Netzwerk Loveparade kritisiert Stadt und Axa wegen Entschädigungszahlungen

Am Gedenkwochenende zum Jahrestag der Loveparade hat sich auch das Netzwerk Loveparade in Duisburg getroffen. Bei der Versammlung warnte Opfer-Anwalt Dr. Julius Reiter davor, Vereinbarungen über Entschädigungszahlungen unbesehen zu unterschreiben. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Am Gedenkwochenende zum Jahrestag der Loveparade hat sich auch das Netzwerk Loveparade in Duisburg getroffen. Bei der Versammlung warnte Opfer-Anwalt Dr. Julius Reiter davor, Vereinbarungen über Entschädigungszahlungen unbesehen zu unterschreiben. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg.. Opfer-Anwalt Julius Reiter warnt davor, unbesehen Vereinbarungen über Entschädigungszahlungen zu unterzeichnen. Wer Geld aus dem gemeinsamen Fonds von Axa-Versicherung und Stadt Duisburg annehme, unterschreibe eine "umfassende Verzichtserklärung".

Der Anwalt Dr. Julius Reiter warnt Verletzte der Loveparade davor, unbesehen Vereinbarungen über Entschädigungszahlungen von der Axa-Versicherung zu unterschreiben. Auf dem Treffen des Netzwerkes Loveparade am Samstag kritisierte er, dass jeder, der Entschädigungszahlungen aus dem gemeinsamen Fonds von Axa und Stadt Duisburg annehme, eine „umfassende Verzichtserklärung“ unterschreibe.

Das Netzwerk Loveparade fordert nun die Offenlegung des Vertrages, der zwischen der Stadt und der Versicherung des Loveparade-Veranstalters Rainer Schaller geschlossen wurde. Er hat zum Ziel, dass Entschädigungszahlungen unabhängig von der Klärung der Schuldfrage erfolgen können, was auch eine zentrale Forderung war: Es dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen, bis es zu einer gerichtlichen Klärung der Schuldfrage kommt. Der Verein „Massenpanik Selbsthilfe“ wird alle Parteien im Rat auffordern, für die Offenlegung des Vertrages zwischen Stadt und Axa-Versicherung zu sorgen. Sollte dies nicht geschehen, wird eine Klage nach dem Informationsfreiheitsgesetz in Erwägung gezogen.

Verzichtserklärung umfasse auch Ansprüche gegen das Land

Dr. Julius Reiter: „Opfer, die sich anwaltlich vertreten lassen, werden wohl alle den Rat bekommen, so eine Verzichtserklärung nicht zu unterschrieben. Eigenartig ist, dass die Verzichtserklärung auch Ansprüche gegen das Land Nordrhein-Westfalen umfasst.“

Der FDP-Landtagsabgeordnete Horst Engel, der am Samstag ebenfalls an den Gesprächen des Netzwerks Loveparade teilnahm, erklärte, er werde dies sofort am Montag zum Thema einer Kleinen Anfrage im Landtag machen. Er bezeichnete das Vorgehen der Versicherung als „unanständig“. Es sei bekannt, so das Netzwerk, dass traumatische Erlebnisse oftmals noch Jahre nachwirkten.

Netzwerk Loveparade hat weiterhin offene Fragen

Der Journalist Lothar Evers glaubt noch nicht daran, dass Stadt und Investor Krieger den Unglücksort in einer würdigen Art erhalten werden. Er habe Informationen, dass Stadt und Investor nach einer im doppelten Sinne des Wortes „unterirdischen Lösung“ suchen: „Einer Lösung, die den Kunden der Möbelhäuser möglichst nicht darauf aufmerksam macht, was dort geschehen ist.“ Dass die Stadtvertreter in den vergangenen Wochen immer von „intensiven Gesprächen“ redeten, sei nicht nachvollziehbar. Das nächste Treffen mit den Angehörigen der 21 Todesopfer über die Gestaltung der Gedenkstätte sei erst wieder Anfang September.

Dringenden Klärungsbedarf sieht das Netzwerk in drei wichtigen Punkten:

– Warum stand die Vereinzelungsanlage an der Kreuzung Düsseldorfer- und Karl-Lehr-Straße 50 Minuten lang offen?

– Warum findet der Workshop mit dem ehemaligen Dortmunder Feuerwehr-Chef, der das Vorhaben als „Irrsinn“ bezeichnet hat, im Bericht der Stadt keine Erwähnung?

– Warum wurde auf eine E-Mail des ehemaligen Dortmunder Feuerwehr-Chefs im Nachgang des Workshops u.a. an das Ordnungsamt nicht reagiert? In dieser E-Mail soll eine Einladung zu Gesprächen auch mit Vertretern der Dortmunder und der Essener Feuerwehr über die Erfahrungen während der dortigen Loveparades ausgesprochen worden sein.

Lothar Evers: „Wir fragen uns auch, warum die Leitstelle der Feuerwehr Ratingen und ein Notarzt aus Kempen in leitender Funktion im Einsatz waren und nicht die Duisburger. Man hat es wohl nicht in eigener Verantwortung machen wollen.“

 
 

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