„Medienberichte schüren oft Rassismus“

Wilhelm Klümper, stellvertretender Chefredakteur der WAZ, stellte sich den Fragen der Zuhörer.            Foto: Tanja Pickartz
Wilhelm Klümper, stellvertretender Chefredakteur der WAZ, stellte sich den Fragen der Zuhörer. Foto: Tanja Pickartz
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Journalisten, Wissenschaftler und Medienmacher debattierten zum Auftakt der Interkulturellen Wochen in Duisburg über die Rolle der Medien im Integrationsprozess. Kritik gab’s reichlich – vor allem am Privatfernsehen.

Zum Auftakt der Interkulturellen Wochen (IKW) 2010 in Duisburg luden die Veranstalter Journalisten, Wissenschaftler und Medienmacher ein, über die Rolle der Medien im Integrationsprozess zu debattieren.

Nach den Eröffnungsreden von Michael Rubinstein (Federführer der IKW) und Bürgermeister Erkan Kocalar gab Prof. Dr. Siegfried Jäger vom Institut für Sprach- und Sozialforschung mit einem kritischen Impulsreferat den Anstoß für eine lebhafte Debatte.

Der Wissenschaftler betonte, dass auch die Meinungs- und Pressefreiheit ihre Grenzen habe. Insbesondere bei der Berichterstattung im Migrationsprozess würden diese aber von vielen „Leitmedien“ übergangen. „Die Berichte schüren oftmals Rassismus in der Gesellschaft, anstatt diesem entgegen zu wirken“, sagt Jäger. Vor allem im Islam- und Kriminalitätsdiskurs würden die Medien durch „deutlich drastischere“ Berichte Vorurteile schaffen und bedienen.

„Falsch verstandenes Gutmenschentum“

Der Moderator der Diskussionsrunde André Maßmann nahm die Kritik auf und leitete diese an die Journalisten weiter. „Die Medien haben Wesentliches für den Integrationsprozess in den vergangenen 30 Jahren geleistet. Allerdings haben wir es versäumt, frühzeitig auf handfeste Probleme hinzuweisen“, sagte Wilhelm Klümper, stellvertretender Chefredakteur der WAZ. Der Journalist räumt ein, dass die Medien in der Vergangenheit aus „falsch verstandenem Gutmenschentum“, den Fehler gemacht hätten, eine „Multi-Kulti-Idylle“ abzubilden und nicht über die Integrationsdefizite debattiert zu haben. Wilhelm Klümpers Worte treffen im Saal des „Kleinen Prinzen“ auf geteilte Meinungen. So warfen ihm Vertreter des „Netzwerks gegen Rechts“ vor, dass er einzelne Sarrazin-Thesen, wie „Wer sein Kind nicht zur Schule schicke, dem sei das Kindergeld zu streichen“, in einem Kommentar als richtig bezeichnete.

Auf die Medienkritik von Prof. Dr. Siegfried Jäger reagierten die anderen Diskussionsteilnehmer ähnlich wie der stellvertretende Chefredakteur der WAZ. „Klischees werden vor allem im privaten Fernsehen bedient. Aber in den vergangenen Jahren hat sich auch einiges geändert. Migranten werden nicht nur im Zusammenhang mit negativen Ereignissen gezeigt, sondern erfreuen sich zum Beispiel als Tatort-Kommissare oder Serienschauspieler, wie in der Sendung „Türkisch für Anfänger“ großer Beliebtheit“, sagte Peter Widlok, Sprecher der Landesanstalt für Medien NRW.

Der Zusammenhang zählt

„Wenn in einem Kriminalbericht die Nationalität des Täters erwähnt wird, dann weil sie im Zusammenhang mit der Tat eine wichtige Rolle spielt“, erklärte Markus Augustiniak, Chefredakteur Radio Duisburg. Auch der Kulturredakteur der Rheinischen Post in Duisburg, Peter Klucken, betonte, dass die Herkunft einer Person nur dann von journalistischer Bedeutung sei, wenn diese im direkten Zusammenhang mit dem Ereignis über das berichtet wird steht.

Die türkischstämmige Verlegerin Gülcan Ayvalik ließ keinen Zweifel daran, dass sie bis zuletzt nicht von den Aussagen der Journalisten überzeugt war und wünscht sich von den Medien einen inhaltlichen Umgang mit Migranten der nicht „kränkend, verletzend oder aussortierend“ ist.

Michael Rubinstein freute sich über die lebhafte Diskussion und einen gelungenen Auftakt für die Interkulturellen Wochen 2010 in Duisburg.

 
 

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