Morbide Kunst im Duisburger Kirchenkeller am Dellplatz

Künstlerin Ulrike Gerritzen zeigt ihr Kokon-artiges Objekt, das sich über Schnüre und Flaschenzüge aufrichten lässt.
Künstlerin Ulrike Gerritzen zeigt ihr Kokon-artiges Objekt, das sich über Schnüre und Flaschenzüge aufrichten lässt.
Foto: FUNKE Foto Services
Düstere Mythologie und blutrote Stofffetzen: Die Ausstellung „Schöne Medusa“ von Ulrike Gerritzen im Keller unter St. Joseph fragt: Was ist Schönheit?

Dellviertel. Der Raum allein ist immer wieder beeindruckend: Die Atmosphäre des kleinen Kellers unter der St. Joseph-Kirche am Dellplatz vergisst man so schnell nicht. Unter dem Titel „Der gute Kern“ lassen sich in diesem Jahr zusätzlich eine Reihe lokaler Künstler von diesem außergewöhnlichen Ort inspirieren und bespielen ihn mit eigenen Werken. Jetzt eröffnete Ulrike Gerritzen ihre Schau „Schöne Medusa“.

Zwischen den kargen Kellerwänden, von denen der Putz bröckelt, geht die 63-jährige Duisburgerin der Frage nach: Was ist eigentlich schön und was ist hässlich? – „Es gibt immer zwei Seiten der Medaille“, meint die freischaffende Künstlerin, die mit ihren kinetischen Objekten zuletzt im botanischen Garten zu sehen war. Jetzt also der Kellerraum: „Düster und schön zugleich“ empfindet ihn Gerritzen. So kam sie auf ihren mythologischen Ausstellungstitel, der sich auf die Gestalt der Medusa bezieht. Der Sage nach einst eine schöne Frau, die in ein furchterregendes Ungeheuer mit Schlangenhaaren verwandelt wurde.

Bewegliche Objekte

Auch Ulrike Gerritzens Kunst, bei der sich einzelne Objekte im Kellerraum zu einer Installationen zusammenfügen, hat trotz intensiver Farben eine stets erkennbar morbide Seite. Das Rot ist bei ihr ein Blutrot, das in Form eines gefärbten und mit Gips durchtränken Stoffes frontal an einer Wand „heruntertropft“. Ihr Blauton ist nicht minder grell: Ebenfalls Tüllstoff, der von Schläuchen und stachelartig angeordneten Kabelbindern gehalten wird. Der Besucher kann in dieses Gebilde hinneintreten und das bewegliche Objekt mit Schnüren über Flaschenzüge um sich herum nach oben ziehen. „Wie eine Art stacheliger Kokon“, so die Künstlerin, umgibt es dann den Ausstellungsbesucher.

Diese so genannte kinetische Kunst ist Ulrike Gerritzens Markenzeichen. Ein zweites Objekt dieser Art ist an einer Wand befestigt. Auch hier kann der Betrachter aktiv werden und den Stoff über zwei Flaschenzüge in die Mitte des Raumes hin „aufspannen“.

Fischflossen und Vogelflügel

Bei den Besuchern der kleinen Eröffnungsfeier finden auch die deutlich kleineren Objekte unterhalb der „Blutschlieren“ an der Wand Anklang. Zwei alte hölzerne Schuhleisten wurden hier verwendet: eine von ihnen hängt senkrecht und „fliegt“ mit echten Fischflossen, die andere spielt mit goldenem Draht umwickelt und großen Nägeln besteckt auf das Märchen Aschenputtel an.

Auch kleine Vogelflügel hat Ulrike Gerritzen gefunden und in die Ausstellung eingebaut. Morbide und traurig erzählen auch sie eine eigene Geschichte von Fliegen und Freiheit und: von Schönheit und ihrem Endel.

INFO:
Der Keller unter St. Joseph am Dellplatz ist über eine kleine Treppe auf der Südseite der Kirche erreichbar. Unter dem Titel „Der gute Kern“ werden dort in diesem Jahr wechselnde Ausstellungen gezeigt.

Ulrike Gerritzens Ausstellung „Schöne Medusa“ kann donnerstags von 16 bis 19 Uhr kostenlos besichtigt werden. Jeweils von 18 Uhr an trifft sich dort donnerstags der „Literaturmob“ zu öffentlichen Lesungen.

 
 

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