Neue Chefin für das Duisburger In-Haus

Martin Ahlers
Nina Kloster ist die neue Leiterin des Frauenhofer In-Haus-Zentrums am Forsthausweg. Zuvor war die 32-Jährige für das Fraunhofer Umsicht in Oberhausen tätig.
Nina Kloster ist die neue Leiterin des Frauenhofer In-Haus-Zentrums am Forsthausweg. Zuvor war die 32-Jährige für das Fraunhofer Umsicht in Oberhausen tätig.
Foto: Funke Foto Services
Nina Kloster ist die neue Leiterin der Ideenschmiede der Forschungsgesellschaft in Neudorf. Sie soll das Haus mit neuen Themen positionieren.

Duisburg. Den Wechsel an der Spitze des Fraunhofer-In-Haus-Zentrums dokumentieren die Umbauarbeiten, die in der Ausstellung im Gebäude am Forsthausweg in Neudorf in vollem Gange sind. „Es sieht ein wenig unaufgeräumt aus“, sagt Dr. Nina Kloster, die Anfang des Jahres angetreten ist, die Duisburger Ideenschmiede der Fraunhofer-Gesellschaft neu auszurichten. Medizinische Gerätetechnik und Assistenzsysteme sind Themenfelder, die ein im Aufbau befindliches Team für Forschung und Entwicklung (F+E) erschließen soll.

Die 32-Jährige kommt vom Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen, wo sie sechs Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. In die Nachbarstadt wechselt ihr Vorgänger Volkmar Keuter, der zuvor drei Jahre lang das In-Haus geleitet hatte. Der eher verfahrenstechnisch versierte Entwickler soll im Umsicht den Themen gebäudeintegrierte Lebensmittelproduktion, Wasseraufbereitung und photonische Systeme widmen.

Design und Maschinenbau studiert, in Zahnmedizin promoviert

Auf dem Spannungsfeld zwischen Design und Anwendung, der Entwicklung anwenderfreundlicher Produkte (Human centered design) im Gesundheitsbereich gilt der Fokus von Nina Kloster. „Ich hatte immer schon einen Hang zu Mathematik und Kunst“, erinnert sie sich an ihre Schulzeit im westfälischen Gescher. Design und Maschinenbau hat sie am Lehrstuhl für Product Engineering der Uni Duisburg-Essen studiert: „Das war schon sehr industrielastig.“

In Oberhausen leitete sie anschließend nicht nur die anwendungsnahe Forschungsgruppe „Medizin, Technik, Design“, sondern absolvierte parallel an der Uni Mainz auch noch ein zahnmedizinisches Studium nebst Promotion. „Der interdisziplinäre Ansatz ist mir sehr wichtig“, begründet sie die freiwillige Belastung mit einem Doppeljob. „Mit einer 40-Stunden-Woche geht so etwas nicht.“

Ihre Auftrag für das In-Haus-Zentrum: frische Impulse setzen, visionäre und strategische Ansätze finden zur Entwicklung innovativer Assistenz-Systeme für ältere Menschen sowie präventive Produkte und Systeme für die Bereiche Medizin, Sport und Vorbeugung. „Jedes Fraunhofer muss sich etwa alle fünf Jahre neu erfinden“, sagt Nina Kloster. Ihre Vorstellung vom In-Haus ist ein Ort, in dem sich Entwickler und Produzenten, Anwender und Kunden austauschen, in dem Fraunhofer-Forscher eng mit Teams der benachbarten Ingenieurwissenschaften der Universität zusammenarbeiten. „Bei der Vernetzung ist noch Potenzial nach oben“, glaubt sie.

Damit einher geht der Neuaufbau der eigenen Forschung, der In-Haus-Leiterin schweben drei Gruppen zu den Feldern Gebäudesysteme, Gesundheit und Energieeffizienz vor. Dem In-Haus I stehe ein Umbau bevor, der Entwicklungen für ein energieautarkes Haus und Sicherheit zeigt, In-Haus II demonstriert neue Anwendungen für den Gesundheitsbereich. Neue Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern werden nun geknüpft.

Anwenderfreundliche Produkte

„Wir wollen keine reine Demonstrationsplattform sein, sondern Foren anbieten für Mediziner, einen Probandenpool aufbauen für die Erprobung von Assistenz-Systemen“, beschreibt Kloster. Erste konkrete Projektvorstellungen stoßen bereits auf reges Interesse – etwa zur Zusammenführung von Medikamenten- und Essensausgabe in Krankenhäusern. „Weil sich damit der Betrieb wesentlich effizienter gestalten ließe, sind hier derzeit viele Klinik-Direktoren zu Gast“, berichtet die neue Leiterin des Fraunhofer-In-Hauses.

In-Haus: Ideenschmiede der Fraunhofer-Institute 

Das Fraunhofer-In-Haus-Zentrum am Forsthausweg auf dem Uni-Campus ist eine Ideenschmiede, in der die Forschungsgesellschaft die Kompetenzen mehrerer ihrer Institute bündelt. In Anwendungslaboren werden innovative Systeme und Produkte für Nutz- und Wohnimmobilien entwickelt.

In Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern werden die Entwicklungen getestet, auf Demoschauen und Workshops gezeigt. Außerdem unterstützt das In-Haus innovative Start-ups bei ihrer Forschungsarbeit, ist Schauplatz für Präsentationen und Weiterbildung.