Mozart: Die Zerrissenheit des Genies

Der junge Mozart (Oedo Kuipers) begehrt auf gegen seinen Vater Leopold (Marc Clear), der ihn zwingen will, „vernünftig“ zu sein. Die Baronin von Waldstetten (Ann Christin Elverum) versucht zu vermitteln.
Der junge Mozart (Oedo Kuipers) begehrt auf gegen seinen Vater Leopold (Marc Clear), der ihn zwingen will, „vernünftig“ zu sein. Die Baronin von Waldstetten (Ann Christin Elverum) versucht zu vermitteln.
Foto: Stephan Eickershoff
  • Die Musik des Komponisten kommt in der Produktion nur kurz vor
  • Das stimmungsvolle Bühnenbild macht auch die vielen Ortswechsel deutlich
  • Am Ende ensteht das Bild eines bedauernswerten Menschen

Duisburg..  Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ist im Musical „Mozart!“ nur in wenigen Takten zu hören. Anders als Genre-Geschwister wie „Abba“ oder „Udo Jürgens“ eignen sich „Hits“ aus unsterblichen Werken wie der „Zauberflöte“, geschweige denn sein ergreifendes Requiem, die in Mini-Potpourris eingespielt wurden, nicht zum Mitsingen. Aber Mozart gehört zu den bekanntesten klassischen Komponisten weltweit und eignet sich immer noch bestens für eine Vermarktung. Michael Kunze (Buch und Liedtexte) und Sylvester Levay (Musik) beschränken sich klugerweise darauf, aus dem kurzen Leben des Salzburger Genies (1756-1791) zu erzählen, dessen dramatische Wendungen bereits Stoff für großartige Filme geliefert hat.

Kind und Mann

„Mozart!“, das 1999 als Produktion der Vereinigten Bühnen Wien uraufgeführt wurde und in einer neuen Fassung 2015 am Wiener Raimund-Theater Premiere hatte, begeisterte das Musical-Publikum am Wochenende im Theater am Marientor. Die Inszenierung des renommierten Regisseurs Harry Kupfer zeichnet das Leben des Wunderkindes bis zum manchmal wahnsinnigen Künstler in oft düsteren, aber auch schrill-bunten und humorvollen Bildern nach (Bühne: Hans Schavernoch). Die vielen Ortswechsel machen beeindruckende Video-Projektionen mit Fotografien von Originalschauplätzen deutlich, Symbolträchtiges auf der Bühne: ein Flügel, ein Bischofsstab, ein Totenschädel.

Nicht weniger plakativ auch die Musik, die keinen Zweifel lässt an der jeweiligen Atmosphäre zwischen Niederlage und Triumph, Jahrmarkt und Varieté, Liebe und Leid. Sie kommt sehr laut in den Zuschauerraum, während das Orchester unter der Leitung von Ratan Jhaveri im Probensaal spielt.

Es ist ein überzeugender Kunstgriff, den kindlichen Mozart stets an der Seite des erwachsenen Musikers zu zeigen, komponiert doch dieses Kind weiter und weiter, während der Mann ständig ringt – mit seinem Vater (Marc Clear), dessen besitzergreifende Liebe ihn erdrückt, mit seinem arroganten Förderer Fürstbischof Colloredo (Maximilian Mann), der Demut, Fleiß und Disziplin einfordert, mit seiner lebenslustigen Frau Constanze (Anna Hofbauer) und ihrer gierigen Sippe, die in bunten Hippie-Kostümen fröhlich schmarotzt, er kämpft mit dem Alltag, vor allem aber mit sich selbst. Oedo Kuipers zeigt Mozart als zerrissenen Menschen, der denen vor den Kopf stößt, die ihn lieben, und gegen die Zwänge seiner Zeit frei und unabhängig leben will. „Ich bin Musik“, weiß er um sein Genie, das zugleich als Schatten auf seiner Seele liegt. Selbst die Baronin von Waldstätten (Ann Christin Elverum), Schutzengel und große Lichtgestalt seines Lebens, kann ihn schließlich nicht mehr retten.

Mozart, auch optisch ganz in Weiß enthoben den prächtigen, pfiffigen Rokoko-Kostümen der anderen (Yan Tax), wird als bedauernswerter Mensch gezeigt, der noch auf den Totenbett bestohlen wird. Und darüber hinaus, knöpft seine Witwe Constanze einem Mozart-Verehrer auf der Suche nach dem Grab Geld ab.

 
 

EURE FAVORITEN