Mehr als nur ein Überweg

Elke Fritzen vor der Eisenbahnbrücke zwischen Hochfeld und Rheinhausen, oder wie sie es sagt: vor der „Willi-Brücke“.
Elke Fritzen vor der Eisenbahnbrücke zwischen Hochfeld und Rheinhausen, oder wie sie es sagt: vor der „Willi-Brücke“.
Foto: WAZ FotoPool
Elke Fritzen liebt Brücken. Weil ihr Großvater sie baute. Und weil sie Zeugnis von Solidarität sind

Duisburg.. Neun Meter weiter unten strömt der Rhein, an den Ufern sattes Grün, die restliche Stadt wirkt wie eine kleine Spielzeugkulisse. Elke Fritzen fühlt sich sichtlich wohl hier oben. Auf der Eisenbahnbrücke zwischen Hochfeld und Rheinhausen. Einer von ihren liebsten Orten in Duisburg. Und sie zuckt noch nicht einmal mit der Wimper, als der Zug nur knapp drei Meter von ihr entfernt entlang donnert, der Boden wackelt, der Stahl ächzt. „Machen Sie sich keine Sorgen, dass das Ding umfällt“, sagt die 58-Jährige, „das hat mein Großvater gebaut.“

Der Großvater, Willi Fritzen, der Brückenbaumeister, war dafür zuständig, dass die Querung in ihrer jetzigen Form fertiggestellt wurde. Dafür, dass Elke Fritzen seit ihrer Kindheit etliche Radtouren über sie fahren konnte. Und letztlich auch dafür, dass seine Enkeltochter nicht nur liebevoll von der „Willi-Brücke“ spricht, sondern auch generell für Brücken ins Schwärmen gerät.

Menschen durch Brücken verbunden

„Mein ganzes Elternhaus hing voll mit Bildern von Brücken“, erzählt Elke Fritzen. Bilder, die Großvater Willi bei Brückenbauten in ganz Nordrhein-Westfalen machte und selbst entwickelte. Großmutter Maria fuhr mit auf die Baustellen und kehrte immer mit reichlich Geschichten zurück. „Es ging immer um den großen Zusammenhalt bei den Männern und darum, dass Menschen durch die Brücken verbunden wurden“, erinnert sich Elke Fritzen, die mit drei Generationen unter einem Dach aufwuchs. Sie deutet auf die Vielzahl der Nieten des rostbraunen Stahlungetüms. „Das war richtige Maloche. Das hat mich immer beeindruckt“, sagt die Hochfelderin. Kein Wunder, dass sie sich „überzeugte Duisburgerin“ nennt. „Schließlich haben wir mehr Brücken als Venedig.“

Am Rheinhauser Ende der Brücke angekommen, fällt unser Blick auf die steinernen Überbleibsel einer älteren Brücke. Zwei wuchtige Türme, wie sie dazugehörten, als 1874 erstmals an dieser Stelle eine Rheinbrücke ihre Arbeit aufnahm. Kriege und Abnutzung verschlissen hier bis heute drei Brücken. Die vierte steht seit 1945 weitgehend unverändert. „Schade, dass man hier nicht mehr draus macht“, meint Elke Fritzen mit Blick auf den alten Brückenkopf. „Hier könnten die Rheinhauser ein richtig schönes Restaurant haben.“

Du kriegst hier nichts geschenkt

Wir bleiben eine Weile stehen. Am Rheinhauser Ufer, beim Thema Rheinhausen. Elke Fritzen deutet in Richtung des ehemaligen Krupp-Standorts. „Das hat uns damals alle sehr getroffen“, sagt sie, „seitdem fühle ich mich auch als Rheinhauserin.“ Diese Solidarität sei ebenfalls ein Erbe ihres Großvaters, ein SPD-Mann, engagiert in der IG Metall. „Diesen sozialen Charakter haben wir alle in der Familie mitbekommen. Es hieß: Du kriegst hier nichts geschenkt, aber in der Gemeinschaft kannst du was auf die Beine stellen“, sagt Elke Fritzen.

Ihre Vita ist Zeugnis davon. Schon in den 1970er Jahren leistete sie humanitäre Hilfe, unter anderem in Nepal und Afghanistan. In der Heimat arbeitete die gelernte Gärtnerin als Familienbetreuerin, in einer Frauen-Beratungsstelle, in Wohnprojekten. Vor drei Jahren hob sie mit einigen Mitstreitern ein Projekt am Hochfelder Markt im „Haus Behmenburg“ aus der Taufe. Hier gibt es für bedürftige Menschen eine Essensausgabe, eine Kleiderbörse, einen Treffpunkt zum Austausch. Wie es läuft? „Gut“, sagt Elke Fritzen. „Das ist wie beim Bau einer Brücke. Mit einem guten Team funktioniert das.“

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