Neonazis ans Licht gezerrt

Zlatan Alihodzic
Dutzende Konzerte wie dieses besuchte Thomas Kuban für seinen Film, in dem er die Rechtsrockszene beleuchtet.
Dutzende Konzerte wie dieses besuchte Thomas Kuban für seinen Film, in dem er die Rechtsrockszene beleuchtet.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Duisburg. Die Dichte in der Darstellung der Abscheulichkeiten mag für den uninformierten Zuschauer erschreckend gewesen sein. „Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig. Lasst die Messer flutschen in den Judenleib.“ Oder: „Wir wollen euren Jesus nicht, das alte Judenschwein. Denn zu Kreuze kriechen kann nichts für Arier sein.“

Dass es Aufnahmen gibt von Neonazi-Konzerten, bei denen solche Texte gesungen werden, ist einem Journalisten zu verdanken, der unter dem Pseudonym Thomas Kuban arbeitet. Diese Szenen bilden die Grundlage des Films „Blut muss fließen“, der am Mittwoch von der DGB-Jugend in der UCI Kinowelt gezeigt wurde.

Jahrelang besuchte Kuban verdeckt Rechtsrock-Konzerte, filmte mit einer Knopflochkamera und zerrte die regelmäßig stattfindende Volksverhetzung ans Licht, als „Blut muss fließen“ 2012 auf der Berlinale gezeigt wurde. Doch Kubar wollte ursprünglich keinen Dokumentarfilm drehen, erklärte im Anschluss an die Vorstellung in Duisburg Regisseur Peter Ohlendorf, der derzeit mit „Blut muss fließen“ auf Filmtournee durch Deutschland reist.

Lieder sind leicht im Internet zu finden

Zunächst sei geplant gewesen, die Aufnahmen der Konzerte kontinuierlich für das Fernsehen anzufertigen. Das Konzept scheiterte allerdings, denn das Interesse an diesem Thema war lange Zeit zu gering. Kuban arbeitete jedoch weiter, bis in Kooperation mit Ohlendorf der Film entstand – bis heute nicht offiziell veröffentlicht, weil eine Finanzierung fehlt. Doch bei Veranstaltungen wurde er inzwischen hundertfach gezeigt.

Die Lieder, die von den Neonazi-Bands im Film gespielt werden, sind leicht im Internet zu finden. Konzerte scheinen so oft gegeben zu werden, dass sie in der Szene wohl Alltagsgeschäft sind. In der sich an den Film anschließenden Podiumsdiskussion überraschte daher Wolfgang Huß, Leiter des Duisburger Staatsschutzes, mit der Aussage, er sei erschrocken und auf die Textzeilen nicht vorbereitet gewesen. Die „vertextlichten Zeilen unten drunter, die Aussagen, die in den Liedern gefallen sind, waren starker Tobak“, so Huß. Patrick Marx, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Duisburg, äußerte sich schockiert darüber, dass Huß scheinbar erst durch den Film mit solchen Zeilen konfrontiert wurde, kurz darauf aber noch die engagierte Arbeit der Polizeibehörde in diesem Punkt betonte. Das zeige „wieder, dass die Polizei auf diesem Auge nicht bereit ist, hinzuschauen“, sagte Marx.