Mit "The Curve" kriegt Duisburg doch die Kurve im Innenhafen

Als Sichel schmiegt sich das Gebäude-Ensemble an die Eurogate-Treppenanlage, im Komplex rechts sollen die Wohnungen entstehen
Als Sichel schmiegt sich das Gebäude-Ensemble an die Eurogate-Treppenanlage, im Komplex rechts sollen die Wohnungen entstehen
Foto: Handout Die Developer
Düsseldorfer Projektentwickler will für 100 Millionen Euro bis Ende 2019 das Eurogate-Gelände an der Treppenpromenade bebauen. So sehen die Pläne aus.

Duisburg.. Duisburg kriegt jetzt doch die Kurve am Innenhafen: An der skandalträchtigen Eurogate-Treppenpromenade will der Düsseldorfer Projektentwickler „Die Developer“ für 100 Millionen Euro „The Curve“ bauen, eine architektonisch spektakuläre Sichel mit Büros, einem Hotel und Wohnen am Wasser.

Das Düsseldorfer Unternehmen präsentierte am Freitag im „Hafenforum“ im Innenhafen mit Blick auf die seit Jahren verwaiste Eurogate-Treppe ihre Pläne, nach dem die Stadt dem Projektentwickler den Zuschlag gegeben hatte. Computer-Animationen und ein Modell geben eine Idee von dem Bauvorhaben der Düsseldorfer, das Ende 2019 fertig sein soll: Rund um die sichelförmige Treppenanlage wollen „Die Developer“ ein Gebäude-Ensemble aus vier Teilen errichten, über das sich ein gemeinsames Sicheldach spannt. Vorgesehen sind zwei mehrstöckige Büro-Komplexe, ein Hotel in der Mitte mit bis zu 250 Betten sowie bis zu 100 Wohnungen in bester Lage und bester Aussicht auf den Innenhafen.

Projektentwickler verspricht zügige Realisierung

„Wir übernehmen eine große Verantwortung und geben ein Versprechen ab“, erklärte Stefan H. Mühling, Geschäftsführer des Düsseldorfer Projektentwicklers, und kündigte eine anspruchsvolle Architektur und zügige Realisierung an.„Ich freue mich jetzt schon darauf, über die Promenade flanieren zu können. Die Treppenanlage schreit danach, von den Bürgern erobert zu werden“, meinte Mühling. Mit finanzkräftigen Investoren aus der Immobilienwirtschaft um den Bremer Bauunternehmer Zech im Rücken zerstreute Mühling Befürchtungen, dass die Bebauung des „Eurogate“-Geländes erneut scheitern könnte: „Die Finanzierung war noch nie unser Problem und wird es auch bei The Curve nicht sein“. Referenzen des Unternehmens: Zum Beispiel der „Kö-Bogen“ in Düsseldorf, den Stararchitekt Daniel Libeskind entwarf, und der Vodafone-Campus mit 100 000 m² und einem 100 Meter hohen Büroturm.

„Ich freue mich riesig“, erklärte denn auch Duisburgs Baudezernent Carsten Tum. Zügig sollen jetzt die planerischen und vertragrechtlichen Dinge bis Ende 2017 abgearbeitet werden, dass der Baustart im 1. Quartal 2018 sein soll. Vor allem die jetzt mögliche Teilnutzung mit Wohnungen, die das Land abgesegnet hatte, sowie die parzellierte Bauweise mit den unterschiedlichen Nutzungen hätten es jetzt möglich gemacht, dass die Stadt nun einen Projektentwickler für das Projekt präsentieren könne. „Wir haben einen hervorragenden Projektentwickler für Eurogate gewinnen können“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Endlich sei es gelungen, die jahrzehntelange Planung der Sichel im Innenhafen als Kernstück des Duisburger Foster-Masterplanes realisieren zu können.

