Duisburg

Mach Schluss mit der ewigen Aufschieberitis! So bekommst du Hilfe an deiner Uni

Madeline Jäger
Die Universität Duisburg- Essen gehört mit einigen weiteren Ruhrpott- Unis zum Studierendenwerk von Harald Kaßen: Dort kannst du dich bei Problemen mit dem Studium und ständigem Aufschieben beraten lassen.
Die Universität Duisburg- Essen gehört mit einigen weiteren Ruhrpott- Unis zum Studierendenwerk von Harald Kaßen: Dort kannst du dich bei Problemen mit dem Studium und ständigem Aufschieben beraten lassen.
Foto: imago/ecomedia/ robert fishman
  • Studenten zögern das Erledigen wichtiger Aufgaben hinaus
  • Studierendenwerk Essen-Duisburg unterstützt und berät Studenten
  • Leiter erklärt Aufschieberitis und was dagegen hilft

Duisburg. Du hängst schon drei Jahre an deiner Masterarbeit und es ist kein Ende in Sicht? Das ewige Aufschieben kann zu einem Teufelskreis führen: Je öfter du alles aufschiebst, desto mehr steigt der Druck.

Du willst wissen, wie du aus dieser Aufschiebe-Hölle entfliehen kannst? DER WESTEN hat mit Harald Kaßen, dem Bereichsleiter des Studierendenwerks Essen-Duisburg das Thema diskutiert.

DER WESTEN: Wie häufig kommen Studenten mit Aufschieberitis auf Sie zu?

Kaßen: „Wir haben zu diesem Thema eine Statistik von 2017. Da war es so, dass knapp 800 von 2.000 Anliegen auf Prokrastination schließen lassen. Das sind also immerhin ein Drittel aller Fälle.“

-------------------------------------

• Mehr Themen:

Tierrettung mit Hilferuf! „Niemand kümmert sich nach Sturm Friederike um die Wildtiere“

Besonderheit sorgt für enormen Andrang im Duisburger Landschaftspark: Jetzt pausiert das Event bis November

Darum hat die Universität Duisburg-Essen die „veganste“ Mensa Deutschlands

-------------------------------------

Wie nehmen die Studierenden mit Ihnen Kontakt auf?

Die meisten der Studenten kommen zu uns in die offene Sprechstunde: Manche schreiben uns auch E-Mails, das wird immer mehr. Trotzdem kann man sagen, dass die meisten, nachdem sie lange mit sich gerungen haben, persönlich zu uns kommen. Sie fragen sich oft lange zuvor: Brauche ich Hilfe?

Was genau sind die Probleme, mit denen die Studierenden auf Sie zukommen?

Die Studenten kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manche sagen: „Ich hänge seit drei Jahren an meiner Masterarbeit und komme nicht weiter.“ Dann haben wir Studenten, die nicht strukturiert für Klausuren lernen können. Sie kommen nicht weiter.

Viele unserer Studenten, vor allem aus den Geisteswissenschaften, sind mehrere Monate über dem Abgabetermin ihrer Hausarbeiten: Sie verbrauchen zu viele Versuche bei den Klausuren. Wir haben eine Überzahl an Studienverlängerern bei uns, bei diesen Fällen ist es besonders dramatisch. Da geht es um Jahre.

Was bedeutet das Aufschieben genau?

Die Studenten haben unrealistische Eigenansprüche: Man erwartet zu viel von sich und seinen Leistungen, in zu wenig Zeit. Die Studenten müssten ständig etwas tun, tun aber nichts. Sie schieben die Arbeit immer wieder noch weiter auf. Es entsteht dadurch mehr Druck auf sie.

Was sind die psychischen Probleme dahinter?

Vielen ist nicht klar, dass das Programm im Bachelor sehr eng programmiert ist: Mal in einer Klausur durchzufallen ist im Bachelor wirklich kein Beinbruch. Das versuchen wir den Studenten zu erklären: Das Abitur und das Studium, das ist ein himmelweiter Unterschied. Die Studenten zweifeln oft an sich, wenn nicht alles so läuft, wie im Abitur.

In welchem Zustand kommen die Studenten?

Der Klassiker ist: Sie haben sich seit Wochen vorgenommen zu uns kommen. Dann sagen sie nur zwei Sätze und sind nervlich aber so am Ende, dass sie direkt anfangen zu weinen.

Wie gehen Sie damit um - was passiert dann?

Wir reden mit den Studenten, beruhigen sie und machen uns ein Bild von der Problemlage: Vielleicht kann der Student nicht lernen, weil sein Mitbewohner stört. Ist es eine psychische Erkrankung, vielleicht eine Depression oder tatsächlich die Arbeitsstörung des Prokrastinierens, heißt Aufschiebens? Diese Fragen klären wir mit dem passenden Personal.

Was ist der Auslöser für den emotionalen Zusammenbruch?

Der Auslöser ist im Grunde großer Druck, sowohl von innen als auch von außen: Die Studierenden bekommen den Druck, zum Beispiel von den Eltern oder machen sich selbst den größten Druck. Eine Rolle spielt auch der gesellschaftliche Druck. Da ist die Sorge da, dass man beruflich nicht ankommt.

Schon in der Schule wird den Jugendlichen gesagt, dass sie gut sein müssen, wenn aus ihnen etwas werden soll. Eine Rolle spielt dabei auch: Wie weit hab ich mich vom Elternhaus abgegrenzt? Denn viele machen sich auch unterbewusst Druck, der doch von den Eltern ausgeht.

Wie könnt ihr den Studis helfen?

Wir strukturieren den Alltag mit den Studenten. Wir schauen uns an: Wo und wie lange sind die Zeiten, in denen sie lernen können und wann sollen sie nicht lernen und einer Freizeitaktivität nachgehen. Wir fragen sie danach und wirken darauf hin, dass sie vielleicht nur drei statt sieben Klausuren schreiben können.

Die Studenten müssen lernen realistisch ihren Alltag zu strukturieren. Wenn wir die Studierfähigkeit in Frage stellen fragen wir auch: „Wie wäre es denn wenn Sie abbrechen?“ Den meisten Studenten können wir aber mit der gemeinsamen Strukturierung ihres Alltags helfen.