MSV-Dauerkarte in Serie - Duisburgerin (78) hat seit 1977 ihren Stammplatz

Brigitte Clauß (76) aus Großenbaum ist seit der Saison 1977/78 Dauerkarten-Inhaberin beim MSV Duisburg.
Brigitte Clauß (76) aus Großenbaum ist seit der Saison 1977/78 Dauerkarten-Inhaberin beim MSV Duisburg.
Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services
  • Brigitte Clauß (76) aus Großenbaum ist ein treuer Fan des MSV Duisburg
  • Sie hat seit der Saison 1977/78 stets ihren Stammplatz auf der Haupttribüne
  • Kürzlich kaufte sie ihre 40. Dauerkarte

Duisburg. In der Saison 1977/78 ereigneten sich beim MSV Duisburg viele bedeutende Dinge: Die Mannschaft erreichte in der Abschlusstabelle der Fußball-Bundesliga einen tollen sechsten Platz, Rudi Seliger war mit 16 Toren der treffsicherste Akteur – und Brigitte Clauß kaufte ihre erste Dauerkarte. Das hat die inzwischen 76-jährige Großenbaumerin auch in jeder (!) der danach folgenden Spielzeiten getan. Kürzlich hat sie somit ihre 40. Dauerkarte in Folge für die Zebra-Kicker erworben. So viel Vereinstreue pulsiert nur in den Adern der allerwenigsten Fans.

„Irgendwann ist das ne Sucht. Dann können sie nicht mehr so einfach sagen: Da geh ich nicht mehr hin!“ Sätze wie diese verraten, mit wie viel Herzblut die fußballbegeisterte Seniorin auch im gehobenen Alter noch bei der Sache ist. Zum allerersten Mal war Brigitte Clauß im Jahr 1968 im alten Wedaustadion. Jedoch nicht zum Fußballgucken: Damals half sie ihrem Neffen Günter Engelbert beim Würstchenverkauf. 1971 schaute sie dann erstmals bewusst den MSV-Fußballern zu – damals noch mit einer inzwischen verstorbenen Freundin.

Die erste Dauerkarte für den MSV kostete 290 Mark

Von Beginn bevorzugte sie einen Platz auf der Haupttribüne. „In der Kurve standen früher noch so viele Rabauken, da wollte ich nicht hin“, begründet Brigitte Clauß ihre Platzwahl. Außerdem sei der Weg zu Toiletten und Getränkeständen dort immer kürzer und nie so überfüllt gewesen. Deshalb holte sie sich auch für dort die erste Dauerkarte. Block J, Reihe 20, Platz 1 – das war ab 1977/78 bei jedem Heimspiel ihr Stammplatz. Kosten für das Premierenexemplar: 290 Mark.

Auf diesem Sitz hat die Mutter dreier Kinder („Mein Sohn und meine beiden Töchter sind ebenfalls mit dem MSV-Bazillus infiziert“) alle Höhenflüge und Abstürze des Vereins hautnah miterlebt. Doch der Verzicht auf eine Dauerkarte sei für sie niemals in Betracht gekommen: „Die Liebe zum Verein ist wie eine Ehe. Da gilt auch: In guten wie in schlechten Zeiten...“

Der alten Tribünen-Plastiksitz ist Teil ihrer Sammlung

Als das Wedaustadion abgerissen wurde, machte der inzwischen verstorbene Ehemann Otto seiner Frau ein ganz besonderes Geschenk: Er besorgte jenen giftgrünen Plastiktribünensitz, auf dem Brigitte Clauß in all den Jahren zuvor stets gesessen hatte. Und dieses Unikat gehört heute noch zur ihrer reichhaltigen Sammlung an MSV-Utensilien.

Die Dauerkarten bewahrt sie in einem Briefumschlag auf. Eine einzige ist abhanden gekommen – die von der Saison 83/84. „Ich hatte meine Sammlung dem MSV geliehen, als der Verein sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. Die waren Teil einer Ausstellung. Beim Abbauen muss die Karte verschüttgegangen sein“, erzählt Clauß. Ein herber Verlust. „Der Verein hat sich aber würdig bei mir entschuldigt.“

Heute zu Arena-Zeiten ist Frau Clauß stets in Block 3, Reihe 8 auf Platz 29 anzutreffen. Ermäßigter Rentnerpreis: 345 Euro. Dort steht sie und singt selbstverständlich laut mit – vor allem die Vereinshymne. „Wir sind ja schließlich im Stadion und nicht im Kloster“. Und was ist für die in der nächsten Woche beginnende Drittliga-Saison drin? Da lächelt Frau Clauß und prophezeit: „Wir werden oben mitspielen!“

 
 

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