Ministerpräsidentin mit Draht zur Basis

Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
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Duisburg. Für Hannelore Kraft war es fast ein Heimspiel. Die NRW-Ministerpräsidentin hat nämlich in Duisburg Wirtschaftswissenschaften studiert und erste WG-Erfahrungen gesammelt. Am Montagabend plauderte sie souverän beim 21. Landhaustreff im Hotel Milser mit Manni Breuckmann.

Gleich zu Beginn versuchte der versierte Moderator, der SPD-Frau ein Statement zum Thema Sauerland zu entlocken. Dazu Hannelore Kraft: „Als Ministerpräsidentin halte ich mich da raus. Sie werden kein Plädoyer für die Abwahl Sauerlands von mir hören“. Zwei Sätze später sprach die Mülheimerin dann „von politischer Verantwortung, die man tragen muss“.

Landhaustreff als gesellschaftlicher Treffpunkt

Hannelore Kraft kam leger daher - in Strickjacke mit Kunstpelz und sportlich geschnittener Hose. Ganz im Gegensatz zu den meisten Gästen im dunklen Zwirn. Der Landhaustreff hat sich längst als gesellschaftlicher Treffpunkt etabliert. Seit Jahren buchen Firmen aus ganz NRW - Banken, Logistikunternehmen und Konzerne wie Coca Cola - Zehner-Tische und laden ihre Geschäftspartner zu Speis’, Trank und Talk ein.

Erst die Garnelen, dann ein Gespräch mit der Ministerpräsidentin, danach Kalbsinvoltini und Kabarett mit Kai Magnus Sting, später Schokotörtchen und dann Kontakte knüpfen. Nach diesem Strickmuster lief der Abend ab.

Hannelore Kraft präsentierte sich dabei als eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Eine Spitzenpolitikerin, die den Kontakt zum Volk noch nicht verloren hat, was auch an ihrer eigenen Geschichte liegen mag. Als Mädchen aus „einfachen“ Verhältnissen war sie die erste in der Familie, die studierte.

Hannelore Kraft zum Thema Wullf

Nicht zuletzt deshalb engagiert sich Hannelore Kraft für Bildungs- und Familienpolitik. „Aber auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das hängt schließlich alles zusammen“. In die SPD ist die Politikerin erst 1994, im Alter von 33 Jahren, eingetreten - und dann voll durchgestartet. Bereits 2001 war sie Ministerin.

Natürlich brachten sowohl Breuckmann als später auch Sting die Wulff-Affäre ins Gespräch. Krafts Kommentar dazu: „Wenn Wulff das aussitzt, geraten Wertvorstellungen durcheinander. Man muss vorher genau prüfen, ob man so ein Amt annehmen kann“. Und zum Thema Nicht-Raucherschutz in NRW: „Ich will eine klare, transparente Regelung. Nichtraucher haben ei­nen Anspruch auf Schutz.“

Wie beim Landhaustreff üblich, plauderte auch Hannelore Kraft aus dem Nähkästchen. Sie erzählte von „ihrem“ Fußballclub Borussia Mönchengladbach, von den Doppelkopfabenden mit Freunden und auch vom Sohn, der gerade in Neuseeland weilt und sich glücklicherweise vom FC Bayern abgewandt hat - damit kann man im Revier immer punkten.

Zu guter Letzt zündete Kai Magnus Sting noch ein Feuerwerk von Gags, zog die Servicewüste Deutschland, die schöne neue Internetwelt und die Fallstricke einer Ehe durch den Kakao. Der Rest des Abends war dem Knüpfen von Netzwerken vorbehalten.

 
 

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