Männer für Duisburg Outlet Village, Frauen unentschieden

Beim NRZ-Bürgerbarometer wollten die Interviewer von den Befragten wissen: Denken Sie, dass ein solches Fabrikverkaufs-Dorf die Attraktivität Duisburgs als Einkaufsstadt steigert?
Beim NRZ-Bürgerbarometer wollten die Interviewer von den Befragten wissen: Denken Sie, dass ein solches Fabrikverkaufs-Dorf die Attraktivität Duisburgs als Einkaufsstadt steigert?
Foto: Gerd Bertelmann
Das Bürgerbarometer zeigt: Frauen sind kritischer, ob ein Outlet Center, wie es in Hamborn geplant ist, die Stadt Duisburg nach vorne bringen kann. Aber warum ist das so?

Duisburg.. Die Frau kauft ein, der Mann trägt allenfalls die Tüten. Kaum ein Szenario bei der Rollenverteilung der Geschlechter zieht mehr Klischees auf sich als das Einkaufen. Doch die Mario Barths dieser Welt könnten beim Blick auf die Ergebnisse des NRZ-Bürgerbarometers enttäuscht sein.

In Duisburg soll bald ein ganzes kleines Dorf voller namhafter Klamotten-Hersteller gebaut werden. Gucci, Bally, Prada, Chanel, Armani und Escada, alles Tür an Tür, das verspricht das bunte Exposé des „Duisburg Outlet Village“, und dazu noch alle Waren zu günstigen Preisen. Was will Frau bitte mehr? Doch wer glaubt, dass Frauen Duisburg als Einkaufsstadt für attraktiver halten, weil hier demnächst ein Outlet wie in Roermond entsteht, der irrt.

Denn Frauen standen der Frage beim NRZ-Bürgerbarometer deutlich ablehnender gegenüber als Männer. Mehr als 28 Prozent sind der Meinung, dass ein Outlet Duisburg „auf keinen Fall“ nach vorne bringt, bei den Männer sind es nur 17 Prozent. Und während sich eine Mehrzahl der Männer von dem Shopping-Dorf eher ein Zugewinn für die Stadt verspricht, halten sich bei den Frauen Befürworterinnen und Gegnerinnen des Outlets die Waage.

Doch woran liegt das? Müsste nicht die Mehrheit der Frauen, der man die Einkaufslust unwidersprochen unterstellt, jegliches weiteres Marken-Geschäft in der Nähe begrüßen? Wenn ja, dann kann es nur an der Form des Einkaufserlebnisses liegen. Bevorzugen Frauen also eher den Einkauf in den Geschäften in der traditionell gewachsenen Innenstadt anstatt in dem aus dem Boden gestampften Boutiquen-Dorf wie in Roermond?

Fachhandel ist profitabler

Es gibt eine Reihe interessanter Studien, die sich für eine Antwort zu Rate ziehen lassen. Die Unterschiede zwischen dem Einkauf im klassischen Bekleidungsfachhandel und dem Fabrikverkauf schlüsselt eine Untersuchung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vom Herbst 2011 auf. Demnach gibt der Kunde im klassischen Fachhandel zwar etwas mehr Geld pro Einkauf aus. Auf dem Einkaufsbon stehen im Durchschnitt aber nur 2,2 Artikel, beim Factory-Outlet sind es wegen des niedrigeren Preisniveaus 3,7 Artikel. Einfach gesagt: Kunden kaufen im Outlet mehr Artikel, geben aber dort nicht mehr Geld aus als im Innenstadt-Geschäft.

Einkaufsmuffel über 50

Auch das unterschiedliche Einkaufsverhalten von Männern und Frauen haben die Nürnberger Konsumforscher kürzlich analysiert. Ergebnis nach 10.000 Online-Interviews: Die Hälfte aller befragten Männer kann sich nicht einmal alle zwei Monate zum Klamottenkauf durchringen, Frauen dagegen sind mindestens ein- bis zweimal im Monat auf Shopping-Tour. Einkaufsmuffel sollen besonders die Männer über 50 sein. Sind sie aber einmal unterwegs, machen sie laut Studie „Nägel mit Köpfen“ und kaufen gleich im ersten Geschäft, was sie an Bekleidung und Schuhen benötigen. Frauen dagegen würden öfter vergleichen, abwägen und erst im dritten Anlauf ihr Wunschteil finden.

Ein Outlet bedient daher eher das Einkaufsverhalten der Männer: Sie finden dort ohne weite Wege alles unter einem Dach, dazu noch zu günstigeren Preisen. Ähnlich sieht es auch Johanna Groeneweg-de Kroon, Vorsitzende des City-Managements Duisburg und Kaufhof-Chefin. Sie sieht ein Outlet nicht generell als den „großen, bösen Feind“.

 
 

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