Mehr Migranten in die Verwaltung

Alfons Winterseel
Mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund wie der Leiter der türkischen Bibliothek, Yilmaz Holtz-Ersahin, und Kenan Eren
Mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund wie der Leiter der türkischen Bibliothek, Yilmaz Holtz-Ersahin, und Kenan Eren
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Die Duisburger Stadtverwaltung ist bereits seit einiger Zeit dabei, die interkulturelle Kompetenz ihrer Mitarbeiter zu stärken. Von daher scheint logisch, das Duisburg als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag einen Partnervereinbarung mit dem Land unterzeichnete.

Titel: „Vielfalt verbindet. Interkulturelle Öffnung als Erfolgsfaktor.“ Unterzeichnet haben Oberbürgermeister Sören Link auf der einen, und Minister Guntram Schneider und Staatssekretärin Zülfiye Kaykin auf der anderen Seite. Noch unter dem damaligen OB Adolf Sauerland war die Stärkung der interkulturellen Kompetenz städtischer Mitarbeiter auf den Weg gebracht worden.

„Interkulturelle Kompetenz ist ein Qualitätsmerkmal“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. „Die Verwaltung muss die Realität der Einwanderung anerkennen.“ Zwar sei es in Duisburg aufgrund der Haushaltslage nicht möglich, verstärkt neue Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzustellen, jedoch würden Auszubildende sowie Mitarbeiter mit Publikumskontakt und Führungskräfte in einer Kooperation mit der Stadt Oberhausen „interkulturell sensibilisiert.“

Spannungsarmes Zusammenleben fördern

Lob gab es dafür vom Minister: „Duisburg ist mit an erster Stelle zu nennen, wenn es um Integrationspolitik geht“, sagte Schneider. Das neue Teilhabe- und Integrationsgesetz gebe nun den Rahmen und die Struktur. „Integrationspolitik ist kein Sahnehäubchen, sondern hat einen ernsthaften ökonomischen Hintergrund.“ In NRW lebten zur Zeit rund 4,2 Mio Migranten, „ohne sie wären wir wirtschaftlich ärmer.“

Auf kommunaler Ebene sollen überall im Land Zentren entstehen, die Integrationsarbeit organisieren. Ziel sei ein spannungsarmes Zusammenleben der Menschen in NRW zu fördern und „fair miteinander umzugehen“.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren

Ein Weg dorthin seien zum Beispiel anonymisierte Bewerbungsverfahren. Staatssekretärin Zülfiye Kaykin: „Dieses Instrument wurde vom Land genutzt. Rund 100 Stellen wurden so besetzt. Wir erwarten im Herbst die Ergebnisse.“ Überraschend sei auch das Ergebnis einer freiwilligen Umfrage bei den Landesbediensteten gewesen: „Wir haben immer geschätzt, dass der Anteil der Bediensteten mit Migrationshintergrund bei zwei bis drei Prozent liegt. Nach der Umfrage wissen wir: es sind etwa 12 Prozent.“

Das Land will weitere Kooperationsverträge mit Behörden, Verbänden und Unternehmen schließen. Das Integrationsministerium wird Plattformen zur Verfügung stellen, auf denen es zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie Fortbildungen kommen soll.