Neue Quartiere in Duisburg sollen sozial durchmischt sein

n Duisburg gibt es einen besonders hohen Bestand an alten Häusern.
n Duisburg gibt es einen besonders hohen Bestand an alten Häusern.
Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
Andrea Bestgen-Schneebeck vom Duisburger Amt für Soziales und Wohnen plädiert dafür, auch in künftigen Vorzeige-Wohnlagen Sozialwohnungen zu bauen.

Duisburg. Der Wohnbericht 2015 zeigt ein differenziertes Bild zur Wohnungslage in Duisburg. Der Leerstand ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Was leer steht, ist allerdings nicht unbedingt für den Markt geeignet. Im Gespräch mit Fabienne Piepiora schätzen Andrea Bestgen-Schneebeck, Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen, und Thomas Schürkes von der Stabsstelle für Wohnungsfragen die Zahlen ein.

In Duisburg wohnen viele Menschen, die Transferleistungen beziehen. Gleichzeitig sinkt der Bestand an Sozialwohnungen kontinuierlich. Bereitet Ihnen die Entwicklung Sorge?

Andrea Bestgen-Schneebeck: Für einige Objekte ist die Bindung in den vergangenen Jahren weggefallen. Gleichzeitig scheuten sich Investoren davor, neue Sozialwohnungen zu bauen, weil sie fürchteten, dass die Stadt ihnen Mieter zuweist. Dabei ist die Sorge unbegründet. Wir belegen die Wohnungen immer in Absprache mit dem Vermieter. Da in Duisburg die Mieten relativ niedrig sind, konnten viele Menschen aber auch eine Wohnung auf dem freien Markt finden.

Thomas Schürkes: Das ist auch einer der Gründe, warum die Zahl der Bezieher von Wohnberechtigungsscheinen zurückgeht.

Kein Konkurrenzkampf um günstigen Wohnraum

Gibt es denn einen Konkurrenzkampf zwischen Sozialhilfeempfängern, Studenten und beispielsweise Flüchtlingen um günstigen Wohnraum?

Bestgen-Schneebeck: Das können wir zum Glück nicht feststellen. Nur wer sehr kleinräumig sucht, weil er in einen bestimmten Stadtteil will, könnte Probleme bekommen. Neudorf, Duissern und die Innenstadtbezirke sind traditionell beliebt. Gerade was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht, arbeiten wir hervorragend mit den Duisburger Wohnungsunternehmen zusammen. Ihnen gilt mein ausdrücklicher Dank.

Schürkes: Wir haben kürzlich eine Informationsveranstaltung für Eigentümer und Vermieter durchgeführt, in der wir erklärt haben, was jeder einzelne Aufenthaltstatus bedeutet und welche Übergangsbescheinigungen es gibt.

Derzeit werden von der Stadt auch Flüchtlinge, die nicht in Duisburg anerkannt wurden, in andere Kommunen zurückgeschickt.

Bestgen-Schneebeck: Grundlage ist das Integrationsgesetz und hier die Wohnsitzauflage. Die Ausländerbehörde prüft insbesondere auch Härtefälle. Einige Flüchtlinge werden Duisburg verlassen müssen und in die Kommunen zurückgehen, denen sie zugewiesen wurden. Wir können noch gar nicht absehen, wie viele hier anerkannte Flüchtlinge hier bleiben wollen und welcher Wohnraumbedarf durch mögliche Familiennachzüge entsteht.

Duisburg ist der zweitgünstigste Wohnungsmarkt in NRW

Rund 11.000 Wohnungen stehen in Duisburg leer. Ist das ein Problem?

Schürkes: Wir schätzen, dass viele alte Wohnungen nicht mehr in einem vermietbaren Zustand sind oder über Grundrisse verfügen, die nicht mehr gefragt sind, weil sie zum Beispiel gefangene Räume haben. Eigentümer scheuen die Investition, weil sie Reinvestitionen über höhere Mieten kaum erzielen können. Duisburg ist der zweitgünstigste Wohnungsmarkt in NRW.

Bestgen-Schneebeck: Leerstand ist nicht grundsätzlich schlecht. Wir brauchen aber auch eine Wohnungsreserve für Personen, die umziehen wollen oder neu nach Duisburg kommen. Hochfeld ist ein typischer Stadtteil für neuankommende ausländische Mitbürger. Viele von ihnen ziehen dann aber in andere Stadtteile. Mir imponiert Hochfeld, es ist ein lebendiger Stadtteil. Aber die Probleme dürfen wir natürlich nicht verschweigen.

Haben ausländische Mitbürger eigentlich Probleme, eine Wohnung zu finden, weil dem Vermieter der Name nicht gefällt?

Schürkes: Vorurteile sind nie auszuschließen. Vor kurzem haben wir uns mit der privaten und unternehmerischen Wohnungswirtschaft zu diesem Thema ausgetauscht.

Bestgen-Schneebeck: Dafür haben wir in Duisburg auch schon zu lange Erfahrung mit dem Thema.

Die Stadt hat neue Wohnbauflächen ausgewiesen. Mit der Mercator-Quartier sollen beispielsweise neue Wohnungen und Häuser entstehen. Aber hilft das etwa für den Bereich der Sozialwohnungen?

Bestgen-Schneebeck: Es wäre schön, wenn wir auch in den neuen Quartieren einen gemischten Wohnungsbestand bekommen. Sozialwohnungen sind außerdem alle barrierefrei.

Was wird aus Ihrer Sicht auf dem Wohnungsmarkt ein Thema für die nächsten Jahre werden?

Schürkes: In absehbarer Zeit werden viele ältere Menschen ihr Haus verkaufen wollen, weil sie dort nicht mehr allein wohnen wollen oder können. Das Interesse an alternativen Wohnformen steigt. An der Reitbahn und in Friemersheim werden gerade Wohnprojekte errichtet, bei denen wir als Stadt beraten haben. Das ist spannend, hat einen hohen Beratungsbedarf, ist nicht leicht umzusetzen, wird aber zukunftsweisend sein.

Bestgen-Schneebeck: Diese Angebote werden unseren Wohnstandort attraktiver machen.

Hinweis für Mobil-Nutzer: In der Desktop-Version dieses Artikels finden Sie eine interessante Zahlensammlung zum Wohnungsbericht in Duisburg.

So viele Wohnungen stehen in den Duisburger Ortsteilen leer: