Marxloh setzt auf "Null-Toleranz" für Straftäter

Oliver Schmeer
Eine Razzia von Polizei und Ordnungsamt in Duisburg-Marxloh.
Eine Razzia von Polizei und Ordnungsamt in Duisburg-Marxloh.
Foto: Stephan Eickershoff
Hohe Arbeitslosigkeit, Drogen- und Rockerkriminalität, Familienclans – Duisburg-Marxloh gilt als No Go-Area. Die Polizei greift durch.

Duisburg. Merkel in Marxloh: Die Stippvisite der Bundeskanzlerin im Sommer 2015 rückte Duisburgs Nord-Stadtteil in den Fokus. Die Berliner Regierungs-Kampagne "Gut-Leben-in Deutschland" sollte ausgerechnet in Duisburgs Problemviertel Lebensqualität abfragen. Da schallte es Merkel – und dem Rathaus vor Ort kräftig in den Ohren.

Es war wohl kein Zufall, dass kurz zuvor ein interner Lagebericht der Polizei "durchgestochen" wurde, der die Ohnmacht der Ordnungsmacht in Marxloh skizzierte und Verstärkung forderte. Weil das "Gesetz der Straße" Marxloh regierte, Polizeieinsätze in Tumulten endeten, bei denen Beamten zu Boden gingen, sogar die Schusswaffe ziehen mussten. Zündstoff pur im explosiven Gemisch aus hoher Arbeitslosigkeit, tausenden Zuwanderern aus Südosteuropa, Drogen- und Rockerkriminalität, Familienclans, Schrottimmobilien und bröckelnder Infrastruktur, gegen die das klamme Duisburg schwer aufbegehren kann. Auch eine Portion Wegsehen und Übertünchen war dabei.

"Unsere Arbeit hier wird kaputt gemacht"

Die Schlagworte "No-Go-Area" und "rechtsfreier Raum" machten die Runde und wurden zum Stigma für den ohnehin gebeutelten Stadtteil. "Wir wollen kein Marxloh in Oberhausen", schallte es kürzlich bei einer Flüchtlingsdebatte in der Nachbarstadt – dabei sind Asylsuchende doch das geringste Problem.

"Unsere ganze Arbeit hier wird kaputt gemacht", klagt dagegen der türkische Kreativkopf Halil Özet aus dem Marxloher Medienbunker. Die WDR 2-Doku einer Politiker-WG in Marxloh, gab Marxloh allerdings medial den Rest – "Wo bitte geht es hier zu den brennenden Ölfassern?"

Die Polizei hat Verstärkung bekommen

Wo Alarmglocken schrillten, heulen jetzt Polizeisirenen. Duisburgs Polizei bekam die geforderte Verstärkung, über 30 Beamte sind zusätzlich vor Ort. "Wir gehen überall hin. Wir lassen nichts mehr durchgehen. Wir haben durchgegriffen, und die Bevölkerung nimmt das wahr", sagt Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels. Es hagelte Festnahmen, hunderte Strafanzeigen und Verwarngelder, die Stadt schloss Cafés und Spielhöllen. Und wenn es der Gurtmuffel oder das Parken in zweiter Reihe auf der als Brautmeile bekannten Weseler Straße ist: Es gilt nun die Null-Toleranz-Grenze.

Zeitaufwändiger und teurer wird der soziale (Wieder-)Aufbau Marxlohs. Mitten im Quartier haben die Stadtteilerneuerer ein Büro bezogen, das Handlungskonzept "soziale Stadt" steckt in den nächsten Jahren Millionen in eine neue Stadtteilschule, in Bildungs- und Integrationsprojekte, in die Jugendarbeit.