Büros, 250 Hotelbetten und 100 Wohnungen entstehen

In vier einzelne Baukörper unterteilt sich nach den ersten Planungen die „Super-Sichel“ entlang der Treppenanlage am alten Holzhafen. Zu ihren beiden äußeren Enden soll „The Curve“ nach oben schwingen. Im westlichen Bereich soll die Promenade mit zwei sechs- bis siebengeschossigen Gebäuden mit bis zu 20 000 qm Bürofläche an das „Five Boats“-Gebäude angrenzen. In der Mitte ist das Hotel mit fünf Etagen, bis zu 8000 qm und 200 bis 250 Betten geplant. Laut Mühling profitiert das Hotel davon, dass es als Blickfang von der A 40 aus zu sehen ist. Das Hotel soll etwas zurückgesetzt werden, um mehr Aufenthaltsfläche auf der Promenade zu schaffen.

In dem geschwungenen rechten Gebäudeteil sollen auf bis zu acht Etagen 80 bis 100 Wohneinheiten alle mit Süd- und Südwest-Ausrichtung und Grundflächen zwischen 50 und 150 qm entstehen. Großzügige Balkone zum Wasser hin sollen den zukünftigen Bewohnern besondere Ausblicke bieten. „Das werden tolle Wohnungen“, verspricht Mühling. Während der „Rücken“ der Sichel zur Autobahn geschlossener und damit auch lärmgeschützter gebaut wird, plant Architekt Jürgen Schubert auf der Wasserseite eine transparente Bauweise. Unter der Treppenanlage ist eine zweigeschossige Tiefgarage mit 700 Plätzen vorgesehen.

Kommentar zum Thema: Hauptsache, es nutzt Duisburg

Schöne Computerbilder mit Sonnenuntergangslicht, das die schicken Wohnungen von „The Curve“ im Innenhafen in warmes Licht taucht, und die Menschen zeigen, die auf der Treppen-Promenade flanieren, sind schnell gemacht. Auch Versprechungen von Projektentwicklern sind leicht zu Papier gebracht. Vieles erinnert jetzt an Inszenierungen, die wir für das Eurogate schon oft gesehen haben, nachdem Sir Norman Foster seinen großen Masterplan für Duisburg vor nunmehr 20 Jahren entwarf.

Also gilt die Losung, die auch bei anderen angekündigten Bauvorhaben vom Marientor-Karree bis zum „Fashion House“ an der Düsseldorfer Straße ratsam ist: Warten wir, bis wirklich die Bagger anrollen. Zu oft gingen Versprechungen und Ankündigungen ins Leere – Duisburger Freiheit oder Factory Outlet lassen grüßen.

Chancen stehen offenbar wirklich gut

Doch an den Eurogate-Treppen stehen die Chancen mit dem neuen Düsseldorfer Projektentwickler offenbar wirklich gut. Weil die Stadt nach erfolglosen Anläufen in den vergangenen Jahren das enge Korsett der Nutzung aufschnüren konnte und vor allem das attraktive Wohnen nun möglich ist. Zudem können „Die Developer“ exzellente Referenzen vorweisen und müssen nach eigenem Bekunden nicht auf Geldgeber und Vermietungsquoten warten, bis sie loslegen können, weil finanzstarke Investoren hinter dem Düsseldorfer Unternehmen stehen.

Sollte sich jetzt wirklich etwas tun, Duisburg in seiner Stadtentwicklung ungeahnte Fahrt aufnehmen und sich das (Wahl)-Versprechen von Oberbürgermeister Link bewahrheiten, dass sich das Gesicht Duisburgs bis 2018 zum Ende seiner Amtszeit deutlich ändert? Kräne am Eurogate, dazu ein schicker neuer Bahnhofsvorplatz mit Hotelbauten drumherum, eine aufgehübschte, neu gepflasterte Königstraße und verbaute 80 Millionen Euro aus dem Bundesinvestitionstopf: Duisburg wird’s nutzen, ob es sich letztlich politisch auszahlt, ist da zunächst zweitrangig.

 
 

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