Modellbauer formen das Duisburg der Zukunft im Kleinformat

Wie im richtigen Leben brausen die Autos über die Landfermannstraße.
Wie im richtigen Leben brausen die Autos über die Landfermannstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Um Pläne zu veranschaulichen und deren Wirkung zu testen, gibt’s in Duisburg eine besondere Werkstatt. Dort wird mit Liebe zum Detail gearbeitet.

Duisburg. Der Verkehr braust über die Landfermannstraße, wie im Alltag – bloß, dass diese Autos eine Mini-Version echter Kraftfahrzeuge im Maßstab 1:500 sind. Mit Liebe zum Detail entsteht in der Modellbauwerkstatt des Stadthauses Duisburg im Kleinformat. Marika Block und Ulrich Vent bauen Quartiere, die erst noch errichtet werden – damit sich Nachbarn und Politiker ein besseres Bild machen können. Im Grunde sind die Mitarbeiter, übrigens alles Quereinsteiger, nie aus dem Spielkindalter heraus gekommen.

Auf einer Werkbank steht die Stadt im Kleinformat. Drumherum sind alte Marmeladengläser, gefüllt mit A59-Grau und weiteren Farben für die Modelle, drapiert. In Schubladen lagern Klötze, sie stellen die Häuser dar. Dazu gibt es Autos, Bäume, Miniatur-Menschen, sogar Brautpaare. „Wir stellen alles selbst her“, erklärt Marika Block, die ursprünglich als Technische Zeichnerin gearbeitet hat. Die Pkw gibt’s in blau, grün, grau, schwarz – eben wie im echten Leben. Aus grünem Draht formt sie derzeit einen Baum, auch dafür gibt es unterschiedliche Prototypen. Mal hat er eine grüne Krone, dann wieder kahle Äste.

Modelle werden auch für Bürgerbeteiligungen hergestellt

„Viele habe keine Vorstellung, wie etwas wirkt, wenn sie einen Plan sehen. Deshalb fertigen wir für Bürgerbeteiligungen diese Modelle“, sagt Ulrich Vent. Früher war Vent mal Gießereimodellbauer. Jüngst haben er und die Kollegen die Bebauung für das Mercator-Quartier gefräst, mit historischen Giebeln, so wie es einmal aussehen könnte. Die Modelle kommen bei Veranstaltungen mit Bürgern und Politikern zum Einsatz. Hin und wieder werden Alternativen gefertigt – die Häuser sind dann höher oder die Parkplätze an eine andere Stelle gesetzt.

Auch die Landmarke „Tiger & Turtle“ ist eindrucksvoll. Sie steht hinter Glas im Flur des Stadthauses. „Da haben wir mit drei Leuten viele Stunden dran gesessen“, erinnert sich Vent. Er und seine Kollegen müssen erfinderisch sein. Um das Metall für das Kunstobjekt in die Kurve zu legen, wurde das Material mit einem Föhn erhitzt, so dass es sich biegen ließ. Und erst einmal die vielen Stufen zu formen – das war eine Arbeit...

"Tiger & Turtle" steht hinter Glas im Stadthaus

Sämtliche Modelle, die in der Werkstatt gebaut wurden, lagern im Archiv. Es ist ein Streifzug durch die Stadtplanung vergangener Jahrzehnte. Darunter finden sich auch Entwürfe, die nie realisiert wurden: Zum Beispiel der Angerbogen aus dem Jahr 1974. Dort sollte eine Art Satellitenstadt entstehen. Der heutigen, wesentlich begehrtere Angerbogen, ist eine Schublade darüber abgelegt. „Manchmal ist man auch froh, wenn etwas nicht gebaut wurde“, sagt Vent und lächelt.

Seine Aufgabe und die von Marika Block ist es, mit wachen Augen durch die Stadt zu gehen. Dann entdecken sie zum Beispiel Lücken, an denen Häuser abgerissen wurden, oder neue Gebäude, die noch nicht in die Modelle eingearbeitet wurden. Sogar das Raucher-Häuschen am neuen Targobank-Sitz wurde detailgetreu aufgenommen. Fertig sind sie nie.

 
 

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