. Kommt es zum Prozess, will die 100 Mitglieder umfassende Betroffenen-Initiative stets vor Ort präsent sein.