Mühsame Suche nach Paten für Marxloher Kinder

Annelie Niemeck aus Bayern findet das Projekt „Tausche Bildung für Wohnen“ spannend.
Annelie Niemeck aus Bayern findet das Projekt „Tausche Bildung für Wohnen“ spannend.
Foto: WAZ-Fotopool
Das Projekt „Tausche Bildung für Wohnen“ ist hochgelobt und preisgekrönt. Das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen, Menschen zum Mitmachen zu bewegen, gestaltet sich jedoch als schwierig. Trotzdem soll es im Herbst losgehen.

Duisburg.. Gute Ideen brauchen Zeit und Muße. Sehr gute Ideen auch engagierte Menschen, die Projekte erst ermöglichen und mit Leben füllen. Letzteres ist nicht immer leicht zu finden, wie zwei Initiatoren einer genialen Idee feststellen müssen.

„Tausche Bildung für Wohnen“ ist ein mehrfach preisgekröntes Projekt von Christine Bleks und Mustafa Tazeoglu. Das Prinzip ist schnell erklärt: Junge Studenten, Zivildienstleistende, Azubis oder Künstler sollen in Duisburg-Marxloh eine WG beziehen dürfen - umsonst. „Bezahlen“ müssen sie nur mit ihrem Wissen und sozialem Engagement. Insgesamt sechs „Paten“ sollen rund 60 sozial benachteiligten Kindern aus dem Problemstadtteil Marxloh etwa bei den Hausaufgaben oder der Freizeitgestaltung zur Seite stehen. Sie sollen quasi als Mentoren für die Kinder fungieren.

Die erste Infoveranstaltung sollte den Interessierten die Gelegenheit geben, sich ein genaueres Bild vom einmaligen Projekt zu machen. „Wir hatten vier Zusagen von potenziellen Paten für die Infoveranstaltung. Wir vermuten, dass es dem guten Wetter geschuldet ist, das jetzt nur eine gekommen ist“, stellt Bleks ernüchtert fest. Außerdem sei die Veranstaltung noch keine Art Bewerbungsgespräch für Interessierte, sondern eben eine informelle Infoveranstaltung. Die Medizin-Studentin Annelie Niemeck ist trotzdem gekommen, aus Bayern. Die 30-Jährige, die momentan an ihrer Doktorarbeit sitzt, ist begeistert vom Projekt: „Ich finde den Ansatz sehr spannend und das, was da hinter steht. Ich hatte das Glück, mit relativ guten Startmöglichkeiten das zu tun, was ich wollte. Umso wichtiger ist es, die zu unterstützen, die nicht so gute Startmöglichkeiten haben wie ich sie hatte.“

"Lokale Infrastruktur arbeitet im Sinne der Kinder"

Genau auf solche Menschen ist das Projekt von Bleks und Tazeoglu angewiesen. Junge Leute, die ihr Wissen teilen wollen und Lust darauf haben, sich mit Leidenschaft um jene zu kümmern, die aus anderen sozialen Verhältnissen kommen. Als Gegenzug winkt dann eben eine Wohnung. Das Projekt wird von namhaften Sponsoren unterstützt, aber auch von Einrichtungen in Marxloh, die z. B. ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen: „Es ist toll, wie viel Unterstützung wir in Marxloh haben. Die lokale Infrastruktur arbeitet im Sinne der Kinder“, so Bleks.

Jetzt fehlen nur noch weitere Bewerber. Für ein Projekt dass so einmalig ist, sind diese eben nicht ganz leicht zu finden. Schließlich geht es hier um die erste Generation von Paten. Was erwartet einen? Was kommt auf einen zu? Das sind Fragen die man sich naturgemäß stellt. Jedoch, betont Bleks, „ haben die ersten natürlich auch die Chance das Projekt mit ihren Vorstellungen und Ideen mitzuprägen. Das ist ein Privileg, das vor allem der ersten Generation von Paten zuteil wird.“ Nach den Herbstferien soll das Projekt beginnen. Potenzielle Paten werden weiter gesucht. Kontakt per Mail: info@tausche-bildung-fuer-wohnen.org

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