Nachwuchs-Rapper Seaple aus Duisburg ist „Big in L.A.“

Julia Barz
Seaple in der Werbeagentur von Daniel Kirsten. Hier wird auch sein Videoblog gedreht.
Seaple in der Werbeagentur von Daniel Kirsten. Hier wird auch sein Videoblog gedreht.
Foto: WAZ FOTOPOOL Stephan Glagla
Stephan Nieke ist ein Duisburger Nachwuchsrapper. Seinem Traum von Karriere und Erfolg kommt er in einer neuen Sendung des TV-Senders Vox ein Stückchen näher.

Duisburg. Um 16.16 Uhr klingelt der Wecker. Seaple macht ihn aus, setzt sich in seinem Bett aufrecht hin. Ein Joint klebt noch an seinen Lippen. Er zieht dran – brennt nicht mehr. Dafür ist in der Flasche noch ein wenig Schnaps . . . Das war Seaple vor rund zwei Jahren, wie er sich in einem seiner alten Musikvideos präsentierte. Heute ist Seaple alias Stephan Nieke ein motivierter Nachwuchsrapper aus Rheinhausen, der alles daran setzt, um seinen Traum zu verwirklichen und im Musikbusiness erfolgreich zu sein.

Niekes neue Single „Can’t go back“ ist seit dem 17. September auf dem Markt. Eine eigene Modelinie hat der 23-Jährige auch: „Str33t fvck“ ist bereits seit Mai zu haben und so provokant, wie es sich anhört. Sein gleichnamiges Album erscheint am 17. Oktober. „Can’t go back“ ist die erste Singleauskopplung, zu der es auch ein Musikvideo gibt. Diesmal ohne Schnaps, sondern mit realen Themen aus seinem Leben: Trennung der Freundin, Kündigung des Jobs. „Dieses Lied ist das persönlichste, was ich je geschrieben habe“, sagt Nieke. Alle Songs schreibt er selbst.

Beginn der Fernsehkarriere

Als die Fernsehproduktionsfirma „Eyeworks“ via Facebook Rapper für eine Sendung casten wollte, bewarb er sich sofort. „Worum genau es gehen sollte, wusste ich nicht“, erzählt er. „Mir war nur klar, dass ich dabei sein musste.“

Auf die Frage, warum gerade er ein Teil der Sendung werden sollte, antwortete er: „Weil ich cool bin“. Das schien „Eyeworks“ genau so zu sehen. Nach weiteren Telefoninterviews und monatelanger Wartezeit kam dann der erlösende Anruf: Seaple ist dabei. „Ich kam gerade von einer Nachtschicht im Casino, wo ich zwischenzeitlich gejobbt habe, war total übermüdet und konnte mich deshalb kaum freuen. Als ich die Firma dann zurückgerufen habe, konnte ich nur vor Freude noch in den Hörer schreien“, so Nieke.

Anfang März ging es dann nach Los Angeles, um dort vier Wochen zu drehen. Mit im Flieger: fünf weitere Nachwuchsrapper aus ganz Deutschland. Wer sich während des Wettstreits besonders gut anstellt, darf mit einem international erfolgreichen Musiker einen Song aufnehmen. Vorbereitet wurden die Künstler von Kult-Rapper MC Fitti. Zu sehen ist die sechsteilige Sendung „Big in L.A.“ ab dem 28. September immer sonntags um 15.25 Uhr auf Vox. Auch wenn die Aufnahmen längst im Kasten sind, hat Nieke noch Kontakt zu einigen Mitstreitern – auch zu MC Fitti.

Hilfe durch Manager

Unterstützung erhält Nieke von Daniel Kirsten, seinem Manager. „Alles Geld, was wir haben, fließt in das Projekt“, erklärt Kirsten, „Einen Plan B haben wir nicht.“ Sollten doch alle Stricke reißen, haben beide eine Ausbildung zum Veranstaltungsmanager in der Tasche.

Niekes musikalisches Talent wurde in einer Kirche entdeckt. Ein Pfarrer der Evangelischen Christusgemeinde Rheinhausen sprach Nieke an. „Er hat mich aufgefordert, ,Stern über Bethlehem’ umzuschreiben.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war der Nachwuchsrapper in der Gemeinde als Betreuer tätig. Auch sein Künstlername hat Ursprünge in der Vergangenheit. Niekes zweiter Vorname ist Joseph. Sein ehemaliger Chemielehrer nannte ihn Seppel. „Da wollte ich wenigstens ein cooler Seppel sein“, sagt Nieke und lacht.