Mit PR-Tricks ist das Desaster nicht aufzuarbeiten

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Duisburg. Nach nur wenigen Tagen hat der PR-Berater Steinkühler sein Engagement für die Stadt Duisburg beendet. Er sollte nach der Loveparade-Katastrophe die Krisenkommunikation managen. Ein Kommentar von Manfred Lachniet.

Geht es noch jämmerlicher? Der sogenannte persönliche Medienberater, den Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland erste letzte Woche engagiert hatte, schmiss gestern entnervt das Handtuch. Der Medienprofi hat offensichtlich erkannt, dass dem Stadtoberhaupt nicht mehr zu helfen ist. Es hat keinen Sinn, die Loveparade-Tragödie mit 21 Toten schönreden zu wollen. Mit PR-Strategien und Tricks ist das Desaster nicht aufzuarbeiten.

Solch eine Finte war Sauerlands via WDR verbreitete Klage, dass die Landesregierung der Stadt Duisburg die Namen der Loveparade-Toten vorenthalte. Nachfragen der NRZ ergaben, dass diese Namen sehr wohl und längst in Duisburg vorlagen; in Sauerlands eigenem Amt! Hinterher ließ er mitteilen, dass ihm dies nicht bekannt war. Es ist erbärmlich, wenn er auf andere mit dem Finger zeigt, um seine eigenen Schwächen zu vertuschen.

Nach dem plötzlichen Abgang des externen Medienberaters muss Sauerland nun seinen eigenen Presse-Mitarbeitern erklären, warum er ihnen die Arbeit nicht zutraut. Und den Steuerzahlern muss er erläutern, warum er der hoch verschuldeten Stadt die teure Beratung zumutet.

Der Verlust des Beraters war gestern nicht die einzige Schlappe für Sauerland: Binnen weniger Stunden musste er eine einstweilige Verfügung gegen einen Internet-Blog zurückziehen, der amtliche Dokumente über die Vorbereitungen zur Loveparade eingestellt hatte. Die darob verärgerte Stadt drohte über ihre Kanzlei mit einer 250 000-Euro-Klage. Doch schon kurz darauf musste sie kapitulieren, als immer mehr Internet-Blogs der gesperrten Seite zusprangen und die Dokumente fleißig weiter verbreiteten. Die Wahrheit lässt sich eben nicht unterdrücken.

Nur die Staatsanwaltschaft kann objektiv aufklären

Auch in der Klärung der sicher schwierigen Frage, warum es zur Katastrophe am 24. Juli kommen konnte, fuchtelt die Stadtführung herum: Über ihre – ebenfalls aus Steuergeldern zu bezahlende - Kanzlei hat sie ein Gutachten erstellen lassen, das bei der Stadtverwaltung keine Mitschuld erkennen kann. Die Landesregierung hat dies zu Recht angezweifelt. Denn nur die Staatsanwaltschaft kann den Fall objektiv aufklären. MT Loveparade Duisburg Spezialseite

All diese Vorfälle offenbaren, dass die Stadtspitze von Tag zu Tag konfuser agiert. Sauerlands Chefetage gleicht einem Tollhaus, das täglich neue Peinlichkeiten präsentiert. Die Duisburger Bürgerinnen und Bürger sind es längst leid, dass ihre Stadt nur noch Negativmeldungen produziert. Das haben sie nicht verdient.

Der Medienmann hat derweil vorgemacht, was vom Oberbürgermeister erwartet wird: Konsequenzen ziehen und den Hut nehmen.

 
 

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