Neue Datenbank hilft bei der Suche

Annette Kalscheur
Screenshot für WAZ Duisburg
Screenshot für WAZ Duisburg
Foto: WAZ
Das Ratsinformationssystem der Stadt ist manchen zu kompliziert. Die Software von Open Ruhr Duisburg nutzt zwar die Daten der Stadt, kommt aber dank anderer Logik und Geolocation zu besseren Suchergebnissen.

Duisburg. Mit dem Ratsinformationssystem informiert Duisburg wie viele andere Kommunen seit neun Jahren seine Bürger und seine Mandatsträger. Was damals eine technische Revolution war, ist heute für Verfechter einer transparenten Datenwelt viel zu umständlich. Deutschlandweit entwickeln sie seither Open-Data-Angebote, die die Infos der Ratsinformationssysteme, also Vorlagen für die Ausschüsse etwa, nutzen, um sie neu aufzubereiten: nutzerfreundlich und kostenlos.

Was ist Open Data?
Gemeint ist die freie Verfügbarkeit öffentlicher Daten, durch die mehr Transparenz hergestellt werden kann. Befürworter glauben, dass dadurch mehr Teilhabe in der Gesellschaft hergestellt werden kann. Gegner sehen unter anderem Urheberrechte gefährdet.

Was kann Open Ruhr Duisburg?
Auf der Startseite kann man nach Stichworten oder nach Straßennamen suchen. Wenn ich wissen will, welche Baustelle vor meiner Haustüre droht, gebe ich also die Straße ein, dann erscheint eine Karte, die den engsten Umkreis rot anzeigt. Klickt man auf diese Flächen, bekommt man alle vorliegenden Infos. 26 Treffer kommen zum Philosophenweg. Es sind Dokumente aus Bezirksvertretung und Rat, Haupt- und Finanzausschuss und Umweltausschuss. Zur Mercatorstraße gibt's gleich 104 Treffer – zur Verlagerung von Bushaltestellen, dem Platanen-Problem und so weiter.

Stichwortsuchen-Test: Bei „Kanu-WM“ gibt es neun Treffer bei Open Ruhr. Und schon ist man bestens informiert, kann die Menge der erwarteten Nationen (90) und der Sportler (1300) nachlesen, bekommt Infos über die Regattabahn inklusive neu gebauter Stege, über Finanzierung und Werbung sowie Quartalsberichte von Duisburg Sport. Das Ratsinformationssystem hat im Vergleich nur zwei Treffer, die nicht wirklich weiterbringen: Die Genehmigung einer Dienstreise aus 2006 zur damaligen Kanu-WM sowie eine Frage der DWG zur Werbung für die diesjährige WM.

Und was sagt die Stadt dazu?
Sie hat erst mal kein Problem damit, dass die Daten aus dem ohnehin öffentlichen Ratsinformationssystem genutzt werden. „Je mehr Politik durch solche Angebote verbreitet wird, um so besser“, findet Frank Kopatschek, der Sprecher des Oberbürgermeisters.

Insbesondere die Zusammenführung der Geodaten hält er für pfiffig. Bei der Bereitstellung von Schnittstellen, die Open Ruhr Duisburg eine schnellere Aktualisierung möglich machen würde, sei man aber wegen der offenen Lizenz- und Urheberfragen zurückhaltend.

Wer steckt hinter Open Data?
Ernesto Ruge ist 28 Jahre alt, studiert Physik in Bochum und gründete Anfang des Jahres Open Ruhr. Er möchte Transparenz in alle Ruhrgebiets-Kommunen bringen. Den Anfang machte er jetzt mit Bochum, Duisburg und Moers, deren Daten aus den Ratsinformationssystemen ausgewertet werden.

Auslöser für sein ehrenamtliches Engagement war der Frust über die begrenzten Recherchemöglichkeiten in den offiziellen Datenbanken. „Die sind aus Verwaltungssicht gestaltet, nach Gremien und Ausschüssen, aber ich habe als Bürger eine andere Herangehensweise.“ Die sublokale Sicht, die Suche nach dem, was vor der Haustür passiert, finden auch die Suchmaschinen logisch, weshalb man bei Google-Recherchen immer häufiger auf Open- Data-Plattformen landet.

Da Karten, Luftbilder oder auch Zeitungsartikel urheberrechtlich geschützt oder lizenziert sind, bewegen sich die Betreiber in einer juristischen Grauzone. „Wir interpretieren die rechtliche Lage so, dass alles gemeinfrei ist. Aber bislang gibt es keine Urteile dazu“, erklärt Ruge. Bislang hat es eine Abmahnung gegeben beim Vorreiter Open Köln, dessen Betreiber die kostenlose Software entwickelt haben. Ruge und seine Mitstreiter haben sich deshalb über die „Open Knowledge Foundation“ mit einem Rechtsschutz abgesichert – einem Verein, der sich ebenfalls für offenes und freies Wissen einsetzt.

Die Datenbank ist zu finden unter:

http://duisburg.ris.openruhr.de

Mehr über den Verein Open Knowledge Foundation unter:

www.okfn.de