Neue Stiftung hilft Loveparade-Opfern von Duisburg

Alfons Winterseel

Duisburg/Düsseldorf. Loveparade-Erfinder Dr. Motte stellte in Düsseldorf die neue „Love-Stiftung“ vor, die sich um Opfer und Hinterbliebene der Duisburger Loveparade-Katastrophe kümmern soll. Die Spitze der neuen Organisation kritisiert die offiziellen Stellen hart.

Nach der Katastrophe auf der Loveparade mit 21 Toten scheint sich nun für Überlebende und deren Angehörige eine weitere Katastrophe anzubahnen: In vielen Fällen werde nach Angaben des Düsseldorfer Rechtsanwalts Adam Krawczyk, dessen Kollege unter den 21 Toten war, die Verantwortung zwischen der Stadt Duisburg und der Versicherung des Veranstalters hin und hergeschoben.

„Viele Opfer oder Hinterbliebene haben bis heute noch immer keine hinreichende Hilfe oder Entschädigung von den verantwortlichen Veranstaltern, der Stadt Duisburg oder anderen öffentlichen Stellen erhalten.“ Stattdessen würden sie oft mit leeren Versprechungen und vertröstenden Standardschreiben hingehalten. Dies sei einer der Gründe, aus denen man sich entschlossen habe, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Mit Hilfe von Spenden und Stiftungskapital soll eine Plattform für Hinterbliebene, Verletzte und Traumatisierte geschaffen werden. Sie sollen über die Stiftung „LOVE“ Informationen erhalten, Kontakt untereinander aufnehmen und sich austauschen können. In Düsseldorf stellte Adam Krawczyk die Stiftung gemeinsam mit Matthias Roeingh, besser bekannt unter dem Namen Dr. Motte, und dem Stiftungsexperten Rainer Güttler vor.

Nach den Recherchen des Düsseldorfer Rechtsanwalts erhielt zum Beispiel ein Betroffener, der sich nachweislich eine Woche ärztlich behandeln ließ und sich inzwischen in stationärer psychologischer Behandlung befindet, von der Stadt lediglich ein standardisiertes Schreiben, dass er sich an den Hilfsfonds der AXA-Versicherung wenden solle und die Landesregierung ebenfalls Geld für Opfer bereitgestellt habe. Die AXA-Versicherung habe ihrerseits geantwortet, dass die Sonderhilfe in erster Linie für die Hinterbliebenen der 21 Toten gedacht sei und man „leider nicht auf jede finanzielle Einbuße mit einer Soforthilfezahlung reagieren“ könne. Adam Krawczyk ist sicher: „Hierbei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Diese Hinhaltetaktik hat offensichtlich Methode. Auch andere Institutionen, die vermeintlich unbürokratisch Hilfe leisten leisten wollten, verfahren entsprechend.“

Verantwortliche und Opfer an einen Tisch bringen

Die Stiftung soll aber nicht allein Hilfe für Betroffene leisten. Sie will aufklären und Verantwortliche wie Opfer an einen Tisch bringen und verfolgt langfristige Ziele. Nach offiziellen Angaben wurden 500 Menschen nach offiziellen Angaben wurden zum Teil schwer verletzt. Krawczyk geht jedoch davon aus, dass zum engsten Kreis der Opfer auch schätzungsweise 3000 Menschen zählen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe auf Rampe waren, dazu „vermutlich zehntausende Opfer mit einer psychischen Traumatisierung“, wozu nicht nur Ärzte, Polizisten und Rettungssanitäter zählten. Oftmals trete eine Traumatisierung auch erst lange Zeit nach den Erlebnissen zu Tage. Da es keine genauen Zahlen gebe, ruft die Stiftung dazu auf, sich dort zu melden. „Egal ob per Brief, Fax, E-Mail oder Anruf.“

Die Stiftung „LOVE“ - die Abkürzung steht für „Loss Occurrence Victim’s Endowment“, übersetzt: Schadensereignis Opferstiftung - will sich zum Sprachrohr der Opfer machen, ihre Interessen vertreten, langfristige Hilfe sichern und die Folgen der Loveparade-Katastrophe nicht in Vergessenheit geraten lassen. DJ Dr. Motte, Initiator und Organisator der Loveparade bis zum Jahr 2006: „Ich habe mir nie vorstellen können, dass Menschen auf einer Loveparade sterben würden.“ Dass sich die Verantwortlichen „hinter der Staatsanwaltschaft verstecken, kann man doch den Opfern nicht antun“ sagte er sichtlich bewegt.

Informationen über die Stiftung gibt es unter www.lovestiftung.de oder unter Telefon 0211-87 66 96 20.