Massive Kritik an Gutachten zum Outlet-Center in Duisburg

Willi Mohrs
Das geplante Outlet Center an der Grenze von Hamborn und Marxloh ist laut IHK nicht genehmigungsfähig.
Das geplante Outlet Center an der Grenze von Hamborn und Marxloh ist laut IHK nicht genehmigungsfähig.
Foto: Douvil
Nach Meinung der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist das geplante Factory Outlet Center in Duisburg nicht genehmigungsfähig. Zu gering sei der Abstand zu den benachbarten Grillo-Werken, so IHK-Handelsexperte Michael Rüscher. Doch nicht nur die Handelskammer kritisiert die bisherigen Planungen.

Duisburg. Das in Hamborn/ Marxloh geplante Factory Outlet Center ist nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer nicht genehmigungsfähig.

Hauptkritikpunkt ist für IHK-Handelsexperte Michael Rüscher das Störfallproblem. In den von Outlet-Bauherr Douvil im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens vorgelegten Gutachten werde der Abstand des geplanten Einkaufszentrums zu den Grillo-Werken falsch gemessen, nämlich zu den Lagerstätten eventuell kritischer Stoff und nicht, wie vorgeschrieben, zur näher gelegenen Betriebsgrenze.

Maßnahmen gegen eine mögliche Gefährdung

Rüscher: „Und das ist nicht verhandelbar. Der Gesetzgeber gibt das ganz klar vor.“ Zudem gehe der Gutachter davon aus, dass von Seiten der Grillo-Werke Maßnahmen gegen eine mögliche Gefährdung vorgenommen werden. „Grillo kann dazu überhaupt nicht verpflichtet werden“, sagt Rüscher. Die Anlagen des Unternehmens seien schließlich ordnungsgemäß genehmigt.

Gestern endete die Frist, in der Stellungnahmen gegen die bisherige Planungen von Douvil eingereicht werden mussten. Auch der Einzelhandelsverband hat auf neun Seiten geballte Kritik zusammengefasst, weitgehend übereinstimmend mit den IHK-Positionen. Geschäftsführer Wilhelm Bommann verweist unter anderem auf die aus seiner Sicht fehlerhafte Umsatzprognose: Von 125 Mio Euro pro Jahr gehe der Douvil-Gutachter aus, sein Verband komme 197 Mio angesichts von 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche mit Schwerpunkt Textileinzelhandel. „Wir kommen aus dem Handel“, erläutert Bommann seine Kalkulation.

Zweifel an den Umsatzzahlen

Auch Rüscher von der IHK zweifelt an den Umsatzzahlen und damit auch den Angaben zur Auswirkungen auf den Handel und Stadt und Umland. 4000 qm Handelsfläche seien überhaupt nicht, der Einzugsbereich des Outlet Centers dagegen zu groß berechnet worden. Die Folgen für den bestehenden Handel würden somit „klein gerechnet“.

Zudem habe es bereits 2010 ein Einzelhandels-Gutachten gegeben, in dem die Einbußen des Textileinzelhandels in der Innenstadt mit acht Prozent kalkuliert wurden. Nun sei von einem Minus in Höhe von 3,1Prozent die Rede. Rüscher: „Wer hat sich denn da verrechnet?“