Mit der Fackel auf den Hochofen

Es ist ein besonderer, ein stimmungsvoller Rundgang zu später Stunde, der heute auf die Teilnehmer der Fackelführung durch den Landschaftspark Duisburg-Nord wartet. Mit einem Gästeführer geht es dabei ab dem Besucherzentrum über das Gelände des ehemaligen Hüttenwerks Meiderich. „Allerdings zunächst erst einmal ganz ohne Fackel“, sagt Karl Heinz Roth. Der 81-Jährige arbeitete mehr als 35 Jahre lang als Elektriker bei Thyssen in Bruckhausen und führt heute Gäste durch das Industriedenkmal in Meiderich.

„Zuerst geht es zur Weichenstellung und Waage, wo wir den Gästen ein wenig erzählen“, sagt Karl Heinz Roth. „Und dann steigen wir zur 70-Meter-Bühne auf den Hochofen hinauf. Aber die Treppen dort sind so schmal und steil und es soll ja niemand verletzt werden und deshalb bleiben die Fackeln zunächst aus“, sagt der Gästeführer. „Aber eine Taschenlampe, die sollte jeder Teilnehmer mitbringen, denn auch auf dem Hochofen sind die Wege abends dunkel.“

Wie Wind und Koks hier eine Innentemperatur von 2500 Grad Celsius ergaben, so dass das Erz zu Roheisen schmolz wird den Besuchern erklärt, bevor es weiter auf die Abstiegsbühne geht, „wo flüssiges Roheisen mit einer Temperatur von 1500 Grad Celsius herauskam.“ Wie die Schlacke herausgeblasen wurde, was der Oberschmelzer und die Schmelzer unter welchen Arbeitsbedingungen genau am Hochofen taten, und warum die Produktion von Spezialroheisen, das in den Thyssen’schen Stahlwerken weiterverarbeitet wurde, so ein Knochenjob war, erfahren die Teilnehmer der Führung ebenfalls.

„Und dann geht es wieder runter. Hier darf sich dann jeder Besucher eine Fackel holen und wir gehen unten an den Bunkeranlagen, den Kühlsystemen vorbei und erklären sie, laufen dann weiter zur Gebläsehalle und zum Gasometer“, so der Gästeführer. Und das schimmernde Licht der Fackeln taucht die nachts bunt erleuchtete Industriekulisse des ehemaligen Hüttenwerks im Landschaftspark dabei in ein einmaliges Licht und in eine ganz besonders spannende Atmosphäre.