Duisburg

Mit Netto-Tüte und Pistole: Wie ein Karnevalstänzer zum gefürchteten Tankstellen-Serienräuber wurde

Mit diesem Bild aus einer Überwachungskamera fahndete die Polizei nach dem Serienräuber.
Mit diesem Bild aus einer Überwachungskamera fahndete die Polizei nach dem Serienräuber.
Foto: Polizei Duisburg

Duisburg. Ganz in schwarz gekleidet, mit Kapuze und Sonnenbrille - dieser Mann auf den Bildern der Überwachungskamera der Oil!-Tankstelle an der Mercatorstraße in Duisburg sieht angsteinflößend aus.

Der Tankstellenräuber trägt eine Waffe in seiner Hand und fordert den Mitarbeiter auf, die Tageseinnahmen in eine Netto-Tüte zu packen.

Tankstellenräuber mit Netto-Tüte überfällt zehn Tanken im Ruhrgebiet

Wer Timo V. (33) auf der Anklagebank im Duisburger Landgericht sitzen sieht, käme nicht auf die Idee, das dieser Mann der gefürchtete Tankstellenräuber mit Netto-Tüte auf den Überwachungsbildern ist.

Timo V. hat gestanden, in zehn Fällen von November 2017 bis Januar 2018 Tankstellen in Henef, Duisburg, Mechernich und Rösrath überfallen zu haben.

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Leidenschaftlich Karnevalistischer Tanzsport

Der Neunkirchener ist leidenschaftlicher Karnevalstänzer. Er macht das erfolgreich, gewinnt mehrere Titel und bildet Kinder und Jugendliche aus. Das ist die eine Seite von Timo V.

Die andere Seite geht nach dem Training noch auf Raubtour. „Man wird zum Monster und verliert die Realität“, sagt der Angeklagte selbst. „Ich habe mir selbst eingeredet, es ist nur eine Spielzeug-Waffe und du tust niemandem weh, außer der Versicherung.“

Was er nicht berücksichtigt hatte, ist der psychische Schmerz bei manchen seiner Opfer. Eine Tankstellen-Mitarbeiterin leidet noch heute an dem Überfall, kämpft mit Depressionen und ist ängstlich. „Es tut mir leid“, richtet der Angeklagte eine persönliche Entschuldigung an seine Opfer und bittet um Verzeihung.

Spielzeug-Pistole und Netto-Tüte

Der Tankstellenräuber verfährt immer nach dem gleichen Schema. Mit einer Spielzeug-Pistole geht er in die Tankstelle, wirft den Kassierern eine Netto-Tüte hin und brüllt: „Geld da rein, los!“

350 Euro sind es beim ersten Mal. Damit zahlt er seine Versicherung und die Rate des Autos. 400 Euro beim zweiten Mal. Damit hält er sich über Wasser. Über 3000 Euro erbeutet er in zehn Überfällen. Und finanziert seine Leidenschaft: den karnevalistischen Tanzsport.

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Er ist als Trainer in ganz Deutschland unterwegs, aber das Geld reicht nicht. „Ich hatte kein Geld mehr zum Fahren und was zu Essen zu kaufen“, erklärt er dem Richter. Auf Unterstützung seiner Familie hätte er nicht mehr zählen können. Streitigkeiten wegen der Tanzerei, so Timo V.

Anfang Februar klicken die Handschellen

Doch er hält an seinem Traum fest: „Ich wollte Geld mit dem Tanzsport verdienen.“ Und ließ sich bei seinem Entschluss von einer ZDF-Serie inspirieren: „Seit meiner Jugend habe ich immer ‘Aktenzeichen XY ungelöst’ geschaut. Da habe ich gesehen, wie jemand einen Supermarkt überfiel.“

Doch Anfang Februar war damit Schluss. Da schnappt die Polizei den Mann in der Wohnung seiner Freundin Duisburg-Neudorf. „Ich war froh, dass es passiert ist. Und bin froh, dass es vorbei ist.“

Fünf Jahre muss er jetzt ins Gefängnis. Dazu hat ihn das Landgericht Duisburg wegen schwerer räuberischer Erpressung in zehn Fällen verurteilt. Eine davon blieb beim Versuch. Zu Gute kommt ihm dabei noch sein Geständnis und das er nicht vorbestraft ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 
 

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