„Meine Grenzen bestimme ich“

Er ist schon 100 Kilometer durch die Sahara gelaufen, ist 21-mal beim Marathon und siebenmal beim Ultramarathon ins Ziel gekommen, ist über Gletscher und Gipfel gekraxelt: Der 36-jährige Martin Jansen ist ein Extremsportler und Abenteurer. Jetzt war er wieder unterwegs, mit einem kleinen internationalen Team in den Bergen von Peru, in seinem Urlaub, immer hoch hinaus, über 3000 und bis 5500 Meter. Kaum wieder zu Hause gelandet, machte er sich kurz darauf schon wieder zur nächsten Herausforderung auf, zu einem großen Bergrennen rund um die Zugspitze.

Was ihn antreibt, ist die Grenzerfahrung. Er trainiert und testet seinen Körper aus, will wissen, wie weit und wie hoch ihn seine Füße unter noch so widrigen Bedingungen tragen. „Meine Grenzen bestimme ich“, ist sein Leitspruch, den er auch ganz oben auf seiner Internetseite postuliert. Bisher ist ihm fast alles geglückt, die selbst gesetzten Ziele und Zeiten hat er oft übertroffen. An die Grenze des Machbaren aber ging es in Peru.

Sechs Schichten Oberbekleidung

Nach Touren durch tiefe Canyons und Gebirgspässe über der 5000er-Grenze wollte der Neudorfer Jansen zum Abschluss den 6075m hohen Vulkan Chachani besteigen. Doch das Wetter dreht, es gibt einen Wintereinbruch, im Tal stürzen Bäume um, im Andenhochland liegt plötzlich Schnee. In der Nacht stiefelt Jansen vom Basislager los, mit drei weiteren Wagemutigen und einem Bergführer über eine völlig neue Route. Das Zelt versinkt im 30cm hohen Neuschnee, das Thermometer zeigt minus 30 Grad. „Mit sechs Schichten Oberbekleidung und drei an den Beinen kann man sowas überleben“, berichtet Jansen. „Der Guide hat uns empfohlen, gegen Erfrierungen Papier um die Zehen zu wickeln. Es hat funktioniert.“ Doch nach kurzer Zeit ist der Trinkschlauch gefroren, die Kälte zerrt an den Kräften und den Nerven. Auf 5525 Metern und dichtem Schneefall ist Ende. „Wir mussten abbrechen. Ein Teammitglied war völlig entkräftet und stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.“ Jansen sagt, er hätte seinen Namen gerne in den Bergen Perus verewigt. „Aber die Sicherheit geht vor.“ Es ist einer der Momente, an der man die Grenze erkennt.

Zehn Tage später läuft der Neudorfer schon wieder über Schneefelder und wolkenverhangene Gipfel, über Skipisten und sonnige Almen: Beim Supertrail um die Zugspitze, mit 1600 Startern aus 37 Nationen, über 69 Kilometer und 3120 Höhenmeter. . „Es war ein hartes Stück Arbeit. Nach elf Stunden und 52 Minuten war die Grenzerfahrung auf Platz 91 beendet“, berichtet er.

Genug hat er noch lange nicht. Im kommenden Monat will er wieder in die Berge, es geht um den Mont Blanc. Ein Berglauf über 101km, bei dem er 5700 Höhenmeter bewältigen will, als einer von wenigen deutschen Teilnehmern. Auch hier umtreibt den 36-Jährigen nur eine Frage: „Ich bin gespannt, ob mein Körper das mitmacht.“

 
 

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