Mehr Patienten liegen stationär in Duisburger Kliniken

Wird in Duisburgs Krankenhäusern wie hier im Joahanniter in Rheinhausen  zu oft operiert? Die Kliniken widersprechen.
Wird in Duisburgs Krankenhäusern wie hier im Joahanniter in Rheinhausen zu oft operiert? Die Kliniken widersprechen.
Foto: Ulla Emig wazfotopool
Mehr stationäre Patienten und mehr lukrative Operationen: Das beklagt die IKK-Krankenkasse. Die Duisburger Krankenhäuser widersprechen.

Duisburg. Mehrere 100 Millionen Euro investieren Duisburgs Kliniken in neue Abteilungen, Operationstechnik und Spitzenmedizin. Über 4200 Betten bieten sie den Patienten. Zugleich warnen Krankenkassen vor einem Bettenüberhang und beklagen steigende Kosten. Jetzt moniert die IKK-Krankenkasse, dass in Duisburg die Zahl der lukrativen stationären Patienten rapide gestiegen ist. Die Krankenhäuser, sonst in Konkurrenz, weisen die Kritik unisono zurück.

Anstieg trotz Bevölkerungsrückgang

Die IKK führt Zahlen des Statistischem Landesamtes ins Feld. Danach lagen im Jahr 2000 noch 129 261 Patienten stationär in Duisburgs Kliniken, 2014 waren es 145 767. „Dies entspricht einer Steigerung von 12,8 %. Gleichzeitig ist die Bevölkerungszahl aber um 5,3 % gesunken“, so Michael Lobscheid von der IKK. Es wird zudem immer öfter operiert, meint die Krankenkasse – Folge auch des medizinischen Fortschritts und der gewachsenen Erwartung. Allerdings hätten gerade die Operationen zugenommen, „die für die Krankenhäuser besonders lukrativ sind“, so Lobscheid; etwa Knie- und Hüftprothesen.

Eine der auch regionalen Top-Adressen gerade für die Gelenk-Prothetik ist laut AOK-Krankenhausreport das Hochfelder Bethesda-Krankenhaus. Doch Sprecherin Jessica Reinartz kann einen OP-Anstieg in den letzten Jahren nicht bestätigen. Von 2010 bis 2014 sei die Zahl sogar um sechs Prozent gesunken. Dagegen habe es in der Tat in dem Zeitraum einen Anstieg der stationären Patienten gegeben, um sieben Prozent. Das liegt aus Sicht der Klinik auch an kürzeren Aufenthaltszeiten und damit schnelleren Patientenwechseln. Grundsätzliches Credo im Bethesda für Therapien und Eingriffe sei: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Die Helios-Kliniken, die in Hamborn modernisieren und in Hochfeld ein neues Krankenhaus bauen, geben für die Zeit 2012 bis 2104 einen Anstieg der vollstationären Patientenfälle um 2,4 Prozent an. Die operativen Fälle seien am Haus im gleichen Zeitraum dagegen um rund acht Prozent gesunken.

Versorgung von Schlaganfall- und Notfallpatienten

Das Sana-Klinikum bestätigt einen Anstieg bei den stationären Patienten seit 2010 um fast 16 %. „Einen Anstieg bei den Operationszahlen können wir für unser Haus aber nicht bestätigen“, so Sprecherin Ute Kozber. Der Anstieg der stationären Patienten begründet das Haus vor allem mit der Versorgung von Schlaganfall- und Notfallpatienten. Und mit etwas eigentlich höchst erfreulichem: Die Zahl der Geburten hat sich auf 1500 fast verdoppelt.

„Wir gehen doch nicht raus und sagen den Leuten, lasst euch operieren“, meint Dr. Peter Merguet, Qualitätsmanager bei den Ev. Kliniken Niederrhein. Seit Jahren schwanke die Zahl der Operationen um 23 500, die Zahl der stationären Patienten sei zwischen 2011 und 2014 um vier Prozent von 35 800 auf 37 200 gestiegen. „Die Krankenkassen sollen uns einen Patienten zeigen, der ohne Grund operiert wurde“, so Merguet. Für jeden Eingriff gebe es nachprüfbare und kontrollierte Indikationsberichte.

 
 

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