Mit dem Rad durch Tansania

Daniel Wiberny
Mitten im trockenen, afrikanischen Busch: Sarah Heger und Markus Maxim.
Mitten im trockenen, afrikanischen Busch: Sarah Heger und Markus Maxim.
Foto: Privat

Duisburg.  Am Fahrradrahmen klebt noch der rote Sand. „Ich bin bisher nicht zum Putzen gekommen“, sagt Sarah Heger (29) zu den Überbleibseln einer ganz besonderen Tour und schmunzelt ein wenig. Wer verstehen will, warum die junge Frau im vergangenen August auf ihre Weise per Rad mit ihrem Freund (31) 689 Kilometer durch Tansania gefahren ist, muss im Jahr 2009 anfangen.

Sarah Heger, damals noch Studentin in Bonn, trifft während eines Aufenthalts in Istanbul in einem Hostel auf den Duisburger Markus Maxim, den alle nur Maxim nennen. Der ist gerade auf einem Selbsterfahrungstrip und Monate lang mit dem Rad durch die Weltgeschichte unterwegs. Die beiden finden sich sympathisch, tauschen Nummern aus und auf seinem Rückweg macht Maxim einen Abstecher nach Bonn. Aus Sympathie wird mehr, seit einem halben Jahr lebt das Paar im Dellviertel. Und weil er („Ich komme nie zurück, sondern halte immer nur an“) regelmäßig auf große Radreise geht und davon schwärmt, möchte sie irgendwann mit. Tansania wird als Ziel der ersten gemeinsamen Tour auserkoren.

Mitte August geht es los

Mitte August steigen die beiden in den Flieger nach Dar Es Salaam, der größten Stadt Tansanias mit dem größten Hafen in Ostafrika – die Tourenräder und ein kleines Kisuaheli-Wörterbuch mit im Gepäck. Bei der Ankunft ist es heiß, trocken – und es riecht nach Afrika, sagt Sarah Heger. „Eine Mischung aus Erde, Gewürzen, Benzin und Rauch, weil überall am Straßenrand gegrillt oder Müll verbrannt wird. Mein Tuch riecht immer noch danach.“

Das Paar macht sich zunächst in Richtung des großen Nationalparks Selous Game Reserve auf – in dem muslimischen Land mit knielangen, gepolsterten Radhosen und bedeckten Schultern. „Die ersten drei Tage waren heftig“, erzählt Sarah Heger. Anfangs geht’s über asphaltierte Straßen, dann über eine rote Sandpiste auf ein 500 Meter hohes Plateau und schließlich nur durch Sand. „Über 50 Kilometer kein Zeichen von Zivilisation, dazu Pfotenabdrücke im Sand und eine bizarre, sandige Landschaft mit dichtem, trockenem Busch. Unheimlich“, so die Diplom-Geografin, die als Natur- und Umweltpädagogin arbeitet. „Da wusste ich, dass mein Freund noch verrückter ist, als ich eigentlich gedacht habe.“

Ein gewaltiger Buckelwal tauchte direkt neben dem Boot auf

Maxim bleibt gelassen, ist aber auch froh, als die beiden nach Anbruch der Dunkelheit ein Camp erreichen. Bekanntschaft mit Affen oder Nilpferden macht das Paar während der Radreise, mit Löwen allerdings nicht. Auch Giraffen oder Elefanten bekommt es nicht zu Gesicht. „Zu scheu“, sagt Maxim, der als Apotheker arbeitet und in Pharmaziegeschichte promoviert. „Diese Tiere hätten wir im Selous Game Reserve sehen können. Bei 80 Dollar pro Tag und Campingplätzen für 250 Dollar pro Nase und Nacht haben wir das aber sein gelassen.“

Vom trockenen, afrikanischen Busch geht es für die beiden dann an die weißen Palmenstrände des Indischen Ozeans nach Kilwa Masoko. Spätestens jetzt genießt auch Sarah Heger die Tour – mit einer weiteren Ausnahme. „Bei der Überfahrt zur Insel Mafia bei rauer See mit einem rostigen Kahn habe ich zum zweiten Mal gedacht, dass ich sterbe“, erzählt die 29-Jährige. „Dafür ist ein gewaltiger Buckelwal direkt neben dem Boot aufgetaucht. Das war wundervoll. Atemberaubend.“

60 bis 120 Kilometer radeln die beiden pro Tag

60 bis 120 Kilometer radeln die beiden pro Tag, übernachten in einfachen Gasthäusern für 3 bis 4 Euro pro Nacht. In den angeschlossenen Bars essen sie fast täglich frittierte Kartoffeln mit Ei, das Fast Food Tansanias, lernen die Einheimischen kennen und ihre Freundlichkeit und Offenheit schätzen.

Nach drei Wochen erreichen die beiden wieder Dar Es Salaam. Sarah Hegers Job ruft. Traurig, aber auch glücklich ob der vielen Erfahrungen steigt sie in den Flieger, während Maxim noch eine Zeit lang Tansania erkundet.

Zurück in Duisburg bleibt beiden als Erinnerung viel mehr als nur ein bisschen Sand am Fahrradrahmen.