Müllkippen und fegende Nachbarn in Duisburg-Hochfeld

Die Podiumsteilnehmer (v. l.) Franz Beuels, Thomas Rensing, Ute Hoppen (stellv. Schulleiterin Globus Gesamtschule), Thomas Krützberg (Leiter Jugendamt Duisburg), Helga Tauch (Solwodi) und Karl-August Schwarthans (Awo). Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Podiumsteilnehmer (v. l.) Franz Beuels, Thomas Rensing, Ute Hoppen (stellv. Schulleiterin Globus Gesamtschule), Thomas Krützberg (Leiter Jugendamt Duisburg), Helga Tauch (Solwodi) und Karl-August Schwarthans (Awo). Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg. Nach der Podiumsdiskussion kamen die Besucher zu Wort. Viele kritisierten, dass Länder wie Bulgarien und Rumänien überhaupt in die EU aufgenommen wurden, wenn sich die Lebenssituationen für die Menschen dort so negativ von denen in der Rest-EU unterscheiden würden. Auch das Thema wilde Müllkippen und überfüllte Häuser bewegte hörbar die Gemüter.

„Es sind aber jetzt nun einmal EU-Bürger – und Deutschland verweigert ihnen dennoch ihre sozialen Rechte“, lautete der Einwand eines älteren Herrn. „Für mich sollten diese Menschen auch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben.“ Dann würden sich Fragen von fehlenden Krankenversicherungen oder Untervermietungen in überfüllten Wohnungen zu Wucherpreisen nicht stellen.

Zum oft angesprochenen Thema „Wilde Müllkippen“ sagte Krützberg: „Die Wirtschaftsbetriebe versuchen nach Hinweisen noch am selben Tag, diese zu entfernen.“ Er erntete höhnisches Gelächter. „Ich habe schon dutzende Mal dort oder beim Ordnungsamt angerufen. Meistens wird man nur vertröstet“, ärgerte sich ein Hausbesitzer.

Die Grundprobleme könnten nur auf Bundes- oder sogar EU-Ebene gelöst werden, so Gastgeber Thomas Rensing. „Was wir aber hier vor Ort verbessern können, ist die bessere Zusammenarbeit aller Ämter und Anlaufstellen. Ich will am Telefon von Verwaltungsmitarbeitern nicht immer den Standardsatz hören: Dafür bin ich nicht zuständig“, sagte Rensing und erhielt Applaus.

Ein jüngerer Hausbesitzer kritisierte, dass es in den Medien fast nur noch Negativ-Berichterstattung über Hochfeld gebe. „Das ist katastrophal für unseren Stadtteil. Warum werden nicht auch einmal Positiv-beispiele gezeigt?!?“ Auch die Frage nach Freizeit-Angeboten für die Kinder und Jugendlichen unter den Zuwanderern wurde gestellt.

Eine Frau, die seit den frühen 80ern in Hochfeld lebt („Und das tue ich auch heute noch!“) stellte fest, dass es damals ähnliche Erfahrungen mit türkischen Migranten gab. „Wo kommt plötzlich diese Aufregung her?“, fragt sie. „Probleme, die Europa uns macht, können wir in der Kommune nicht lösen.“ Übrigens: Ihre Nachbarin sei aus Bulgarien. „Und die fegt regelmäßig den Bürgersteig.“

 
 

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